Klima
Er ist wütend, bleibt aber noch optimistisch, die Klimakatastrophe abzuwenden. Der Jesuitenpater Jörg Alt kämpft für eine nachhaltigere Welt und hat dafür nun ein neues Buch geschrieben. Es heißt "Einfach anfangen".
Plastikmüll

Gegen die Klimakatastrophe lässt sich nach Überzeugung des Jesuitenpaters Jörg Alt noch in letzter Sekunde etwas unternehmen. Der Klimaaktivist stellte  in Nürnberg sein Buch "Einfach anfangen" vor, mit dem er eine auf Werten basierende gerechte Welt skizziert.

Neoliberale Mythen sollen abgeschafft werden

Diese Erzählung müsse neoliberale Mythen von einer auf Konsum ausgerichteten Wegwerfgesellschaft ablösen, sagte er. Wer Menschen frage, was für sie im Leben wichtig sei, erhalte Antworten wie: gute Freunde, für die Familie da sein oder Menschen helfen, die in Not sind.

Dennoch würden sich auch in den Köpfen der Ärmsten Schlagworte halten wie "Erbschafts- oder Vermögenssteuer bestrafe die Reichen und gefährde damit Jobs". "Der regulierende Staat als Bösewicht hat sich in den Köpfen festgesetzt", so Alt.

Alt: Umkehr erfordert Kehrtwende des Wirtschaftssystems

Mit seinem zwölften Buch stellt er den bundesdeutschen Parteien ein schlechtes Zeugnis aus. Jede von ihnen würde in ihren Wahlprogrammen das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad einzugrenzen, nicht erfüllen. Sie würden Scheinlösungen präsentieren, indem sie suggerierten, dass das Klima zu retten sei, "indem wir nur ein Rädchen hier und ein Rädchen da drehen".

Eine Ökonomie, die nur das produziere, was der Mensch wirklich brauche, ist nach Alts Auffassung die Lösung. Eine solche Umkehr werde nicht auf den Schultern der Einzelnen lasten, stellte er fest, sondern hierfür müsse das Wirtschaftssystem umgekrempelt werden.

Alt fordert mehr Engagement gegen den Klimawandel 

Alt fordert die einzelnen Menschen auf, in ihren Bereichen Schritte für den Klimawandel zu gehen und sich außerdem zu engagieren: "Jeder Einzelne sollte überlegen, wo er seine Interessen einbringen könnte".

Er verlange nicht von einer alleinerziehenden Mutter, ihren ganzen Einkauf auf Biogemüse umzustellen. "Ich bin nur mit denen unzufrieden, die sich der Verantwortung gar nicht stellen".

Jesuitenpater war jahrelang Sprecher der Bewegung "Steuer gegen Armut"

Jörg Alt, Priester des Jesuitenordens, ist als Hochschulseelsorger in Nürnberg tätig. Er hat in der Vergangenheit erfolgreich die Kampagne gegen Antipersonenminen koordiniert.

Jahrelang war er einer der Sprecher der Bewegung "Steuer gegen Armut", die sich für eine Finanztransaktionssteuer einsetzte.

Einfach anfangen! Bausteine für eine gerechtere und nachhaltige Welt

Jörg Alt

Klimakatstrophe, Armut, Flüchtlingsbewegung - das sind nur einige der großen Probleme unserer Zeit. Viele dieser Schwierigkeiten gehen nach Ansicht von Jörg Alt auf das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zurück, dass gemeinhin als Neoliberalismus bezeichnet wird. Dass niemand trotz der zunehmend sichtbar werdenden Probleme dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ernsthaft infrage stellt, liegt daran, dass es bislang nicht gelungen ist, seine verheißungsvollen Versprechen durch ebenso verheißungsvolle Alternativen zu ersetzen.

Daher geht es in diesem Buch zunächst darum, wie eine solche Alternative aussehen könnte. Und dann, wie diese neue Idee von weltweiter Gesellschaft ganz konkret umgesetzt werden kann. Letztlich geht es um einen Perspektivwechsel, der Mut macht, die dringend notwendigen Veränderungen in unserer Welt anzugehen und sie wirklich zu tun – eben einfach anzufangen!

Verlag: Vier Tuerme GmbH

Seitenzahl: 175

ISBN: 3532628597, EAN: 978-3736504028

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