15.02.2019
Fränkisches Freilandmuseum

Planungen für Wiederaufbau der Allersheimer Landsynagoge haben begonnen

Vor mehr als vier Jahren wurde die fränkische Landsynagoge in Allersheim südlich von Würzburg abgebaut. Jahrelang war das Gebäude leer gestanden, in schlechtem Zustand. Nun beginnen die Planungen für den Wiederaufbau der Landsynagoge im Bad Windsheimer Freilandmuseum.
Landsynagoge Allersheim
Freilandmuseums-Direktor Herbert May im Sommer 2014 bei der Besichtigung der alten fränkischen Landsynagoge in Allersheim.

Der Dornröschenschlaf für die unterfränkische Landsynagoge aus dem Dörfchen Allersheim im Landkreis Würzburg könnte bald vorbei sein. Seit rund vier Jahren schlummern ihre jahrhundertealten Mauern im Depot des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim. Doch nun hat der mittelfränkische Bezirkstag als Träger des Freilandmuseums schon für dieses Jahr die ersten Gelder freigegeben, um den Wiederaufbau und die Sanierung der Synagoge anzugehen. "Das war für uns eine große Überraschung", sagt Museumsleiter Herbert May. Im Jahr 2021 könnte der Aufbau beginnen - und 2022 fertig sein.

"Zuerst einmal muss jetzt das Liegenschaftsreferat des Bezirks einen Architekten beauftragen", beschreibt May das Prozedere. Parallel dazu überlegen sich May und Museums-Restaurator Dieter Gottschalk schon, welches Planungsbüro mit ins Boot geholt werden soll. "Technisch ist der Wiederaufbau kein Problem", erläutert Gottschalk, der momentan den Aufbau eines mittelalterlichen Gemeinschafts-Badhauses betreut. Dort gibt es viele technische Fragen zu klären, zum Beispiel wie Wasser und Abwasser im Mittelalter transportiert wurden. Solche Probleme gebe es beim Aufbau der kleinen Landsynagoge freilich nicht, berichtet er.

Innenleben bereitet Probleme

Die Schwierigkeiten liegen woanders. Auch wenn die Kubatur, also die Außenmaße des Hauses, relativ leicht wieder herzustellen seien - zum Innenleben der Synagoge haben die Experten noch so manche Frage. "Es war eine einfach ausgestattete Landsynagoge ohne Reichtümer", erzählt Gottschalk. Genau das mache sie als steinernes Zeugnis für das fränkische Landjudentum so bedeutend: "Allerdings: Wir wissen nicht, wie sie innen ausgesehen hat." Wie sah die Bima aus, das Lesepult für die Tora? Wie der Tora-Schrein? Und wozu war dieses kleine Zimmer im Obergeschoss neben dem Bet-Raum da? Wurde dort unterrichtet?

Klar ist, dass der Bet-Raum in der um 1740 errichteten Synagoge wohl vergleichsweise schlicht ausgestaltet war. Das Zimmer im ersten Stock besaß ein Tonnengewölbe, das blau gestrichen und mit eher schlichten gelben Sternen verziert war - ein Sternenhimmel also. Im Keller gab es eine Mikwe, ein Ritualbad, das wegen Hygienevorschriften ab dem Jahr 1828 aber nicht mehr genutzt werden durfte. Irgendwann um 1911 war die Gemeinde in Allersheim wegen der Landflucht zu klein geworden, die Synagoge wurde nicht mehr gebraucht, verkauft und zum Wohnhaus umgebaut. Mehr als 30 Jahre stand es zuletzt leer und verfiel.

Landsynagoge Allersheim
Seit etwas mehr als vier Jahren lagern die zerschnittenen und in einem Korsett aus Balken, Brettern und Schrauben gesichert die Wände der ehemaligen fränkischen Landsynagoge Allersheim im Depot des Freilandmuseums Bad Windsheim und warten auf den Wiederaufbau.

Spätere Umbauten sollen sichtbar bleiben

Glücklicherweise wurde beim Umbau zum Wohnhaus viel Baumaterial wiederverwendet - etwa die blauen Bretter des Tonnengewölbes, die für die Geschossdecke hergenommen wurden. "Mit diesen Funden kann man gut andeuten, wie es einmal ausgesehen hat", sagt Restaurator Gottschalk. Allerdings soll die Synagoge nicht im bauzeitlichen Urzustand aufgebaut werden, sondern alle Umbauten und Umnutzungen späterer Zeit sichtbar werden. "Wie genau wir das machen werden, ob etwa mit digitalen Elementen, oder ob mit Mauerstümpfen später eingezogener Wände, das wissen wir aktuell noch nicht", sagt Museumschef May.

Untypischer Grundriss gibt Rätsel auf

Weil man zwar baukundlich eine Menge Expertise habe, nicht jedoch beim Thema Judentum, will das Freilandmuseum bei diesem besonderen Gebäude mit Experten für jüdische Geschichte zusammenarbeiten. Zum Wiederaufbau soll es auch ein wissenschaftliches Symposium geben. Dort kann dann vielleicht auch ein bauliches Geheimnis endgültig geklärt werden, über das May und Gottschalk seit Jahren rätseln: Der Grundriss der Synagoge ist kein Quader, sondern L-förmig, es gibt einen kleinen Anbau, der unter anderem als Treppenaufgang genutzt wurde. "Das ist für diese Bauzeit eher untypisch", sagt Bauexperte Gottschalk.

Fest steht bereits, wo das neue Exponat auf dem Museumsgelände aufgebaut werden soll - zwischen Schulhaus und Landscheune in die "Baugruppe West", in der Gebäude aus dem Mainfränkischen und von der Frankenhöhe stehen. "Toll wäre es, wenn die Landesausstellung 2022 in die Stadt Bad Windsheim und zu uns ins Museum käme", sagt Museumsleiter May. Thema der Schau sei "Typisch Franken", und da "passt so eine fränkische Landsynagoge als Neuheit natürlich perfekt". Die Entscheidung darüber, wo die Landessausstellung 2022 stattfindet, fällt das Haus der Bayerischen Geschichte noch in diesem Februar.

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