4.10.2020
KZ-Gedenkstätte

Gedenktafeln für ehemaliges Hersbrucker Konzentrationslager angebracht

Auf dem ehemaligen Gelände des KZ Hersbruck (Landkreis Nürnberger Land) sind am Freitagabend vier Erinnerungstafeln für die Häftlinge und die Angehörigen der 65. Infanterie-Division der US-Army eingeweiht worden.
Dokumentationszentrum KZ Hersbruck
Das Dokumentationszentrum KZ Hersbruck befindet sich im Rosengarten, wo bald auch die Stele im Gedenken an die verschleppten Sinti der mittelfränkischen Stadt eingeweiht wird.

Auf dem ehemaligen Gelände des KZ Hersbruck (Landkreis Nürnberger Land) sind vier Erinnerungstafeln für die Häftlinge und die Angehörigen der 65. Infanterie-Division der US-Army eingeweiht worden. Dabei lobten Vertreter aus Politik und Gesellschaft eine aktive Zivilgesellschaft, zeigten sich aber auch besorgt über Angriffe auf die Demokratie.

"Demokratie und Meinungsfreiheit sind nicht selbstverständlich", sagte Armin Kroder (FW), Bezirkstagspräsident von Mittelfranken, und dankte dem Verein Dokumentationsstätte Hersbruck für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement. Solches Gedenken sei unerlässlich, um immer wieder Flagge für die Demokratie zu zeigen, mahnte er.

Dort, wo heute das Finanzamt und die Therme stehen, mussten 1944/45 rund 10.000 Häftlinge unter unmenschlichen Zuständen leben, erinnerte ein Vertreter des Finanzamt Hersbruck. Beim Bau der Dogger-Stollen für BMW-Flugzeugmotoren kamen rund 600 Menschen ums Leben.

"Überall ausgemergelte Körper, zehn Fuß hohe Leichenberge, elende Gestalten bewegten sich kriechend auf uns zu und baten um Hilfe", zitierte Peter Schön, ehemaliger Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstätte Hersbruck, den Brief eines US-Soldaten der 65. Infanterie Division. Diese hatte zuerst das KZ Ohrdruf/Thüringen und schließlich das Außenlager des KZ Flossenbürg in Hersbruck befreit. Das Hersbrucker Lager sei allerdings leer gewesen, da die SS alle Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Alpen gezwungen hätte.

"Wir dürfen nicht nachlassen, gegen die Feinde der Demokratie zu kämpfen", sagte Robert Günther vom DGB. Er verwies auf das Oktoberfest-Attentat, die Morde des NSU, die Ermordung von Walter Lübcke oder die Anschläge von Halle und Hanau. Ähnlich sah es Karl Freller (CSU), Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Stiftungsdirektor Bayerische Gedenkstätten. "Es ist unerträglich, wenn die AfD bei der Rede der Shoa-Überlebenden Charlotte Knobloch den Saal verlässt", erinnerte er an einen Eklat im Landtag. "Unsere Demokratie muss verteidigt werden", appellierte er an die Teilnehmenden.

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