13.06.2018
Kirche und Architektur

Wilhermsdorfer "Kircheneck": Richtfest am 15. Juni

Dass Pfarrer Christian von Rotenhan derzeit öfter Bauhelm statt Talar trägt, kann man getrost sagen. Denn er hat vor wenigen Monaten mit der 1. Pfarrstelle der Gemeinde Wilhermsdorf (Dekanat Neustadt an der Aisch) nicht nur die Verantwortung für rund 50 Angestellte und drei Kindertagesstätten, sondern auch für den Bau des neuen Gemeindezentrums "Kircheneck" übernommen – und das Projekt hat es weitaus mehr in sich, als alle Beteiligten vermutet hatten.
Pfarrer Christian von Rotenhan vor dem Bau des Gemeindezentrums "Kircheneck" in Wilhermsdorf
Pfarrer Christian von Rotenhan vor dem Bau des Gemeindezentrums "Kircheneck" in Wilhermsdorf. Am 15. Juni um 14 Uhr ist - endlich - Richtfest.

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, kommt man heute auf die Baustelle, wo schon seit hunderten von Jahren das charakteristische Eckhaus am Marktplatz im Schatten der Hauptkirche stand: Fügte sich das einstige Gebäude noch recht unscheinbar in das alte Stadtbild ein, entsteht dort seit April 2017 im Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde Wilhermsdorf nun ein imposanter Bau, der einmal verschiedene Gemeindesäle, Proberäume für Kirchen- und Posaunenchor sowie Gruppenräume für beispielsweise Konfirmandenunterricht beherbergen soll. Garniert wird das Projekt von einem neu anzulegenden Pfarrgarten, auf dem sich mitten im Ortskern einmal die Besucher tummeln sollen. "Wenn es mal fertig ist, wird das toll", ist von Rotenhan überzeugt. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Richtfest ein dreiviertel Jahr später

Eigentlich sollte das Richtfest nicht erst am 15. Juni (14 Uhr), sondern bereits im Herbst 2017 stattfinden. Doch dann kamen die "Überraschungen", wie sie eigentlich jeder kennt, der mit Altbausanierungen schon seine Erfahrungen gesammelt hatte. Im Falle des "Kirchenecks" waren das unter anderem der unerwartet hohe Grundwasserspiegel, der den Baufortschritt verzögerte. Wäre es nach dem Landesamt für Denkmalschutz gegangen, wäre zudem ein alter Torbogen an der Burgmilchlingstraße erhalten geblieben. Jedoch stellte man bald fest, dass dem Bogen ein stabiles Fundament fehle und er damit nicht verkehrssicher ist. Er wurde abgerissen.

Anderorts musste sich die Kirchengemeinde mit einem Anlieger wegen ein paar Quadratmetern Grund, auf dem man das neue Gemeindezentrum gerne ausgeweitet hätte, mit dem Anlieger gerichtlich einigen. Und die Entsorgung von Aushub sowie alten Baumaterialien wie Holz oder Stroh aus Zwischenböden kostete wegen einer neuen Verordnung und der Durchsicht auf einer spezialisierten Deponie auch mehr als erwartet.

Tafelsilber verkauft

Udo Zill, Baukoordinator des Kirchengemeinderats, rechnet vor: Aus den ursprünglich angedachten 3,1 Millionen Euro werden jetzt wohl rund 3,7  Millionen. Davon schießt die Evangelische Landeskirche 1,6 Millionen Euro zu. "Sicher wäre ein Bau auf der grünen Wiese billiger und schneller über die Bühne gegangen. Wir haben bewusst den Altort gewählt. Wegen der Nähe zur Kirche, wo wir hin gehören", erklärt Zill.

Die Marktgemeinde mit Bürgermeister Uwe Emmert steuert aus Mitteln der Städtebauförderung 270 000 Euro zu. Dafür behält sie sich aber auch vor, den großen Saal im ersten Stock des Komplexes auch für städtische Veranstaltungen mit zu nutzen. Was im Großen gesehen Sinn macht: "Wilhermsdorf hat keinen Platz, an dem man mal rund 100 Menschen empfangen könnte. Zudem profitieren wir als Kirchengemeinde ebenfalls davon, dass unser Ortskern gestärkt wird", sagt von Rotenhan.

Knapp 360 000 Euro hat der Verkauf von Liegenschaften der Gemeinde eingebracht. "Das Tafelsilber ist verkauft", meint der Pfarrer. Und die runde halbe Million an Eigenmitteln von der "hohen Kante" stecken auch in der Rechnung. Pfarrer von Rotenhan hofft daher auf die Spendenbereitschaft der rund 2600 Gemeindeglieder und wird sich um weitere Kredite bemühen.

Immerhin beansprucht er nicht die Dienstwohnung, die sich gleich neben dem Gemeindezentrum befindet. Da Gattin Christiana-Barbara im nahen Markt Erlbach ebenfalls eine Pfarrstelle inne hat, wohnt das Paar auch im dortigen Pfarrhaus.

"Wir sind froh, hier eine solche Stellenkombination gefunden zu haben. Schließlich sind wir als Pfarrers-Ehepaar, das zwei volle Pfarrstellen besetzen möchte, schwer vermittelbar", lacht Christian von Rotenhan. Vorher waren beide in Schweinfurt in der Gemeinde St. Lukas aktiv. Nachdem die Kinder aber "aus dem Haus" sind, wagten sie den Schritt nach Mittelfranken.

Es wird voraussichtlich Frühjahr 2019, bis das "Kircheneck" endlich fertig ist. Dann ist auch die Baustelle mit all ihren Einschränkungen im Verkehr verschwunden.

Das provisorische Pfarrbüro, das dann auch in die neuen Räume einziehen soll, ist derzeit nur wenige Meter von der Baustelle entfernt in einer ehemaligen Bankfiliale untergebracht. Doch auch hier haben Pfarrer von Rotenhan und die Gemeinde schon Pläne. Er verspricht: "Sie waren nicht das letzte Mal in Wilhermsdorf".

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