Wie klingt Misogynie auf bayerisch? Markus Söder (CSU) macht es vor: "Ohne Auto, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib".
Man sieht ihn förmlich vor sich, den bayerischen Ministerpräsidenten, wie er winkt und süffisant ruft: Servus, ihr Halberten!
Vroooom Vroooom Vroooom: Das passt zum mächtigen PS-Rumgepose auf der Internationale Automobilausstellung (IAA) in München, die in dieser Woche stattfindet und bei der Söder Gastgeber ist.
Auch vor Ort: Ein Bundeskanzler, der mit seiner Eröffnungsrede blass abschneidet. Was Merz (CDU) sagt, will dort niemand hören: "mehr Flexibilität" in der Regulierung, "mehr Technologieoffenheit", keine "einseitigen politischen Festlegungen". Was alle hören wollten, aber nicht kam: Abkehr vom EU-Verbrennerverbot. Sofort!
Söders sexistische Wortwahl entlarvt patriarchale Denkweise
Den trotz Sommerbräune matt wirkenden Kanzler verdrängte Markus Söder, der Döner-Konvertit, mühelos. Dass er sich lautstark für deutsche Industrieblüte mit fossiler Duftnote einsetzt, überrascht nicht. Auch sein Hang zu verfänglichen Bildern und klaren Worten ist bekannt.
Doch Söder setzt noch einen drauf: Seine Aussage in der FAZ – "Ohne Auto, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib" – ist Misogynie at its best.
Niemand würde sagen: "Ohne Industrie ist Deutschland ein Mann ohne Gemächt." Und das ist auch gut so!
Söders Sprachbild – übrigens als Antwort auf die rein sachliche Frage, ob Deutschland wieder mehr industrielle Basis brauche – zeigt: Seine Haltung gegenüber Frauen ist nicht nur veraltet, sondern sexistisch und objektivierend.
Frauenpower statt Unterleiber: Innovation kennt kein Geschlecht
Die Jahrmarkts-Metapher reduziert Wirtschaftspolitik auf die Fortpflanzungsfrage eines prosperierenden patriarchalen Industrielandes. Zu schade, dass Söder übersieht: Nicht Unterleiber machen ein Land stark, sondern Köpfe – und darunter besonders die vieler Frauen.
Wie etwa Hedy Lamarr: "Dame ohne Unterleib" wäre hier eine treffende metaphorische Beschreibung des Ungleichgewichts zwischen ihrem Ruhm als Schauspielerin und dem Übersehen ihrer wissenschaftlichen Arbeit.
Denn die österreichische Hollywood-Schauspielerin entwickelte 1942 gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil ein "Frequenzsprungverfahren". Ursprünglich für geheime Torpedo-Kommunikation gedacht, bildete es später die Basis moderner drahtloser Technologien wie WLAN, Bluetooth und GPS.
Hätte sie geahnt, welche Daten ihre Erfindung transportieren würde – vielleicht hätte sie einen Sexismus-Filter eingebaut, der bayerische Ministerpräsidenten automatisch stummschaltet.