13.03.2016
Discounter und Kirche

Aldi erklärt Ostern

Die Lebensmittelkette Aldi Süd erklärt Kindern das Osterfest. In einer 16-seitigen Broschüre erfahren sie die Hintergründe von Palmsonntag bis Ostersonntag. Die bayerische Landeskirche lobt die Aktion.

In der Oster-Broschüre, die auch Bräuche aus anderen Ländern schildert, gibt es neben Informationen zu Ostern Ideen für Aktivitäten, Basteltipps, Rätsel und Backrezepte. 2015 gab es vom selben Konzern bereits eine Kinderbroschüre zu Weihnachten.

Der Berliner Marketing-Professor Justin Becker erklärt dazu laut Onlineportal evangelisch.de: In den vergangenen Jahren seien die Discounter in einer "preislichen Abwärtsspirale" gefangen gewesen. Im Niedrigpreis-Segment hätten sie sich gegenseitig gezwungen, den Preis immer weiter zu senken. Diese Spirale wolle man nun mit neuem Image durchbrechen und das Marktsegment "günstig, aber hochwertig" besetzen. Dazu gehörten hochwertige Kundenmagazine.

Der Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Johannes Minkus, bezeichnete die Kampagne als "vorbildlich". Er freue sich darüber und lobt die Supermarktkette auf ihrer Facebook-Pinnwand: "Kompliment zu Ihrem Kinder-Ostermagazin. Was uns Christen wichtig ist an Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern, wird in leicht verständlicher Sprache zutreffend erklärt. Vorbildlich!"

Warum feiern wir eigentlich Ostern?

Auf die Frage, warum Ostern eigentlich gefeiert wird, heißt es in der Broschüre: "Ostern feiern Christen auf der ganzen Welt jedes Jahr die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Es ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche - sogar noch wichtiger als das Weihnachtsfest." Auch die zentralen Tage der Karwoche erläutert das Magazin.

Auch Kritik an der Aktion bleibt nicht aus. So kommentiert ein Nutzer auf der ELKB-Facebookseite: "Klasse Aktion. Nur traurig eigentlich, dass das Christentum heute von Lebensmittel-Discountern erklärt werden muss, weil das die Kirchen bereits Jahrzehnte nicht schafften bzw. versäumten."

Und ein anderer erklärt: "Ja, gut gemacht - aber von mir als Gemeindepfarrer wird kein einziges Kind dieses Blatt in die Hand gelegt bekommen. Warum? Am Ende geht's nur ums Geschäft - wie schon der Aufdruck verrät: ›Für unsere kleinen Kunden‹ (!!!). Da kann ich dann nur sagen: Publikationen dieser und besserer Qualität gibt's in der Kirche haufenweise. Dafür brauchen wir diesen Supermarkt nicht."

 

Die Broschüre gibt es hier zum Download.

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