Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag startete am Mittwoch, den 7. Juni 2023 in Nürnberg und endete am Sonntag, den 11. Juni. Er stand unter dem Motto "Jetzt ist die Zeit".

A-Capella-Band Füenf sammelt Spenden auf Kirchentag

Dienstag, 20. Juni 2023: Die A-capella-Band Füenf engagiert sich seit dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015 für "Brot für die Welt". Beim Kirchentag in Nürnberg konnten sie nun die Summe der insgesamt gesammelten Spenden auf über 100.000 Euro steigern, wie die Band in einer Pressemitteilung erklärt.

Als Botschafter von "Brot für die Welt" spielten Füenf am 10. Juni ein Konzert auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor rund 6.000 Menschen. Dabei kamen viele Spenden zusammen, die der Initiative "Gitarren statt Gewehre" zugute kommen werden. Dieses Projekt zielt darauf ab, ehemaligen Kindersoldaten und anderen Opfern von Gewalt eine Berufsausbildung im Centre d'Apprentissage Professionnel et Artisanal (CAPA) in Bukavu, Demokratische Republik Kongo, zu ermöglichen.

Der Auftritt in Nürnberg sei für Füenf von großer Bedeutung gewesen, heißt es weiter. In gewisser Weise schließe sich damit nach acht Jahren ein Zyklus, so die Band. "Zweifellos war das Konzert auf dem Kirchentag 2023 ein ungemein emotionaler Moment für uns. (...) Wir sind stolz auf diese Leistung und vor allem sind wir unendlich dankbar."

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt: Bischof kritisiert Kirchentag

Montag, 19. Juni 2023: Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat den Deutschen Evangelischen Kirchentag aufgefordert, den Umgang des christlichen Laientreffens mit sexualisierter Gewalt stärker aufzuarbeiten. Auch der Kirchentag in der vergangenen Woche in Nürnberg habe das Thema nur sehr am Rande behandelt, sagte Meister am Samstag beim regionalen Ökumenischen Kirchentag in Osnabrück.

In den 1970er Jahren seien auch auf Kirchentagen Gruppen aufgetreten, die Sexualität mit Kindern propagiert hätten. "Der Kirchentag hat das bis heute nicht geschafft, das aufzuarbeiten", sagte Meister während einer Podiumsdiskussion. Er versprach, beim kommenden Kirchentag in Hannover werde sich das ändern. Das Großereignis soll vom 30. April bis zum 4. Mai 2025 in der niedersächsischen Landeshauptstadt gefeiert werden.

Meister betonte, vor 40 Jahren sei in der evangelischen Kirche die Freiheit hochgehalten worden. Dadurch sei es auch zu sexualisierter Gewalt gekommen. "Die große Freiheit führte zu einer Übergriffskultur."

Stephan Rixen, Jurist und Mitglied des Deutschen Ethikrats, forderte den Staat auf, sich mehr in die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den Kirchen einzumischen. Die Kirchen dürften nicht damit durchkommen, sich auf ein eigenes Datenschutzrecht zu berufen, das dem Schutz der Institution diene.

Orden und Kommunitäten wollen noch mehr Ökumene bei Kirchentagen

Samstag, 17. Juni 2023: Die katholischen Orden und evangelischen Kommunitäten fordern bei den Kirchen- und Katholikentagen eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit. Eine solche Zusammenarbeit habe sich beim 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt (2021), beim Katholikentag in Stuttgart (2022) und beim Deutschen Evangelischen Kirchentag dieses Jahr in Nürnberg bewährt, teilten die Sprecherin der Konferenz evangelischer Kommunitäten (KevK), Priorin Ursula Teresa Buske von der Communität Casteller Ring, und Bruder Andreas Murk, Vorsitzender der katholischen Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), am Freitag mit.

Wegen Corona habe in Frankfurt das Ökumenische Kirchentags-Kloster nicht verwirklicht werden können, aber weil das Projekt alle Beteiligten fasziniert habe, sei es beim Katholikentag in Stuttgart erstmals umgesetzt worden. "Die gute Resonanz und das inspirierende Potential setzte für den Evangelischen Kirchentag in Nürnberg in diesem Jahr die Vorzeichen", heißt es in der Mitteilung. Das Zentrum Spiritualität sei dort zum Ökumenischen Kloster geworden, Gebetszeiten und Mitmachangebote, Gesprächsformate und Meditation seien sehr gut wahrgenommen worden, ziehen Buske und Murk gemeinsam Bilanz.

KevK und DOK bitten das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und den Deutschen Evangelischen Kirchentag darüber hinaus, zügig Planungen für einen 4. Ökumenischen Kirchentag zu beginnen.

Die DOK vertritt die Interessen der katholischen Ordensgemeinschaften in Deutschland mit rund 11.000 Ordensfrauen und rund 3.400 Ordensmännern, die in etwa 1350 klösterlichen Niederlassungen leben. In der KevK sind 25 evangelische Kommunitäten im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen.

Kirchentag verurteilt Hasskommentare gegen Predigende

Donnerstag, 15. Juni 2023, 16 Uhr: Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Thomas de Maizière, und Kirchentags-Generalsekretärin Kristin Jahn haben Angriffe auf die Predigenden bei den Schluss-Gottesdiensten des Kirchentags in Nürnberg verurteilt. Seit Sonntag sähen sich Quinton Ceasar, aber auch Alexander Brandl und Constanze Pott einer Welle von Hasskommentaren und persönlichen Angriffen ausgesetzt, teilte der Kirchentag am Mittwochabend mit.

Kirchentags-Sprecherin Milena Vanini sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag, die ganze Sache sei extrem "unschön" für die drei Betroffenen. Hauptsächlich sei Quinton Ceasar von den Hass-Nachrichten betroffen, vereinzelt auch Brandl und Pott. Ob es sich um eine konzertierte Aktion gegen die drei Personen handelt, wollte Vanini nicht bewerten. Man gehe aber davon aus, dass die Hasskommentare größtenteils von Personen kommen, "die gar nicht selbst beim Kirchentag waren".

Der Münchner Pfarrer Alexander Brandl sagte auf epd-Anfrage, die beleidigenden Kommentare und Nachrichten hielten sich bei ihm in Grenzen. "Das ist nichts, mit dem ich nicht umgehen kann", sagte er. Erstaunlich finde er es, "dass ich als weißer Mann offenbar mehr sagen darf als eine 'Person of Color' wie Quinton". Beide hätten über kontroverse Themen gepredigt, "aber er bekommt den Hass ab". Das liege aber sicher auch daran, dass die Predigt von Ceasar im Fernsehen übertragen wurde und seine nur vor Ort zu hören war.

Der Kirchentag wiederum teilte mit: "Viele tausend Menschen haben in der vergangenen Woche friedlich in Nürnberg Kirchentag gefeiert und kontrovers diskutiert - unterschiedlich in der Meinung, aber immer respektvoll im Umgang miteinander." Die Gesellschaft brauche diese Form des respektvollen und offenen Austausches dringend, "umso bitterer ist es nun, mitanzusehen, wie viele Menschen unseren Schlusspredigern ebendiesen Respekt versagen".

Ceasar hatte auf dem Hauptmarkt Rassismus angeprangert und deutlich gemacht, dass sich viele Menschen in der Kirche nicht sicher fühlten. Alexander Brandl hatte auf dem Kornmarkt über die Kraft von Gottes Liebe gepredigt und dabei Constanze Pott und der Geschichte ihrer Transition Raum gegeben. "Für ihre Auftritte verdienen alle drei nichts anderes als Respekt. Der Kirchentag steht hinter ihnen", erklärten de Maizière und Jahn.

Über die Aussagen seien Austausch und auch "produktiver Streit" erwünscht, "aber Angriffe auf jene, die berechtigt Rassismus und Diskriminierung in der Kirche anprangern, entbehren jeder Form von Anstand und Streitkultur, sie sind zutiefst unchristlich", heißt es in der Erklärung.

Köpfe, Menschen, Eindrücke: Das sind die Bilder vom Kirchentag 2023:

Pfarrerin Sabrina Wilkenshof beim Eröffnungsgottesdienst.
Beim Eröffnungsgottesdienst sitzen Kirchentagspräsident Thomas de Maizière, EKD-Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nebeneinander.
Gemeinsam beten, singen und den Glauben leben.
Tausende Kerzen beim Eröffnungsgottesdienst sorgten für eine geradezu magische Atmosphäre.
Wirtschaftsminister Robert Habeck diskutierte mit "Letzte Generation"-Aktivistin Carla Hinrichs.
Oppositionschef Friedrich Merz schlug auf dem "Roten Sofa" versöhnlichere Töne an als im Bundestag.
Kirchentagspräsident Thomas de Maizière und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Zehntausende Menschen füllten die Innenstadt.
Markus Söder
Ministerpräsident Markus Söder hatte beim Kirchentag wieder jede Menge Sprüche auf Lager.
"Jetzt ist die Zeit", lautete das Motto des Kirchentags.
Bildungsreferentin Sarah Vecera war wie immer unermüdlich in ihrem Einsatz für mehr Aufklärung über Rassismus in der Kirche.
Die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach bei der "FuckUp"-Night über Scheitern in der Politik.
Bundeskanzler Olaf Scholz bekam neben Beifall auch viele Buh-Rufe zu hören.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zeigte wie immer klare Kante.
Es gab auch Proteste, wie hier gegen den Asyl-Beschluss der EU.
Außenministerin Annalena Baerbock sprach mit Altbundespräsident Joachim Gauck über Frieden und Waffenlieferungen.
Markus Söder mit dem EPV-Direktor Roland Gertz.
Pastor Quinton Ceasar hielt die Predigt beim Abschlussgottesdienst - und bekam viel Applaus für seine kraftvollen Worte.

Abschluss-Predigt: Unsere Geduld ist am Ende

Sonntag, 11. Juni 2023, 11.45 Uhr: Zum Abschluss des evangelischen Kirchentages in Nürnberg hat Pastor Quinton Ceasar angesichts der Krisen der Welt vor Tatenlosigkeit und Zögerlichkeit gewarnt. "Wir können nicht mehr warten", sagte der Theologe am Sonntag vor 20.000 Besuchern des Abschlussgottesdienstes auf dem Hauptmarkt: "Nicht bis morgen oder nächste Woche."

Wenn Jesus sage "Jetzt ist die Zeit!" dann "ruft er zur Veränderung auf, zu mutigen Entscheidungen, die wirklich Veränderung bewirken", erklärte der aus Südafrika stammende Influencer unter großem Applaus.

Jetzt sei die Zeit, zu sagen: "Wir sind alle die 'Letzte Generation'", betonte Ceasar. Er rief die Menschen zur Entscheidung auf: "Ja, es gibt sie, die entscheidenden Momente." Und jeder könne entscheiden zwischen richtig und falsch. Ceasar ist Pastor in Wiesmoor bei Aurich in Niedersachsen. Der fünftägige Kirchentag in Nürnberg stand unter dem Leitwort "Jetzt ist die Zeit".

Es sei auch die "Zeit für das Ende der Geduld", fügte Ceasar hinzu:. "Jetzt ist die Zeit, um uns an die befreiende Liebe von Jesus zu kleben", nicht an Worte, an Institutionen, Traditionen und Macht oder Herkunft.

Jetzt sei die Zeit, sich für die Rechte von Behinderten, POCs und gegen die Diskriminierung von Homosexuellen einzusetzen.

Gott sei immer auf der Seite derer, die am Rand stehen und nicht gesehen werden. Ceasar: "Und wenn Gott da ist, dann ist da auch unser Platz. Gott ist parteiisch."

Er rief zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer auf. Alle Menschen hätten Privilegien, die sie für mehr Gerechtigkeit einsetzen können.

Auf dem Kornmarkt sagte der Münchener Pfarrer und Sonntagsblatt-Blogger Alexander Brandl am Sonntag, Christinnen und Christen müssten Einspruch erheben, wenn Menschen an der Entfaltung ihres Lebens gehindert werden.

Niemand solle verdrängt werden, unterstrich Brandl:

"Es ist Gottes Markt der Lebens-Möglichkeiten. Nicht alle finden wir gut. Aber alle sollen dazugehören." 

Kirchentag endet mit zwei Freiluft-Gottesdiensten

Sonntag, 11. Juni 2023, 08.22 Uhr: Mit zwei Freiluft-Gottesdiensten in der Nürnberger Innenstadt geht heute Vormittag der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag zu Ende. Seit Mittwoch hatten in Nürnberg und Fürth Zehntausende Menschen ein Glaubensfest mit Gottesdiensten, Gebeten und Musik gefeiert und zugleich unter dem Kirchentagsmotto "Jetzt ist die Zeit" über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen debattiert.

Die Predigt bei einem der beiden Abschluss-Gottesdienste wird Alex Brandl halten, Pfarrer aus München und Sonntagsblatt-Blogger. Wir haben schon im Januar mit ihm über diese Aufgabe gesprochen, die er mit viel Demut, aber auch viel Vorfreude annimmt. 

Hier geht's zum Interview mit Alex Brandl

Damit schließt sich auch ein Kreis, denn mit Pfarrerin Sabrina Wilkenshof hatte ebenfalls eine Sonntagsblatt-Bloggerin beim Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags die Liturgie übernommen.

Staffelübergabe beim Kirchentag: Auf Nürnberg folgt Hannover

Samstag, 10. Juni 2023, 20.18 Uhr: Stabübergabe beim Protestantentreffen: Die Gastgeber des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Nürnberg haben am Samstag in der fränkischen Metropole ein symbolisches Staffelholz an die Gastgeber des nächsten Kirchentages in Hannover weitergereicht. Das Großereignis wird vom 30. April bis zum 4. Mai 2025 dort stattfinden.

"Die Vorfreude wächst", sagte die künftige Kirchentagspräsidentin Anja Siegesmund. Die frühere thüringische Umweltministerin (Grüne) zog ein positives Fazit des aktuellen Treffens in Franken, das am Sonntag nach fünf Tagen zu Ende geht: "Der Kirchentag ist wieder richtig da, und das werden wir für immer mit Nürnberg verbinden."

Mit dem Treffen in Hannover kehrt der Kirchentag zu seinen Wurzeln zurück: 1949 fand der erste Kirchentag in der niedersächsischen Landeshauptstadt statt. Insgesamt wird das Großereignis zum fünften Mal an der Leine gastieren.

Baerbock: Für den Weltfrieden muss man "Farbe bekennen"

Samstag, 10. Juni 2023, 19.28 Uhr: Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine und ihr weltweites Werben um die Verurteilung des russischen Angriffskriegs verteidigt.

Würde man als Weltgemeinschaft schweigend ignorieren, dass ein Mitglied des UN-Sicherheitsrats den Weltfrieden gefährde, "wäre das eine Einladung an alle Autokraten auf der Welt", sagte Baerbock am Samstag in Nürnberg.

Um den Weltfrieden in anderen Regionen zu sichern, sei es deswegen essenziell, "dass man Farbe bekennt", sagte sie.

Solange die Ukraine deutsche Unterstützung benötige bei der Durchsetzung ihres Rechts, in Frieden und Freiheit zu leben, "so lange werden wir sie unterstützen", sagte Baerbock.

Gleichzeitig räumte sie ein Hadern mit Entscheidungen für Waffenlieferungen ein. Ethische Verantwortung bedeute aber immer, nicht nur zu bedenken, was die Konsequenzen von Handeln sind, "sondern auch meines Nichthandelns".

"Auch bei einem Nichthandeln macht man sich verantwortbar und im Zweifel schuldig", sagte Baerbock und unterstrich zudem: "Auf der Seite des Angreifers zu stehen, ist für mich keine Option."

Der evangelische Theologe Joachim Gauck, der ebenfalls auf dem Podium saß, begründete seine Position auch mit seiner Glaubensüberzeugung und wendete sich gegen Stimmen aus der evangelischen Kirche, die Waffenlieferungen mit Verweis auf die deutsche Geschichte ablehnen.

Für ihn sei das "moralisch und politisch nicht überzeugend", sagte er. Es sei "ganz klar erkennbar, wer ist der Verursacher und wer ist das Opfer". Die Unterstützung für die Ukraine damit zu vergleichen, "was Kaiser Wilhelm und Hitler getan haben", sei "geschichtsvergessen und geradezu perfide", sagte Gauck.

"Christsein verbindet sich auch mit dem Beistand für Opfer", sagte der Altbundespräsident und ergänzte: "Das ist das, was ich gelernt habe aus unserer Geschichte."

Eine Frau in einem weißen Kleid, ein Mann im dunklen Anzug
Außenministerin Annalena Baerbock und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck saßen gemeinsam auf einem Podium, auf dem es um außenpolitisches Handeln in der "Zeitenwende" ging.

De Maizière lobt Streitkultur des Kirchentags

Samstag, 10. Juni 2023, 16.38 Uhr: Die Veranstalter*innen des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentages haben sich zufrieden über die Streitkultur und die Atmosphäre während der Großveranstaltung gezeigt.

Kirchentagspräsident Thomas de Maizière nannte es am Samstag in Nürnberg "bewegend und beeindruckend", immer wieder volle Kirchen und Plätze in der fränkischen Stadt zu erleben. Er lobte auch die hohe Debattenkultur bei der christlichen Großveranstaltung in Nürnberg.

Der Kirchentag fühle sich geehrt, dass neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter anderem auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu den Gästen gehörte. Der Umgang miteinander sei dabei "sehr respektvoll und ruhig, zuhörend" gewesen.

Trotz einiger Zwischenrufe und Protestplakaten vor der Halle sei der Kirchentag imstande, "für Menschen und zu schwierigen Themen einen Rahmen zu schaffen". Kirchentagspräsident de Maizière fügte hinzu:

"Man geht hier anders miteinander um als sonst im harten politischen Geschäft."

Neue Besucherzahlen legten die Veranstalter*innen am Samstag nicht vor und verwiesen auf das Ende des fünftägigen evangelischen Kirchentages am Sonntag. Bis zur Eröffnung des Treffens am Mittwoch waren 60.000 Tickets verkauft worden.

Zu beobachten sind nach den Worten des früheren Bundesministers de Maizière neben einigen nicht so gut besuchten Veranstaltungen aber etliche "überfüllte Hallen". Er zeigte sich zudem beeindruckt von der Gastfreundlichkeit der Gastgeberstadt und der Nürnberger*innen.

"Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem und kann auch in der Kirche passieren."

Samstag, 10. Juni 2023, 15.44 Uhr: Auf einem Podium sprechen Pfarrer und Anti-Rassismus-TrainerAusten Peter Brandt, Rassismusforscher Lorenz Narku Laing, Fidon Mwombeki, Generalsekretär Gesamtafrikanische Konferenz der Kirchen aus Kenia, die deutsch-französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und Sarah Vecera, Koordinatorin Global Education, Schwerpunkt Rassismus und Kirche Vereinte Ev. Mission, über das postkoloniale Erbe der Kirche und Rassismus. Moderiert wird das Panel von Journalistin Hadija Haruna-Oelker.

Vecera betont eingangs: "Leute sagen immer, dass es mein Thema sei, aber es ist unser aller Thema." 

Mwombeki sagt: "Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem und kann auch in der Kirche passieren."

Er sei aber im Rat der EKD gut aufgenommen worden. Sie hätten ihn immer gefragt, wenn sie etwas über Afrika wissen wollten.

Narku Laing wiederum betont, Rassismus sei oft "nicht böse gemeint":

"Ich wurde, als ich hier ankam, zum Stand für die internationalen Gäste geschickt, dabei bin ich Deutscher."

Menschen seien nicht selbstverständlich keine Rassisten, nur weil sie Christ*innen seien. 

Vecera stellt auch klar, dass es ihr nicht nur um die individuelle Ebene geht: "Wenn die Leute mich über Rassismus reden hören, denken Sie oft, sie müssten mir helfen. Aber mir geht es vor allem um das große Ganze". 

Mwombeki erklärt, Menschen müssten Rassismus als etwas Böses bekämpfen. Kolonialismus sei ein Teil davon: "Rassismus betrifft Afrikaner meist mehr als andere. Das sehen wir in Europa oder auch Asien. Wir müssen ihn gemeinsam bekämpfen."

Narku Laing, der Jüngste auf dem Panel, zitiert augenzwinkernd einen alten weißen Mann: Heinrich Bedford-Strohm: "Rassismus ist Gotteslästerung." Er bekommt viel Applaus. 

Netzaktivistin Nocun: Verschwörungsideologien gefährden Zusammenleben

Samstag, 10. Juni 2023, 14.05 Uhr: Katharina Nocun, Netzaktivistin und Publizistin aus Berlin, betrachtet Verschwörungsideologien als extrem gefährlich. "Die Leute glauben irgendwann, auch die Wissenschaft und Faktenchecker sind Teil der Verschwörung", sagte sie am Samstag beim Podium "Mit mir oder gegen mich. Von QAnon bis zum Aluhut: Warum boomt Schwarzweiß?"

"Das gefährdet das Zusammenleben auf ganz vielen Ebenen in einer Demokratie", sagte sie weiter. Gleichzeitig könne das Schwarzweißdenken auch im sozialen Nahbereich viel Schaden anrichten.

Svenja Hardecker von der Fach- und Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart plädierte dafür, den Kontakt zu Angehörigen oder Freunden, die solchen Ideologien anhängen, nach Möglichkeit zu halten.

"Der persönliche Nahbereich ist die größte Chance, da wieder rauszukommen", sagte sie. Dabei solle man aber auf "Klarheit in der Sache und möglichst große Offenheit für die Person" achten, also eine inhaltliche Grenze zum Verschwörungsdenken ziehen und gleichzeitig versuchen, diese Personen als Menschen zu betrachten, die auch andere Facetten haben. Ähnlich solle auch die Kirche handeln und sich aus den Beziehungen nicht herausziehen.

EKD-Synodenpräses Heinrich: Zukunft gemeinsam gestalten

Samstag, 10. Juni 2023, 14.39 Uhr: Die Generation der Babyboomer muss nach den Worten der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, Macht abgeben.

Man solle die Zukunft aber nicht gegen sie, sondern mit ihr gestalten, sagte die Wahl-Regensburgerin am Samstag auf dem "Roten Sofa":

"Die großen Themen kriegen wir nicht hin, wenn wir gegeneinander diskutieren."

Die Präses äußerte sich auch zum Klimaschutz in der Kirche. Bei den Bemühungen zur Treibhausgas-Reduktion müssten Gemeinden Autonomie abgeben, sagte Heinrich.

Sie verstehe zwar, dass man den Raum in seiner jeweiligen Gemeinde selbst gestalten wolle.

"Aber wir können nicht für jede Solaranlage eigene Verträge aushandeln."

Bündele man diese Aufgaben, bliebe auf der anderen Seite mehr Zeit für Gemeindearbeit.

Eine Frau mit Brille, sie lächelt
Anna-Nicole Heinrich beim Kirchentag 2023.

Bischofskonferenz-Vorsitzender Bätzing fordert von Politik Engagement bei Missbrauchsaufarbeitung

Samstag, 10. Juni 2023, 14.09 Uhr: Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg die Politik aufgefordert, sich des Themas Missbrauch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzunehmen, "wie es notwendig ist".

Er wolle nicht ablenken von den Schwierigkeiten, die die Kirchen mit dem Thema hätten. Aber es geschehe schon viel in der katholischen Kirche in der Präventionsarbeit, sagte Bätzing am Samstag bei einem Interview auf dem "Roten Sofa".

Er könne verstehen, dass bei vielen der Eindruck entstehe, dass die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht schnell genug vorankomme. Aber nun sei jedes einzelne Bistum dran.

Bätzing kritisierte das Erzbistum Köln unter Kardinal Rainer Maria Woelki. Dort habe man lediglich die juristische Aufarbeitung in den Blick genommen. Das sei zwar notwendig, um Betroffenen zu ihrem Recht zu verhelfen.

"Aber das hilft nicht in die Zukunft hinein", sagte der Limburger Bischof. Es müsse ein Kulturwandel erreicht werden, "und davon war in Köln weit und breit nichts zu spüren".

Bätzing räumte ein, dass die frühere katholische Dienstordnung Leid ausgelöst habe. Es habe Tabuisierung, Doppelmoral und verstecktes Leben gerade für homosexuelle Menschen in der Kirche gegeben. Eine neue Dienstordnung habe das nun verändert.

Es gebe außerdem neuerdings die Möglichkeit einer liturgischen Feier mit dem Segen für gleichgeschlechtliche Paare. Eine Trauung solcher Paare schloss Bätzing aber aus: "Das Sakrament der Ehe ist ein Sakrament zwischen Mann und Frau, das ist die Grenze für die katholische Kirche, auch wenn die Ehe gesellschaftlich geöffnet worden ist."

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, auf dem "Roten Sofa".

Teilnehmende gegen Schwächung des EU-Asylrechts

Samstag, 10. Juni 2023, 13.51 Uhr: Mit einer Resolution haben Teilnehmende des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg gegen die geplante Schwächung des EU-Asylrechts protestiert.

Darin wenden sie sich gegen einen "Ausverkauf der Menschenrechte" und einen "Frontalangriff auf den Rechtsstaat und das Flüchtlingsrecht".

Geflüchtete erwarte an den EU-Außengrenzen nach den Plänen künftig nur ein Schnellverfahren ohne inhaltliche Prüfung der Fluchtgründe: "Mit einem fairen rechtsstaatlichen Vorgang hat das nichts zu tun."

Die Pläne führten "nur zu noch mehr Entrechtung von Schutzsuchenden". Ihnen drohe ein "Horrorszenario" mit Inhaftierung in Lagern. Die Resolution wurde bei einer Veranstaltung im "Zentrum Menschenrechte" des Kirchentages gefasst.

Eine große Mehrheit der rund 500 Anwesenden stimmte dafür. Allerdings gab es auch jeweils zweistellige Zahlen von Gegenstimmen und Enthaltungen. Eine Gegenrednerin wandte ein, Verfahren an den Grenzen seien nur für Geflüchtete mit schlechter Bleibeperspektive geplant.

Hinter der Resolution stehen die Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche sowie die Organisationen "Sea-Watch" und "Pro Asyl".

Anna-Nicole Heinrich begrüßt kontroverse Diskussionen beim Kirchentag

Samstag, 10. Juni 2023, 12:57 Uhr: Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, hat die kontroversen Diskussionen beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg begrüßt. Es gebe unterschiedliche Positionen, sagte sie am Samstag im RBB-Inforadio zu Debatten über den Ukraine-Krieg:

"Aber was uns eint, ist ein ernsthaftes Ringen um den richtigen Weg."

Einigkeit bestehe im Bewusstsein, "dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet werden muss und dass wir geschlossen an der Seite der Angegriffenen stehen".

Der Kirchentag zeige, was gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmache. Er sei ein "Diskursraum" für gemeinsame Diskussionen, in dem man nicht immer einer Meinung sei, aber wie, was einen im Kern zusammenhalte.

"Politisch sein gehört zum Christ sein", sagte sie angesichts der Teilnahme unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Kirchentag.

Bundeskanzler Olaf Scholz bekam für seine Statements beim Kirchentag Beifall, aber auch Buh-Rufe.
Nach seinem Vortrag sprach er mit vielen Menschen, die er an den Ständen besuchte.
Es gab auch Protest gegen seinen Besuch.

Scholz verteidigt Asyl-Beschluss - Beifall und Buh-Rufe

Samstag, 10. Juni 2023, 11.47 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat auf dem evangelischen Kirchentag die Bedeutung von Religionsfreiheit betont. "Ich habe eine öffentliche Verantwortung auch zum Schutz des Glaubens", sagte Scholz.

Der Kanzler wurde zuvor darauf angesprochen, dass er selbst aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist. "Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen", sagte Scholz.

Gleichzeitig bekannte der Regierungschef: "Ich zähle zu den wenigen Deutschen, die das Alte und das Neue Testament gelesen haben."

Außerdem verteidigt Scholz den von den EU-Innenminister*innen getroffenen Beschluss zur Schwächung des Asylrechts. Der vereinbarte Mechanismus sei aus seiner Sicht ein faireres Asylsystem als heute, sagte Scholz. Das jetzige System sei "weder gut für die Schutzsuchenden noch für die beteiligten Länder". 

Die Einigung auf EU-Ebene sieht auch eine Verschärfung des Asylrechts vor. Insbesondere die geplanten Grenzverfahren, die Asylverfahren vorgeschaltet werden sollen, um Menschen ohne Schutzberechtigung schnell wieder zurückschicken zu können, sorgen für Kritik, weil die Unterschreitung rechtsstaatlicher Standards und haftähnliche Bedingungen in diesen Einrichtungen befürchtet werden.

Auch die Regelungen zu angeblich sicheren Drittstaaten werden gelockert. Menschenrechtsorganisationen erklären, so könnten auch Menschen nach Syrien oder Afghanistan abgeschoben werden. 

Scholz erhielt für seine Äußerungen Applaus, aber auch Protestrufe aus dem Publikum. Ebenso war es bei anderen Themen, zu denen der Kanzler von der "Zeit"-Journalistin Tina Hildebrandt befragt wurde. Scholz verteidigte die Waffenlieferungen an die Ukraine. Sie dienten dazu, dass sich die Ukraine gegen den russischen Angriff verteidigen könne.

"Das kann und das soll sie ja", sagte er unter großem Applaus der Kirchentagspublikums. Einzelne riefen allerdings auch "Verhandlungen jetzt" von den Rängen.

Scholz entgegnete den Protestrufern, Verhandlungen seien "okay". Die Frage sei nur, mit wem und worüber. Nicht akzeptabel sei, dass die Ukraine darüber verhandeln solle, dass ein Teil ihres Territoriums einfach Russland werde, sagte Scholz.

Auch beim Thema Klimawandel gab es laute Protestrufe, die der Regierung Versagen vorwarfen. Scholz musste seine Stimme deutlich anheben, um einen Störer zu übertönen.

Schmunzelnd sagte der für sein leises Sprechen bekannte Regierungschef, er habe vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter, Senator und Minister lange frei vor großen Versammlungen geredet. "Das haben nur einige vergessen, dass das auch zu meinem Leben gehört."

Friedrich Merz beim "Roten Sofa"

Samstag, 10. Juni 2023, 11.12 Uhr: Gerade noch bei der Bibelarbeit, jetzt schon bei uns auf dem "Roten Sofa": Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz stellt sich den Fragen von Moderator Jörg Bollmann. 

Er fühle sich wohl beim Kirchentag, sagt Merz.

"Den Kirchen geht es ein bisschen wie den politischen Parteien, sie verlieren Mitglieder und Zustimmung."

Vor dieser Herausforderung stehe man und das gehe man an.  Es habe in letzter Zeit Diskussionen gegeben, ob das C in CDU noch zeitgemäß sei. Merz sei sicher:

"Selbstverständlich bleibt das C. Unser Menschenbild ist in einer weiten Auslegung ein christliches."

Die CDU habe auch Muslime als Mitglieder, das sei etwas Gutes und Selbstverständliches. 

Als Mitglied beschwere und belaste der Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen ihn sehr, erklärt Merz. Gerade eine Institution wie die katholische Kirche müsse "in der Lage sein, anders damit umzugehen" und solche Vorgänge aufzuarbeiten. Andernfalls verliere sie Vertrauen. Seine Frau sei aktiv in der evangelischen Kirche:

"Ich hab noch keine Bibelstelle gefunden , wo das mit dem Zölibat steht."

Landesbischof Bilz: Immer mehr Wohlstand geht nicht

Samstag, 10. Juni 2023, 10.56 Uhr: Die Kirchen müssen nach Ansicht des sächsischen evangelischen Landesbischofs Tobias Bilz auch Unangenehmes aussprechen.

"Wir leben in einem Land, in dem man regelmäßig Wahlen gewinnt, indem man mehr Wohlstand verspricht", sagte Bilz bei einer Bibelarbeit.

Wenn man darauf hinweise, dass ein "Immer mehr" nicht möglich sei, "kann man sich anschließend ja kaum mehr auf die Straße trauen", stellte er fest. Christ*innen sollten den Mut haben, trotzdem darauf hinzuweisen.

Bilz plädierte für weniger Selbstbezogenheit von Kirchengemeinden: "Es gilt, ein Land zu gestalten und bei den Menschen zu sein."

Geschlossene Kirchen während Corona beispielsweise seien vielfach als negativ wahrgenommen worden. Die Chance "raus aus der Kirche, hin zu den Menschen, rein in die Wohnungen" zu gehen, sei nicht immer gesehen worden, sagte Bilz.

Merz: Politik kann Heil Gottes nicht bringen oder ersetzen

Samstag, 10. Juni 2023, 10.40 Uhr: Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat beim evangelischen Kirchentag die Grenzen politischer Handlungsmöglichkeiten betont. "Wir müssen uns als Politikerinnen und Politiker bewusst sein, dass wir immer nur die vorletzten Dinge auf dieser Welt lösen können", sagte Merz am Samstag in einer Bibelarbeit beim Kirchentag in Nürnberg. "Politik kann das Heil Gottes nicht bringen und auch nicht ersetzen", fügte er hinzu.

Bestenfalls könne Politik, "die nahe vor uns liegende Zukunft gestalten, aber nicht die endgültige gewinnen", sagte Merz.

Er verwies auf das Ringen in der Politik um das bestmögliche Handeln, etwa in Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. "Es beschäftigt uns, es quält uns, es belastet uns", sagte Merz.

Er würdigte die kritischen Stimmen gegenüber Waffenlieferungen innerhalb der Kirchen, verteidigte die Lieferungen aber selbst. Um Frieden in Europa zu erlangen, seien Beschwichtigung, Appeasement und Annäherung mit den falschen Mitteln derzeit der falsche Weg.

Als zweite große Herausforderung der Zeit nannte Merz den Kampf gegen den Klimawandel. Dabei übte er Kritik an der AfD.

Zur Aufgabe, den Klimawandel zu bekämpfen, "gehört zuallererst dazu, dass wir ihn nicht leugnen", sagte Merz.

Jenseits des unstreitigen Ziels müsse in der parlamentarischen Demokratie um den richtigen Weg gestritten werden. Keine der demokratischen Parteien sei dabei "im Besitz der vollständigen Erkenntnis und Wahrheit", sagte Merz, der auch Vorsitzender der Unionsbundestagsfraktion ist.

Ein Mann mit kurzen Haaren und Brille
Bibelarbeit mit CDU-Parteichef Friedrich Merz in der Frankenhalle beim Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

Scholz, Baerbock und Merz kommen

Samstag, 10. Juni 2023, 09.23 Uhr: Der dritte und letzte inhaltliche Tag beim Kirchentag bricht an.  Heute wird Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet. Der SPD-Politiker ist Gast auf einem Podium mit dem Titel "In bewegten Zeiten gemeinsam gestalten".

Auch Außenministerin Annalena Baerbock wird als Gast erwartet. Sie wird am Abend mit Altbundespräsident Joachim Gauck über Werte, Ethik und Interessen in der gegenwärtigen Außenpolitik diskutieren.

Mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und CDU-Chef Friedrich Merz gestalten weitere Spitzenpolitiker Bibelarbeiten. Friedrich Merz wird sich auch den Fragen auf dem "Roten Sofa" stellen.

Inhaltlich geht es erneut um die großen gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart wie die Klimakrise und die Verteidigung der Demokratie. Am Mittag ist zudem eine Friedenskundgebung mit dem EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer geplant.

Last but not least: Sarah Vecera beim "Roten Sofa"

Freitag, 9. Juni 2023, 17.50 Uhr: Zum Abschluss des zweiten Tages des "Roten Sofas" hatten wir Sarah Vecera zu Gast. Sie ist  Bildungsreferentin bei der Vereinten Ev. Mission, Schwerpunkt "Rassismus und Kirche" und nebenbei auch Teil unserer Ausstellung "Rebellinnen"

Sie erzählte Moderator Philipp Gessler, dass sie erst Ende März von einem Besucher auf der Bühne bedroht wurde. Das zeige ihr letztendlich, dass Diskriminierung in der Kirche kein ausgedachtes Thema sei, sondern eines Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssten.

Zum Glück mache sie solche Erfahrungen nicht so oft. "Ich erfahre aber Rassissmus und höre viel von anderen Menschen über verschiedenste Formen von Diskriminierung. Wir müssen vor allem Rassismus als strukturelles Problem sehen, das historisch gewachsen ist."

Es sei ihr auch auf dem Kirchentag aufgefallen: "Wir sehen, wer auf Bühnen sitzt und wer uns Kaffee serviert." So habe Jesus sich Kirche aber nicht vorgestellt. Das Narrativ "Schwarze sind die Armen und Weiße auf der Bühne" bleibe so erhalten.

Kleine Kinder lernten über Beobachtungen, sie sähen, wer in der Küche koche und arbeiten gehe, das sei gesellschaftlich verankert: "Wer trägt einen Talar und wer trägt keinen?"

Das müsse man in den Blick nehmen: "Wir wollen nicht rassistisch sein, deswegen hören Sie mir gerade zu. Nicht Schuld zuweisen, sondern anerkennen, dass wir so nicht sein wollen."

Influencerin Teske: Wir brauchen mehr Zeit

Freitag, 9. Juni 2023, 17.32 Uhr: In der geistlichen Leitung kirchlicher Arbeit wünscht sich die evangelische Pastorin und christliche Influencerin Josephine Teske mehr Zeit. "Um zur Ruhe zu kommen und um sich selbst zu stärken, brauchen wir mehr Zeit", sagte die Hamburger Pastorin, die auch Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, am Freitag bei einem Podium des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fürth. Doch oft stehe dem und damit verbunden auch der besseren Vereinbarung von Familie und Beruf "Verwaltungszeug" im Wege, kritisierte die Theologin. Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp, designierter Landesbischof für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, unterstützte Teske.

In Zeiten abnehmender Ressourcen nehme der Druck beispielsweise auf die ehrenamtlichen Kirchengemeinderäte zu, beschrieb Teske die Situation. Während des Podiums unter dem Titel "Verdurstet an der Quelle? - Geistlich Leiten in der Kirche" sagte sie, ihr helfe Gemeinschaft, um damit umgehen zu können. "Mit anderen glauben, reden, beten, ich brauche das so sehr, diese Schwingungen", sagte die Influencerin, die auf ihrem Instagram-Account "seligkeitsdinge_" mehr als 40.000 Followerinnen und Follower hat.

Der Münchner Regionalbischof Kopp schlug beispielsweise eine regelmäßige Unterbrechung von Sitzungen vor, um sich zu besinnen und Kraft zu tanken:

"In jeder Stunde eine Minute Stille - niemand beschäftigt sich mit seinem Handy."

Darüber hinaus sind für ihn in der geistlichen Führung drei Dinge zentral: "Gelassen, humorvoll und zugewandt leiten." Um das zu erreichen, brauche es eine spirituelle Praxis und regelmäßige Übungen.

Bedford-Strohm und Heinrich diskutieren über Klimaschutz

Freitag, 9. Juni 2023, 17.16 Uhr: Auf einem Podium beim Kirchentag haben Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die EKD-Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich über Klimaschutz gesprochen. Es fand unter dem Titel "'OK, Boomer!"'und 'Respekt, Generation Z' - Der Weg in unsere gemeinsame (fucking!?) Zukunft" statt. 

Auf die Frage, warum es nicht schon längst gelungen sei, aus den jahrzehntelang bekannten Erkenntnissen Handlungen abzuleiten, sagte Bedford-Strohm:

"Erst Fridays For Future hat es geschafft, das Thema ins Zentrum der Debatte zurückzubringen. Dafür bin ich mehr als dankbar."

Heinrich erklärte, Klimaschutz müsse Akzeptanz gewinnen.

"Aber Akzeptanz wird nicht dadurch gewonnen, dass ich sage: 'Ihr müsst euch nicht verändern'."

Es müsse vielmehr Akzeptanz geschaffen werden, dass wir gemeinsam diesen Wandel durchstehen könnten. 

Kirchentag
Anna-Nicole Heinrich und Heinrich Bedford-Strohm auf dem Podium bei "OK, Boomer!" und "Respekt, Generation Z" - Der Weg in unsere gemeinsame (fucking!?) Zukunft".

Josef Schuster auf dem "Roten Sofa"

Freitag, 9. Juni 2023, 16.52 Uhr: Auch Josef Schuster war inzwischen bei uns auf dem "Roten Sofa". Mit Moderator Philipp Gessler sprach er unter anderem über die Bedeutung des Judentums für junge Jüdinnen und Juden. 

Religion sei nicht das Thema Nummer Eins bei 25- bis 30-Jährigen, so Schuster. Das sei bei anderen Religionen nicht anders: "Juden sind nicht viel anders als Christen."

Zu den aktuellen hohen Umfragewerten der AfD sagte Schuster, er könne über die Ursachen nur spekulieren. Zum einen habe man drei Jahre Corona erlebt:

"Ich erinnere an die Pest. Wenn irgendwas passiert, was man sich nicht erklären kann, schiebt man es auf Minderheiten."

Zusammen mit den anderen Krisen gebe es eine Gemengelage. Er sei aber sicher, die meisten, die sich für die AfD entschieden, bedächten ihre Stimme nicht. "Ich hoffe, dass Kirchen nicht nachlassen, Positionen zu beziehen, gehen die AfD." Die Partei müsse demaskiert werden, das müsse alltäglich geschehen.

Josef Schuster auf dem "Roten Sofa"
Josef Schuster nahm ebenfalls auf dem Roten Sofa Platz.

Staatssekretär verteidigt Waffenlieferungen: Applaus beim Kirchentag

Freitag, 9. Juni 2023, 16.43 Uhr: Vertreter*innen von Bundeswehr, Bundesregierung und Kirche haben am Freitag beim Kirchentag in Nürnberg kontrovers über die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine debattiert. Der Staatssekretär im für Rüstungsexporte zuständigen Bundeswirtschaftsministerium, Sven Giegold (Grüne), sagte, dies nicht zu tun hieße, anderen die Sicherung der nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten Friedensordnung zu überlassen.

"Wir als Christinnen und Christen sind verpflichtet, auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit hinzuwirken", sagte Giegold, der auch Mitglied im Kirchentagspräsidium ist. Im konkreten Fall sei es aber richtig, die Opfer zu unterstützen.

Giegold erhielt in der voll besetzten Messehalle mit 5.000 Plätzen vom Kirchentagspublikum deutlich größeren Applaus als der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, der seine Ablehnung der Waffenlieferungen erneuerte. Der mitteldeutsche Bischof begründete dies mit dem Aufruf Jesu zu Gewaltlosigkeit, aber auch mit der deutschen Geschichte.

Die Ukraine verteidige sich "völlig zu Recht", Deutschland habe aber auf Grund seiner Geschichte auch eine "Blutschuld" gegenüber Russland.

Kramer erhielt nur vereinzelt Applaus vom Kirchentagspublikum, das früher eng mit der Friedensbewegung verbunden war.

Kramers Position ist auch innerhalb der evangelischen Kirche umstritten. Die badische Bischöfin Heike Springhart erinnerte auf dem Podium daran, dass auch der Zweite Weltkrieg durch militärische Hilfe beendet wurde. Er "wäre nicht am Verhandlungstisch zu Ende gegangen", sagte Springhart.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, sagte, wenn die westlichen Staaten nicht mit Waffenlieferungen unterstützt hätten, "wäre der Krieg vermutlich zu Ende". Die Ukraine gäbe es dann aber nicht mehr und die Menschen wären unter dem Joch Russlands. "Der Krieg wäre vorbei, das Leiden für die Menschen ginge weiter", sagte Breuer, der ebenfalls die Waffenlieferungen verteidigte.

Friedensbeauftragter: Nicht in alte Freund-Feind-Schemen verfallen

Freitag, 9. Juni 2023, 15.53 Uhr: Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, hat mit Blick auf den Ukraine-Krieg vor dem Rückfall in überwunden geglaubte Denkmuster gewarnt. "Es braucht Nüchternheit, um nicht in einfache Freund-Feind, Ja-Nein-Schemen zu verfallen", sagte der mitteldeutsche Landesbischof am Freitag in Nürnberg in der Lorenzkirche in einem Friedensgottesdienst auf dem 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die derzeitige Weltordnung verbiete den Krieg, daher müsse man der Logik des Krieges widersprechen.

"Wir leben in einer Zeit, in der den Kirchen der Wind scharf ins Gesicht weht", fügte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hinzu. Der Glaube selbst scheine unzeitgemäß. "Jetzt sprechen die Waffen. Sollen die Kirchen dazu schweigen oder Ja zu Waffen sagen?", sagte Kramer. Er warnte vor einfachen Antworten. "Was ist die Wahrheit, wenn es sehr komplex und kompliziert wird?"

Die evangelische Kirche debattiert seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 kontrovers über ihre Haltung zu Krieg und Frieden. Während die eine Seite Waffenlieferungen aus pazifistischen Gründen ablehnt, halten andere die militärische Hilfe für ethisch geboten. Kramer hatte wiederholt seine Zweifel an Waffenlieferungen für die Ukraine geäußert, auch wenn diese zur Selbstverteidigung berechtigt seien.

Christen müssten sich mehr für gewaltlose Konfliktbewältigung einsetzen, auch wenn dies oft als naiv bewertet werde, betonte Kramer:

"Wer zur Unzeit von Gerechtigkeit spricht, wer zur Unzeit die Bewahrung der Schöpfung einfordert, wer zur Unzeit vom Frieden redet, wer in schlechten Zeiten eine gute Botschaft verkündet, der muss mit Widerstand, Spott und Verachtung rechnen."

Protest und Kritik nach Schwächung des Asylrechts

Freitag, 9. Juni 2023, 15.43 Uhr: Nach der Einigung der EU-Innenminister*innen auf eine weitere Schwächung des Asylrechts am Vortag protestierten am Freitag vor dem Nürnberger Messezentrum rund 50 Vertreter*innen von Pro Asyl, der Seebrücke, Asyl in der Kirche, Sea-Eye und anderen Organisationen.

Am Rande des Kirchentages äußerte der Beauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Flüchtlingsfragen, Christian Stäblein, deutliche Kritik.

"Wir können nicht ernsthaft eine Situation wollen, wo Familien an den Grenzen stehen gelassen werden",

sagte der Berliner Bischof dem Evangelischen Pressedienst (epd) und äußerte sich enttäuscht, dass sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei den Beratungen in Luxemburg sich nicht einmal mit ihren Forderungen nach Ausnahmen für Minderjährige und deren Familienangehörige von Grenzverfahren an der EU-Außengrenze durchsetzen konnte.

Der EKD-Flüchtlingsbeauftragte appellierte an die EU-Parlamentarier, im Zuge des anstehenden Gesetzesverfahrens den Schutz der Hilfebedürftigen zu stärken.

Menschen mit Plakaten und Schildern
Mahnwache von Pro Asyl und verschiedenen Organisationen zur EU-Asylreform vor der Messehalle beim Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

Menschenkette für Klimaschutz kürzer als geplant

Freitag, 9. Juni 2023, 15.10 Uhr: Rund 500 Menschen haben unter dem Motto "Jetzt ist die Zeit! Für echten Klimaschutz und Energiewende!" am Freitagnachmittag eine Menschenkette durch Nürnberg gebildet. In Ergänzung des Kirchentagsmottos riefen sie dabei "Jetzt ist die Zeit für Klimaschutz". Die Teilnehmenden verbanden sich mit Kirchentagsschals zu einer Schlange von der Sebalduskirche im Zentrum bis zum etwa zwei Kilometer entfernten Verkehrsknotenpunkt Plärrer, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

Die Veranstalter hatten mit einer Kette bis zum Frankenschnellweg gerechnet, die dann über fünf Kilometer lang gewesen wäre. "Es ist anders gekommen, aber ich freue mich über jeden, der da war", sagte die Organisatorin, die Nürnberger Dekanats-Umwelt-Pfarrerin Ute Böhne, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Wir halten Klimaschutz für die existenziell wichtigste Aufgabe der Regierung und der gesamten Zivilgesellschaft", sagte Böhne. Weil aber zu wenig passiere, habe man ein "starkes Zeichen" vom Kirchentag aussenden wollen. Es sei nötig, schnell die CO2-Emissionen stark zu senken. Dafür brauche es eine "enorme gesellschaftliche Kraftanstrengung" in Deutschland und weltweit.

Kirchentag fordert Umsetzung des Pariser Klimavertrags

Freitag, 9. Juni 2023, 15.01 Uhr: Eine Resolution des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Nürnberg hat die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens aus dem Jahre 2015 gefordert. Der Text wurde am Freitag mit fast 100 Prozent der Stimmen während einer Podiumsveranstaltung mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) angenommen. Eingebracht hatte die Resolution die Initiative Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit.

Der Pariser Klimavertrag sei ein Meilenstein der internationalen Klimapolitik. Allerdings breite sich wegen der schleppenden Umsetzung Enttäuschung und Frustration aus, sagte Initiativen-Sprecher Christian Seidel. Eine weitere Forderung lautete, das deutsche Klimaschutzgesetz nicht zu verwässern. Auch die Sektoren Verkehr und Gebäude müssten ihren Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen erbringen. Andernfalls stehe die Glaubwürdigkeit der Politik auf dem Spiel.

Nach Angaben der Kirchentagsorganisatoren müssen mindestens 500 Menschen bei einer Veranstaltung anwesend sein, damit eine Resolution abgestimmt werden kann. Seit 1979 gebe es das Instrument der Resolution bei Kirchentagen, erläuterte der Kommunikationsvorstand des Kirchentags, Mario Zeißig.

"Phrase unser": Claudius-Autoren lesen und signieren

Freitag, 9. Juni 2023, 14.45 Uhr: Die beiden Autoren des Buches "Phrase unser", das sich kritisch mit Kirchensprache auseinandersetzt und im Claudius Verlag erschienen ist, Philipp Gessler und Jan Feddersen, sind ebenfalls beim Kirchentag. In Halle 1 lasen sie aus ihrem Werk, anschließend wurden Bücher signiert.

Joe Kaeser und Stefanie Schardien beim "Roten Sofa"

Freitag, 9. Juni 2023, 14.47 Uhr: Auch Siemens-Chef Joe Kaeser und Pfarrerin Stefanie Schardien haben den Weg zum "Roten Sofa" gefunden. Kaeser sprach über sein Engagement gegen Rechtsradikale, das er unter anderem familiär begründete:

"Mein Onkel wurde von den Nazis nach Dachau verschleppt und in Mauthausen ermordet, weil er nicht mitmachen wollte." 

Sowohl die Wirtschaft als auch die Kirchen hätten seinerzeit nicht genug gegen den Faschismus unternommen. 

SOB/Eder

Schuster ruft alle zum Einsatz gegen Antisemitismus auf

Freitag, 9. Juni 2023, 13.56 Uhr: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, fordert jeden Einzelnen auf, sich auch im privaten Umfeld klar gegen Antisemitismus zu äußern.

"Sagen Sie etwas, auch wenn es nicht immer angenehm ist", mahnte er am Freitag beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Wer Antisemitismus ignoriere, trage zu dessen Bestehen bei.

Antisemitismus in seinen verschiedensten Ausprägungen grassiere mittlerweile "so offen wie schon lange nicht mehr", betonte Schuster. Er entstehe aus einer diffusen Unzufriedenheit. Antisemitismus kanalisiere diese und gebe Menschen eine Projektionsfläche für ihre Frustration. "Er ist ein süßes Gift, welches die Mehrheit von jeder Verantwortung freispricht, solange anderen alle Schuld aufgeladen werden kann", betonte er.

Habeck: Schreckensszenarien stehen im Wettbewerb mit Populismus

Freitag, 9. Juni 2023, 12.38 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnt vor der Instrumentalisierung apokalyptischer Szenarien, um Forderungen nach mehr Klimaschutz Nachdruck zu verleihen. Negativnachrichten und Schreckensszenarien "werden immer im Wettbewerb mit dem nächsten Populismus stehen", sagte Habeck am Freitag beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

Die Überbietung des Negativen, "getriggert durch soziale Medien, Likes und Tweets", führe nicht dazu, dass die Gesellschaft an Verbesserung, Hoffnung und Zuversicht arbeite.

Der Protest für Verbesserungen müsse deswegen so ausgerichtet werden, dass Menschen zuversichtsvoll teilhaben wollen an einer Veränderung, sagte Habeck, der unter anderem mit der Sprecherin der Klimaprotestbewegung "Letzte Generation", Carla Hinrichs, auf einem Podium saß. Der Minister betonte zudem, dass die Schaffung von Mehrheiten der beste Weg und notwendig sei, um Veränderungen zu bewirken.

Hinrichs unterstrich die Forderung der "Letzten Generation" nach einem Gesellschaftsrat. Die Regierungen der vergangenen 40 Jahre hätten es "verbockt", genug zur Abwendung der Erderwärmung zu unternehmen, sagte sie.

Ihr fehle das Vertrauen, dass der aktuellen Regierung dies "in diesem System" gelinge.

Hinrichs kritisierte zudem die Razzien bei Mitgliedern ihrer Protestgruppe, die auch am Freitagmorgen am Nürnberger Hauptbahnhof für eine einstündige Verkehrsblockade sorgte. Sie werde sich nicht abhalten lassen, ihre Forderungen weiter zu formulieren, sagte Hinrichs, die stehenden Applaus in der vollbesetzten Messehalle erhielt.

Eine junge Frau und ein älterer Mann auf einem Podium
Die Sprecherin der Klimaprotestbewegung "Letzte Generation", Carla Hinrichs, und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei einer Podiumsdiskussion beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

Hirschhausen: Kirche nutzt Einfluss nicht genug

Freitag, 9. Juni 2023, 12.28 Uhr: Der Kabarettist Eckart von Hirschhausen hat die Kirchen zu mehr Anstrengung bei der Bekämpfung der Erderhitzung aufgefordert.

"Die Hebel, die wir haben, werden nicht ausreichend genutzt", sagte er am Freitag auf dem "Roten Sofa" der Kirchenpresse beim 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg.

Immer noch seien kircheneigene Dächer ohne Solaranlagen, immer noch werde Land verpachtet, auf dem anschließend Böden zerstört würden, sagte von Hirschhausen.

Auch bei der Geldanlage hätten die Kirchen viele noch ungenutzte Einflussmöglichkeiten. Bei den anstehenden Veränderungen brauche es eine positive Erzählung, erklärte der Kabarettist.

In Zeiten des Wirtschaftswunders habe die Einstellung vorgeherrscht, dass man selbst gar nicht all das genießen könne, was man aufbaue, sondern erst spätere Generationen. "So einen Spirit brauchen wir jetzt auch wieder", sagte er. "Ich möchte von der Welt abtreten mit dem Gefühl: Ich habe es versucht", fügte Hirschhausen hinzu.

Ministerpräsident Söder beim "Roten Sofa"

Freitag. 9. Juni 2023, 11.15 Uhr: der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist beim "Roten Sofa" eingetroffen und stellte sich den Fragen von Roland Gertz, Direktor des Evangelischen Presseverbands für Bayern. Er trifft auf seinen alten Lateinlehrer – und muss zugeben, er war ziemlich schlecht in Latein.

Außerdem verrät er, wer ihm die längsten Sprachnachrichten schickt: Sein Vor-Vorgänger Edmund Stoiber. Und: Er hat alle Pfarrbriefe in seiner alten Gemeinde abonniert. Ein protestantischer Christ mit Leib und Seele eben. 

Sein Klassiker darf auch nicht fehlen: "Ein Leben ohne Nürnberger Bratwürste ist zwar möglich, aber sinnlos."

Hier seht ihr Söder beim "Roten Sofa":

Klimaaktivist*innen blockieren Verkehr am Nürnberger Hauptbahnhof

Freitag, 9. Juni 2023, 10.45 Uhr: Während des evangelischen Kirchentages hat die "Letzte Generation" den Straßenverkehr vor dem Nürnberger Hauptbahnhof zum Erliegen gebracht. Acht Klimaaktivist*innen klebten sich am Freitagvormittag an zwei Stellen vor dem Bahnhof fest.

Die mit Warnwesten bekleideten Blockierer*innen hielten Plakate mit Slogans wie "Nein zur Zerstörung der Lebensgrundlagen, ja zum Gesellschaftsrat Klima" und "Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle" hoch.

Die Sprecherin der "Letzten Generation", Aimée van Baalen, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), unter den Protestierenden seien auch Teilnehmer des Kirchentages. "Das ist eine symbolische Aktion zum Kirchentag", erklärte sie. Weitere Aktionen seien nicht geplant.

Digitale Kirche: Der Sonntagsblatt-Infoscreen

Freitag, 9. Juni 2023, 08.56 Uhr: Unser Sonntagsblatt-Infoscreen für Gemeinden, Vereine und Nonprofits kann in einem der Pavillons der Initiative ZUDIKI angeschaut werden. Auf dem Infoscreen können zum Beispiel Veranstaltungshinweise, News und unsere Sonntagsblatt-Meldungen ausgespielt werden. Das System läuft über einen Rasperry, das ist kostengünstig, spart Energie - und ist schnell einzurichten. 

In den Pavillons könnt ihr euch mit Digitalisierungs-Konzepten und Produkten beschäftigen. Heute Abend lädt ZUDIKI zu einem Get together  bei kühlen Getränken zum lockeren Austausch über die Digitale Kirche ein.

ZUDIKI steht für "Zukunft Digitale Kirche” und ist eine Initiative von Institutionen und Unternehmen, um die Digitale Transformation der Kirchen voranzubringen. Dafür will man kirchliche Akteure mit Digitalexperten vernetzen, Chancen und Möglichkeiten digitaler Tools aufzeigen und eine Plattform für Austausch und voneinander Lernen bieten .

Kommt vorbei - ihr findet das Gelände in Fürth bei der St. Paul Kirchengemeinde in der Amalienstraße 64. Es liegt fünf Gehminuten vom Bahnhof Fürth entfernt. 

Der Infoscreen zwischen Plakaten am Stand
Hier seht ihr den Infoscreen.

Klimakrise erneut Thema beim Kirchentag

Freitag, 9. Juni 2023, 07.48 Uhr: Beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg wird heute Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mit Klimaaktivistin Carla Hinrichs und Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser über Auswege aus der Klimakrise diskutieren.

Zudem geht es in einem Podium mit Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) um bezahlbares Wohnen in Zeiten der Energiewende. Weitere Diskussionsrunden thematisieren Antisemitismus, Ukraine-Krieg, Transsexualität und Generationenkonflikten. 

Für den frühen Nachmittag ist eine kilometerlange Menschenkette für Klimagerechtigkeit geplant. 

Am Donnerstagabend hatte der Kabarettist Eckart von Hirschhausen die Teilnehmer des Kirchentages aufgerufen, mit dem Klimaschutz ernstzumachen. "Wir sind die letzten Menschen, die noch etwas ändern können. Deshalb haben wir eine historische Verantwortung", sagte Hirschhausen bei einer als "Klima-Entdeckungsreise" konzipierten Bühnenshow vor 4.300 Gästen.

Bürger*innen glaubten oft, dass sie bei der Klimawende wenige Mitstreiter hätten, sagte Hirschhausen.

"Die Mehrheit weiß oft nicht, dass sie die Mehrheit ist. Für den Sieg der Dummen reicht es oft, dass die Schlauen schweigen." Doch Schweigen sei keine Option:

"Es geht nicht darum, dass wir das Klima retten, sondern dass wir uns retten."

Am Abend wird die frühere Verteidigungsministerin und CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer an einer sogenannten FuckUp-Night teilnehmen, bei der es um die Chancen des Scheiterns geht. 

Polizeipräsident kritisiert Umgang mit "Letzter Generation"

Donnerstag, 8. Juni 2023, 17.53 Uhr: Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach hat bei einem Podiumsgespräch während des evangelischen Kirchentages den Umgang mit den Aktivist*innen der "Letzten Generation" kritisiert. Er halte selbst nicht viel von zivilem Ungehorsam, sagte Weinspach am Donnerstag in Nürnberg bei einem Gespräch mit Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Politiker*innen.

"Ich halte es aber für genauso verkehrt, diese verzweifelten Aktivisten zu kriminalisieren und zu dämonisieren", spielte der Polizeipräsident auf eine bundesweite Razzia gegen die Klimaaktivist*innen vom 24. Mai an.

Für ihn als Juristen und Polizisten sei es "schwer zu ertragen", wenn Politiker sich bei einem Anfangsverdacht sagten, für sie sei die Gruppe eine extremistische Vereinigung. Das sei Populismus.

Weinspach sagte auch, er könne die Motive der Protestierenden der "Letzten Generation" nachvollziehen, "durch die Bilder der Aktionen werden aber die Gräben vertieft und das Gegenteil erreicht". Die Klimaaktivist*innen hätten ihre Anhänger*innen "in der eigenen Blase", aber viele andere würden von ihren Aktionen verschreckt.

Er sei keine "Blase", sondern Wissenschaftler, entgegnete der Physiker Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der berufenes Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung ist.

"Wir entziehen uns die ökologischen Grundlagen, die Zeit zum Reagieren läuft uns weg", sagte er.

Unter dem enormen Zeitdruck müsse jeder an seinem Ort und mit seinen Möglichkeiten handeln. "Es braucht Leute, die das Warnsignal sind", sagte Lucht.

Gewitter: Einige Open-Air-Veranstaltungen abgesagt - auch Rotes Sofa betroffen

Donnerstag, 8. Juni 2023, 16.40 Uhr: Ein gewaltiges Gewitter über dem Nürnberger Messegelände hat bei Besucher*innen des Kirchentages am Donnerstag erst zu Erschrecken und dann zu einem befreienden Gelächter und Applaus geführt.

Anlass dafür war ein Impulsreferat des "Club of Rome"-Programmdirektors Till Kellerhoff, der auf die berühmte Studie der Organisation "Grenzen des Wachstums" zur Zukunft der Weltwirtschaft aus dem Jahr 1972 verwies.

"Millionen Menschen sind dagegen, Millionen dafür. Und ein paar haben das Buch auch gelesen", sagte Kellerhoff. Und ergänzte: "Ein wenig wie die Bibel."

Kaum hatte er den Satz beendet, war über der Messehalle 4a ein gewaltiger Donner zu hören, gefolgt von einem heftigen Platzregen.

Kellerhoff äußerte sich auf einem Podium unter dem Titel "Freiheit in planetaren Grenzen". Dabei ging es um die Frage, wie viele Regeln der Klimaschutz braucht.

Wegen des Gewitters mit starkem Regen mussten auf dem Kirchentag am Nachmittag mehrere Open-Air-Veranstaltungen unterbrochen werden. Der Großteil des Programms findet allerdings in den Hallen der Nürnberger Messe statt.

Die Interviews mit prominenten Gäst*innen auf dem "Roten Sofa" können heute leider nicht mehr stattfinden. Auch die die Sonntagsblatt-Fotobox musste ihren Betrieb leider einstellen. Aber keine Sorge, morgen geht es weiter.

Alle Aktualisierungen zum "Roten Sofa" findet ihr hier.

Generalsekretärin: Kirche im ländlichen Raum stärken

Donnerstag, 8. Juni 2023, 16.17 Uhr: Die Generalsekretärin des evangelischen Kirchentages, Kristin Jahn, wirbt dafür, Gemeinden in ländlichen Räumen gezielt zu stärken. Sie halte es für falsch, Umlandgemeinden vermehrt an die Kirchen der angrenzenden Städte anzudocken, sagte die Theologin am Donnerstag bei einem Gespräch auf dem "Roten Sofa" der Kirchenpresse auf dem Nürnberger Messegelände.

Man müsse helfen, die ländlichen Gemeinden zu erhalten und dürfe als Kirche "nicht nur dahin gehen, wo das Leben rockt".

Es gebe längst nicht nur ein Stadt-Land-Gefälle in Fragen des öffentlichen Nahverkehrs, sondern auch in den kirchlichen Strukturen. Dennoch gibt es laut Jahn Chancen, die hohe Zahl der Kirchenaustritte auch in strukturschwachen Kirchengemeinden zu meistern.

"Wir müssen weg vom Hauptamtsdenken und die vielen schon engagierten Ehrenamtler in die Gemeindearbeit einbinden", so die Theologin, die von sich selbst sagt: "Ich bin kein Stadtgewächs."

Sie verwies auf ihre eigene Arbeit, bevor sie 2022 Generalsekretärin des Kirchentags wurde. Seit 2017 war Jahn Superintendentin des Kirchenkreises Altenburger Land ganz im Osten Thüringens. Dort gelang die Umstrukturierung hin zu einer Ehrenamtskirche. Das sei ein Beispiel für die Zukunft, so die Literaturwissenschaftlerin: Ziel sei die gemeinsame Verkündigung: "Das kann gelingen, wenn mehr Ehrenamtler gewonnen, gestärkt und ausgebildet werden."

Kirchentag 2023 in Nürnberg

Unsere Sonntagsblatt-Redaktion berichtet über den Kirchentag 2023 in Nürnberg - hier findet Ihr das Dossier.

Weitere interessante Artikel:

Unsere Fotobox steht und wartet auf euch

Donnerstag, 8. Juni 2023, 15.19 Uhr: Die Kameras sind einsatzbereit: Alle Besucher*innen des Kirchentags können sich in der Fotobox des Sonntagsblatts fotografieren lassen. Ihr findet sie am EMVD-Stand bei der Bühne "Das Rote Sofa" im Messepark Nürnberg. Natürlich trefft ihr dort auch unsere Mitarbeiter*innen.

Und zum "Roten Sofa" solltet ihr sowieso kommen, denn werden heute, morgen und am Samstag jede Menge Prominente interviewt. Eine Übersicht über alle Gäste mit Uhrzeiten und Interviewpartner*innen findet ihr hier.

Ethikrat-Vorsitzende Buyx auf Rotem Sofa: Keine Angst-Diskussion über KI

Donnerstag, 8. Juni 2023, 15.03 Uhr: Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, möchte keine Angst-Diskussion über Künstliche Intelligenz führen. Besonders durch das Transformationspotenzial von KI betroffene Branchen müssten sich allerdings schon heute überlegen, was der Kern ihres Berufes sei, sagte Buyx beim Gespräch auf dem "Roten Sofa".

Betroffen seien neben der Medien-, Kreativ- und Wissenschaftsbranche vor allem Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter beispielsweise in der Banken- und Versicherungsbranche.

Sie wolle keine Angst-Diskussion führen. Künstliche Intelligenz werde vielen Menschen in vielen Bereichen auch Arbeit abnehmen. Doch die Tatsache allein, dass Künstliche Intelligenz Aufgaben von Menschen übernehmen könne, sei kein Argument, dies auch zuzulassen, betonte die Medizinethikerin.

Der Ethikrat sage in seiner jüngsten Stellungnahme zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz, dass es einen "kategorialen Unterschied" zwischen Mensch und Maschine gebe. Eine generelle Intelligenz, die der menschlichen gleichgestellt sein werde, werde es auch in Zukunft nicht geben.

Veranstalter*innen des Kirchentags zufrieden mit Start

Donnerstag, 8. Juni 2023, 14.48 Uhr: Die Veranstalter*innen des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags haben sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Laientreffens gezeigt. Es sei ein "sehr guter Start gewesen", sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière am Donnerstag in Nürnberg. Der Kirchentag war am Mittwoch mit Gottesdiensten und dem traditionellen "Abend der Begegnung" in der Nürnberger Altstadt eröffnet worden. Am Donnerstagmorgen begann das Veranstaltungsprogramm mit Diskussionen und Bibelarbeiten.

Genaue Besucherzahlen lägen noch nicht vor, sagte de Maizière: "Aber wir haben viele volle Hallen gehabt." Der öffentliche Personennahverkehr habe teilweise seine Taktung erhöhen müssen.

Die Generalsekretärin des Kirchentags, Kristin Jahn, hob die Resonanz auf die Bibelarbeiten hervor. Allein zu der Bibelarbeit mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seien rund 5.000 Interessierte gekommen. Beim "Abend der Begegnung" seien 130.000 Menschen in der Innenstadt unterwegs gewesen.

Ein bestimmendes Thema des Kirchentags lässt sich nach de Maizières Worten derzeit noch nicht ausmachen.

Anders, als es die Öffentlichkeit vielfach wahrnehme, gehe es aber in den Veranstaltungen oft weniger um politische Fragen.

Er nehme vielmehr eine "Sehnsucht nach der Debatte, wie wir Gemeinschaft erreichen", wahr, sagte der Kirchentagspräsident.

Bedford-Strohm spricht gerne mit Atheisten

Donnerstag, 8. Juni 2023, 14.43 Uhr: Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ermuntert Christen zum Gespräch mit nicht gläubigen Menschen. "Es lohnt sich, auf die zu hören, die uns von außen den Spiegel vorhalten", sagte Bedford-Strohm am Donnerstag beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Aus Gesprächen mit Atheisten lerne er "wahnsinnig viel".

Bei dem Interview auf dem "Roten Sofa" der Kirchenpresse sagte der Theologe, der im Oktober mit 63 Jahren aus dem Amt scheidet, dass er sich häufig die Frage stelle, ob er dem Vorbild Jesu gerecht werde:

"Bin ich als Bischof radikal genug?" Jesus mache ihn demütig.

Bedford-Strohm war bis 2021 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bleibt auch nach seinem Ausscheiden als Landesbischof Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). An die Spitze des Weltkirchenrates war er im vergangenen Jahr gewählt worden.

Allmendinger: Arbeitszeit deutlich reduzieren

Donnerstag, 8. Juni 2023, 14.08 Uhr: Die Soziologin Jutta Allmendinger hat dafür geworben, die Erwerbsarbeit für alle Beschäftigten deutlich zu reduzieren. Bei einem Podium "Arbeiten im Neuen Normal" sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) am Donnerstag, auch die heutige Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern passe "nicht mehr zum Leben".

Sie plädierte für eine lebenslange Arbeitszeit von 32 Wochenstunden, die aber nicht zwingend in einer Vier-Tage-Woche zu leisten seien. Individuelle Lösungen seien das Maß aller Dinge.

Allmendinger warb für den Umbau der heutigen Arbeitsstrukturen, vor allem mit dem Blick auf die überwiegend in Vollzeit arbeitenden Männer. Das bestehende Modell des alleinverdienenden Mannes als Ernährer der Familie und der Frau und Mutter, die daheim Kinder versorgt oder Eltern pflegt, habe sich überholt, betonte die Berliner Forscherin:

"Männer müssen bei der Arbeit runter, Frauen hoch."

Vertreter*innen des globalen Südens kritisieren Entscheidungen für Gas

Donnerstag, 8. Juni 2023, 14.02 Uhr: Vertreter*innen des globalen Südens haben auf dem evangelischen Kirchentag in Nürnberg die Energiepolitik in Europa und speziell in Deutschland scharf kritisiert.

"Wir brauchen eine Abkehr von fossilen Brennstoffen", sagte der Generalsekretär der Pazifischen Konferenz der Kirchen, James Bhagwan, am Donnerstag auf einem Podium zur Klimakrise. Alle Menschen im pazifischen Raum seien mittlerweile von den Folgen der Erderwärmung betroffen, etwa durch die Zunahme extremer Wetterereignisse wie Zyklonen und Dürren.

"Und wir können dabei zusehen, wie der Meeresspiegel steigt."

Vanessa Nakate, Klimaschutzaktivistin aus Uganda, kritisierte unter anderem die langfristigen Verträge, die Deutschland zum Ankauf von LNG-Gas geschlossen hat. Investitionen in fossile Brennstoffe müssten eingestellt werden.

"Die Menschen in Deutschland müssen verstehen: Was hier passiert, hat Auswirkungen auf den Rest der Welt. Und die Menschen im globalen Süden, die am wenigsten klimaschädliche Emissionen verursachen, leiden am meisten."

"Historisch gesehen macht Afrika weniger als vier Prozent der globalen Emissionen aus", sagte Nakate weiter. Das seien Gemeinschaften, die sich von Jahrhunderten des Kolonialismus und des Sklavenhandels erholen müssten und jetzt sei der Klimawandel das dringlichste Thema, obwohl sie den gar nicht verursacht hätten. 

Kira Vinke, Leiterin des Berliner Zentrums für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, forderte mehr Geschwindigkeit und Konsequenz im Kampf gegen die Erderwärmung: "Wir verschmutzen die Luft, die allen gehört. Wir haben kein Anrecht auf Verzweiflung in Deutschland."

Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Dagmar Pruin, betonte, die Abkehr von fossilen Energieträgern bedeute auch einen Wohlstandsverlust: "Das muss politisch ausgesprochen werden."

Luisa Neubauer: "Nicht gegeneinander ausspielen lassen"

Donnerstag, 8. Juni 2023, 12.29 Uhr: Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat angesichts der Klimakrise davor gewarnt, Einzelinteressen zu sehr in den Vordergrund rücken zu lassen:

"Wir sind sehr gefragt, gerade anzupacken (…) und uns nicht gegeneinander ausspielen zu lassen" sagte Neubauer bei einer Podiumsdiskussion beim Kirchentag.

Neubauer diskutierte auf einem Panel unter der Überschrift "Wenn Yoga und Tee nicht mehr helfen: Der Mensch und die Krisen" mit Martin Herrmann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, Janna Kristin Hoppmann, Klimapsychologin und Harald Kunstmann, Direktor Zentrum für Klimaresilienz.

Auf die Frage, wie man es schaffe, aus den kleinen Gemeinschaften auf die große Ebene zu kommen, sagte sie: "Worum es hier geht, ist nicht, dass wir lernen zu zaubern, sondern dass wir verstehen, dass wir ganz dringend kleine Handlungen in den richtigen Momenten so zusammenbringen müssen, so dass es eine große Wirkung haben kann."

Das jüngste Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden gegen Aktivisten der "Letzten Generation" kritisierte die Aktivistin scharf. Indem der deutsche Staat auf "Repression" setze, gebe er dem "großen Druck von der Straße" nach:

"Wenn Klimaaktivisten als Terroristen beleidigt werden, ist das ein Problem von uns allen."

Im Sinne des für die Klimawende erforderlichen demokratischen Miteinanders müsse die Öffentlichkeit solche Kriminalisierung deutlich kritisieren, forderte Neubauer.

Bedford-Strohm lehnt Lager an EU-Grenze ab: "Das dürfen wir nicht"

Donnerstag, 8. Juni 2023, 12.26 Uhr: Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat seine Ablehnung der von den EU-Innenministern geplanten Asylverfahren an den EU-Außengrenzen bekräftigt. "Faktisch halten wir uns das Leid vom Leibe. Und das dürfen wir nicht", sagte Bedford-Strohm am Donnerstag beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Er hält die Pläne der EU zudem nach eigenen Worten nicht für umsetzbar.

Die Innenministerinnen und Innenminister der EU beraten am Donnerstag in Luxemburg über eine Reform des europäischen Asylsystems. Die Pläne sehen unter anderem Asyl-Grenzverfahren vor, bei denen Menschen, die aus Ländern mit einer geringeren Asyl-Anerkennungsquote kommen, in bestimmten Einrichtungen bleiben sollen, bis über ihr Bleiberecht entschieden ist. Deutschland unterstützt dies.

Diese Einrichtungen müssten faktisch Gefängnissen ähneln, kritisierte Bedford-Strohm. Zudem sei schon heute das Problem, dass viele Herkunftsstaaten abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknähmen. Damit sei der Plan gar nicht umsetzbar, sagte Bedford-Strohm, der als ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dafür sorgte, dass die Kirche ein Schiff zur Rettung von Migranten in Seenot im Mittelmeer unterstützt.

Deutsche-Bank-Chef zuversichtlich: Können Krisen meistern

Donnerstag, 8. Juni 2023, 11.13 Uhr: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, ist eigenen Worten zufolge zuversichtlich, dass Deutschland und Europa die gegenwärtigen Krisen meistern. "Wer hätte vor zwölf Monaten gedacht, dass wir uns aus einer 52-prozentigen Abhängigkeit von russischem Gas befreien können?", fragte Sewing in einer gemeinsamen Bibelarbeit mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel.

Der demokratische Westen sei nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zusammengewachsen, gegen das Corona-Virus sei schnell ein Impfstoff gefunden worden, sagte Sewing. Nun gelte es, die europäische Einigung voranzutreiben, Überregulierung zu beenden und vor allem die Transformation hin zu einer notwendigen grünen Wende zu finanzieren.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte bei einer gemeinsamen Bibelarbeit mit der Influencerin Lilly Blaudszun (beide SPD), jeder müsse selbst aktiv "an einer anderen, besseren Welt arbeiten":

"Es braucht aktiven Glauben, ein Handeln aller Hand in Hand. Dann lässt sich eine bessere Gesellschaft schaffen."

Steinmeier: "Kann jemals nicht Zeit für Nächstenliebe sein?"

Donnerstag, 8. Juni 2023, 11.02 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Menschen dazu aufgerufen, angesichts aller Krisen in der Welt ihre Herzen nicht zu verschließen. "Kann jemals nicht Zeit für Nächstenliebe sein?", sagte Steinmeier am Donnerstagmorgen bei einer Bibelarbeit beim 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Er rief zu "trotzigem Mut" auf, den Krisen mit dem Willen zu Veränderung zu begegnen.

"Wir können das Leid nicht abschaffen, und selten sofort, aber wir können die Zustände verbessern", erklärte Steinmeier und verwies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Flüchtlingslager an den EU-Außengrenzen.

Das Staatsoberhaupt legte die Geschichte aus dem Johannesevangelium über die Hochzeit zu Kanaa aus, in der erzählt wird, wie Jesus Wasser in Wein verwandelt.

Die Geschichte enthalte die Zusage, angesichts versiegender Ressourcen nicht zu verzweifeln. Es sei eine Geschichte über die Kraft des Wandels und der Transformation. Wie gut tue diese Zusicherung, wo Jesus sei, könnten sich Dinge zum Besseren wandeln, sagte Steinmeier, der nach Angaben des Kirchentags als erster amtierender Bundespräsident eine Bibelarbeit hielt.

Der Bundespräsident forderte zum Einsatz für die Demokratie auf. Der Satz "Was geht uns das an?" sei in der politischen Debatte sehr vertraut, sagte er. In der biblischen Erzählung sagt Jesus diesen Satz, als der Wein auf der Hochzeitsfeier versiegt, bevor er sein Wunder wirkt.

Unter Applaus der voll besetzten Messehalle rief Steinmeier: "Gemeinsam werden wir diese Demokratie in diesem Lande verteidigen."

Kirchentag nimmt inhaltliche Arbeit auf

Donnerstag, 8. Juni 2023, 9.17 Uhr: Der evangelische Kirchentag in Nürnberg ist gestern eröffnet worden. Am heutigen Donnerstag beginnt nun die inhaltliche Arbeit. Auf dem Programm stehen unter anderem Diskussionen zu Klimakrise, Asylpolitik und moderner Arbeitswelt.

Das geschieht in Form von Debatten, Workshops und Bibelauslegungen. So wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstagvormittag eine Textstelle aus dem Johannesevangelium deuten. Klimaaktivistin Luisa Neubauer wird an einer Podiumsdiskussionen zur Krisenbewältigung teilnehmen. Es stehen auch Veranstaltungen zu Flucht und der Zukunft der Kirche sowie der Demokratie auf dem Programm.

Am Abend werden Tausende Zuschauer zu einem Konzert der Kölner Rockgruppe Brings auf dem Marktplatz erwartet. Auch die christlichen Rapper O'Bros werden ein Konzert spielen.

Über 100.000 Menschen bei Abend der Begegnung

Mittwoch, 7. Juni 2023, 23 Uhr: Nach Angaben der Veranstalter*innen sind rund 130.000 Menschen zu einem "Abend der Begegnung" zusammengekommen. Bei dem sommerlichen Straßenfest sorgte ein musikalisches Programm auf zehn Bühnen für ausgelassene Stimmung. Kerzen verwandelten die Plätze der Nürnberger Altstadt in ein Lichtermeer. 

Einen Bericht über die Atmosphäre beim Abend der Begegnung findet ihr hier.

Hier Bilder vom Abendsegen am Abend der Begegnung:

Söder wirbt für Hospiz- und Palliativarbeit

Mittwoch, 7. Juni 2023, 19.55 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den Einsatz der Kirchen in der Hospiz- und Palliativarbeit gewürdigt. Auf den letzten Metern des Lebens böten sie "viel Respekt und Würde", sagte er am Mittwoch bei der Eröffnung des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg. Er sei gegen assistierten Suizid und für die Begleitung Sterbender durch Hospizarbeit und Palliativmedizin, fügte er hinzu. Deswegen brauche es die Kirchen.

"Kirche ist da, Kirche lebt und Kirche hat auch Zukunft", betonte Söder mit Blick auf das Engagement von Ehrenamtlichen. Jeder Einzelne sei wertgeschätzt.

Der evangelische Kirchentag sei auch eine Zeit, den eigenen Glauben zu hinterfragen und sich damit auseinanderzusetzen, was jeder Einzelne glaube und was einander verbinde. "Es ist schön, gemeinsam zu feiern. Es ist schön, gemeinsam den Glauben zu bekennen", unterstrich der CSU-Politiker vor rund 20.000 Kirchentagsbesuchern auf dem Hauptmarkt.

Der Kirchentag solle dazu beitragen, "die Seele eines jeden Einzelnen zu berühren".

Steinmeier auf Kirchentag: "Es ist auch Zeit für Waffen"

Mittwoch, 7. Juni 2023, 19.48 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Auftakt des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg die deutschen Waffenlieferungen in die Ukraine verteidigt. "Auch ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich einmal sagen würde, neben all den anderen Anstrengungen: Es ist auch Zeit für Waffen", sagte Steinmeier am Mittwoch auf dem Hauptmarkt der fränkischen Stadt mit Blick auf die Kirchentagslosung "Jetzt ist die Zeit".

Die evangelische Kirche debattiert seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine im Februar 2022 kontrovers über ihre Haltung zu Krieg und Frieden. Während die eine Seite Waffenlieferungen an die Ukraine aus pazifistischen Gründen komplett ablehnt, halten andere die militärische Unterstützung für ethisch geboten. Steinmeier selbst gehörte dem Kirchentagspräsidium an. Bevor er Bundespräsident wurde, war er sogar als Kirchentagspräsident vorgesehen.

Der Krieg in der Ukraine stürze Christen in ein tiefes Dilemma, räumte Steinmeier ein: Müsse nicht gerade Christ*innen die Frage quälen, wie es mit dem Glauben, mit dem christlichen Friedensgebot vereinbar sei, wenn Waffen in ein Kriegsgebiet geliefert werden? Müssten nicht gerade Christ*innen alles Menschenmögliche tun, um das Leiden nicht noch weiter zu verlängern, fragte das Staatsoberhaupt vor rund 20.000 Kirchentagsbesuchern auf dem Hauptmarkt.

Die Europäer*innen haben Steinmeier zufolge nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges die Lehre gezogen: "Nie wieder!" Nie wieder bedeute, dass es in Europa keinen verbrecherischen Angriffskrieg mehr geben dürfe, sagte das Staatsoberhaupt. Nie wieder bedeute heute, "dass wir einem Land zur Seite stehen, in dem ein brutaler Aggressor schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen lässt, wehrlose Zivilisten angreift und tötet, ihre Häuser zerbomben und Kinder verschleppen lässt".

Bedford-Strohm mahnt zum Einsatz für bessere Welt

Mittwoch, 7. Juni 2023, 19.38 Uhr: Zum Auftakt des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg hat der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zum Einsatz für eine bessere Welt aufgerufen. "Und bitte, kämpft alle mit", sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch im Eröffnungsgottesdienst auf dem Hauptmarkt der fränkischen Stadt. Auch zukünftige Generationen sollen gut leben, reine Luft atmen und klares Wasser trinken.

Bedford-Strohm rief dazu auf, angesichts der vielen Krisen auf der Welt nicht zu verzweifeln.

"Mit der ökologischen Umorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft geht es viel zu langsam. Das Klima droht zu kippen", warnte der Landesbischof.

Vom Nürnberger Kirchentag solle daher eine klare Botschaft ausgehen: "Ja, wir wollen unser Leben neu ausrichten." Das Protestantentreffen solle ein Signal der Hoffnung aussenden.

Das Glück der Menschen dürfe nicht mehr am Wachstum des materiellen Wohlstands festgemacht werden, sondern am "Wachstum des Beziehungswohlstandes", fügte Bedford-Strohm hinzu.

"Wir werden unsere Freiheit nicht mehr daran beurteilen, wie hoch der Tachometer gehen darf, sondern danach, ob wir uns schöpfungsverträglich fortbewegen."

Alle Menschen weltweit, auch die Schwächsten, sollten in Würde leben.

Evangelischer Kirchentag in Nürnberg eröffnet

Mittwoch, 7. Juni 2023, 17.30 Uhr: Mit mehreren Gottesdiensten ist am Mittwoch der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg eröffnet worden. Bis Sonntag wollen Zehntausende Christen ihren Glauben feiern und bei Podiumsdiskussionen aktuelle Themen besprechen. 

Am Open-Air-Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags am Hauptmarkt in Nürnberg mit nahmen auch der griechisch-orthodoxe Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Kirchentagspräsident Thomas de Maizière, Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kristin Jahn, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages teil. 

Die Liturgie übernehmen Kirchentagspastor Arnd Schomerus und Pfarrerin Sabrina Wilkenshof. Die musikalische Leitung haben Andreas Mücksch und Dieter Wendel. 

Auf dem Programm des Kirchentags stehen mehr als 2.000 Veranstaltungen. Bis Dienstagabend wurden nach Angaben der Veranstalter 60.000 Tickets verkauft. Ob die erwartete Teilnehmerzahl von 100.000 erreicht wird, sei schwer abzuschätzen, hieß es.

Der Kirchentag 2019 in Dortmund zählte rund 120.000 Teilnehmende. 2021 fand ein Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt am Main wegen der Corona-Krise weitgehend digital und dezentral statt.

Bilder vom Eröffnungsgottesdienst auf dem Hauptmarkt:

Kirchentag gedenkt der Opfer des NSU

Mittwoch, 7. Juni 2023, 16.13 Uhr: Zu Beginn des evangelischen Kirchentags in Nürnberg haben Vertreter*innen aus Politik und Kirche der Opfer der NSU-Morde und anderer unmenschlicher Verbrechen gedacht. Fromm sein genüge "nicht in der Kirche und nicht in der Demokratie", sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière am Mittwoch am NSU-Mahnmal am Kartäusertor. Christen seien dazu berufen, wach zu sein, hinzuschauen, sich zu informieren und sich eine Meinung zu bilden.

In seiner ganzen ungeheuren Ambivalenz sei der Mensch zum Besten und zum Grausamsten fähig, sagte Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern. Als positive Beispiele wurden fünf Personen mit dem Attribut "a real Mentsh" vorgestellt. Der Begriff stammt aus dem Jiddischen und beschreibt Menschen, die Vorbilder sind und sich durch edles Handeln auszeichnen. "Menschen, die gut sind, aber nicht zu gut, um wahr zu sein", sagte Kirchentags-Generelsekretärin Kristin Jahn.

Auch der im September 2000 von Terroristen des NSU in Nürnberg ermordete Blumenhändler Enver Simsek und seine Tochter Semiya sind für Elisabeth Hann von Weyhern "real Mentshen". Weil sie sich nach rassistischen Verdächtigungen im Zuge der Aufklärung des Mordes an ihrem Vater in Deutschland nicht mehr willkommen fühlte, ist Semiya Simsek mit ihrer Familie in die Türkei gezogen.

"Trotzdem kommt sie hierher, besucht Schulklassen und engagiert sich für Anerkennung und Aufklärung. Frau Simsek hat mich sehr beeindruckt mit ihrer klaren Haltung", sagte Hann von Weyhern. Für die zehn Mordopfer der rechtextremen Terrorgruppe NSU steht seit 2013 ein Mahnmal am Kartäusertor.

Ein Mann neben einem Plakat
Kirchentagspräsident Thomas de Maizière neben einem Bild von Enver Şimşek. Şimşek war das erste Opfer der Mordserie der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund".

Erste Besucher*innen treffen ein – und schwärmen von "robuster Freundlichkeit"

Mittwoch, 7. Juni 2023, 15.23 Uhr: Unsere Kollegin Jutta Olschweski hat sich mit Besucher*innen unterhalten, die mittlerweile in Scharen in Nürnberg eintreffen. Während die einen von der "robusten Freundlichkeit" der fränkischen Ureinwohner schwärmen, betonen andere die gute Stimmung und das tolle Gemeinschaftsgefühl. 

Hier den ganzen Artikel über die ersten Besucher*innen lesen

Unsere Ausstellungen "Rebellinnen", "Frauen auf der Flucht" und "Gern gesehen" sind aufgebaut

Mittwoch, 7. Juni 2023, 14.58 Uhr: Die Kolleg*innen vor Ort haben unsere Ausstellungen "Frauen auf der Flucht" und "Gern gesehen" in Halle 4a im Ausstellungsbereich des Messezentrums nun aufgehängt.

Unsere Ausstellung "Rebellinnen" wiederum findet ihr in der Frankenhalle auf der Ebene 1 des Messezentrums. Kommt vorbei, wenn es euch interessiert. Hier seht ihr ein paar Bilder. 

De Maizière: "Besorgt, aber nicht verzagt"

Mittwoch, 7. Juni 2023, 14.19 Uhr: Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg will in schwieriger Zeit Zuversicht vermitteln. "Wir sind besorgt, aber nicht verzagt", sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière angesichts aktueller Krisen wie der Klimakatastrophe und des Kriegs in der Ukraine am Mittwoch vor Journalisten in Nürnberg. Dort soll das fünftägige Christentreffen am Abend eröffnet werden.

Mit Verständnis und Respekt werde beim Kirchentag über die Themen der Zeit gesprochen, sagte de Maizière. Unter anderem verwies der ehemalige Bundesminister auf Veranstaltungen zur Friedensethik mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, zum Klimaschutz unter anderem mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Vertreterinnen der "Letzten Generation", sowie auf ein Podium zur Krisenanfälligkeit der Demokratie mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth.

Auf dem Kirchentag werde anders gesprochen als in Talkshows, in Landtagen oder im Bundestag, sagte de Maizière. Wer nur seine Textbausteine heraushole, habe keine Chance, gutes Gehör zu finden.

Söder: Kirchentag soll Hoffnung vermitteln

Mittwoch, 7. Juni 2023, 13.50 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wünscht sich vom 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg ein Hoffnungszeichen. "Ich hoffe, dass die frohe Botschaft auch als froh interpretiert wird", sagte Söder vor dem am Abend beginnenden Christentreffen am Mittwoch vor Journalisten. Nichts sei so schön, wie den Glauben gemeinsam zu bekennen.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nannte ein "Signal der Hoffnung für die ganze Gesellschaft" als Ziel des Kirchentages. Das sei gerade in dieser Zeit dringend nötig. "Wir werden viel Lebensfreude ausstrahlen", sagte er.

Er selbst zähle sich zu den "barockeren" evangelischen Christen, sagte Söder außerdem. In einem am Mittwoch bei Twitter veröffentlichten Video anlässlich des evangelischen Kirchentags in seiner Heimatstadt Nürnberg erklärte er, für ihn sei das ein besonderes Ereignis, auch weil er selbst evangelischer Christ sei. "Evangelisch-lutherisch", betonte er zusätzlich. "Wir sind so in Deutschland die barockeren Evangelischen", sagte der CSU-Politiker, der bekannte, sich auch zu bekreuzigen, was in der evangelischen Kirche eher unüblich ist.

Innerhalb der evangelischen Kirche gibt es verschiedene konfessionelle Strömungen, etwa lutherisch, reformiert oder uniert. In der Zusammenarbeit der evangelischen Landeskirchen und dem gemeinsamen Auftreten spielt das aber immer weniger eine Rolle.

Kirchentag will Nürnberg erobern

Mittwoch, 7. Juni 2023, 12.22 Uhr: Noch sind es etwa fünf Stunden, bis der Eröffnungsgottesdienst des Evangelischen Kirchentags auf dem Hauptmarkt in Nürnberg beginnt. Bevor es richtig losgeht, gibt sich Kirchentagspräsident Thomas de Maizière zuversichtlich:

"Wir wollen im besten Sinne die Stadt erobern. Nürnberg soll uns kennenlernen."

Ein Portrait des streitbaren Kirchentagspräsidenten lest ihr hier. 

Kirchentagslosung lautet "Jetzt ist die Zeit"

Mittwoch, 7. Juni 2023, 11.42 Uhr: Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg steht unter der Losung "Jetzt ist die Zeit" aus dem Markus-Evangelium (Mk. 1,15). Das Leitwort ist angelehnt an die biblische Erzählung vom Beginn Jesu Wirken in Galiläa. Zuvor wird berichtet, wie Jesus im Jordan von Johannes dem Täufer getauft wird. Nachdem Johannes von den römischen Machthabern inhaftiert und letztlich getötet wird, zieht Jesus durch Galiläa und verkündet Gottes Botschaft.

Wörtlich heißt es im Vers des Markus-Evangeliums:

"Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!"

Laut Kirchentagspräsident Thomas de Maizière passt das Leitwort in die globale Zeitenwende. Man erlebe eine Zeitenwende, einen Epochenbruch, erschütterte Gewissheiten. Die Losung zwinge dazu, sich darüber klar zu werden, was das Besondere an diesen Zeiten sei. "Beim Kirchentag wollen wir versuchen, eine Zeitendeutung zu machen", sagte de Maizière dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die letzten Vorbereitungen laufen – ein erster Blick zur Bühne

Mittwoch, 7. Juni 2023, 10.32 Uhr: Auch wir sind inzwischen beim Kirchentag eingetroffen. Unsere Ausstellungen findet ihr in Halle 4a. Und so sieht es hier im Moment noch aus: 

100.000 Besucher zum Kirchentag in Nürnberg erwartet

Mittwoch, 7. Juni 2023, 9.00 Uhr: Erstmals seit Ende der Corona-Pandemie treffen sich Zehntausende evangelische Christen in Nürnberg wieder zu einem Kirchentag. Von heute (Mittwoch) bis Sonntag werden etwa 100.000 Besucher in der mittelfränkischen Stadt zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag erwartet, wie die Veranstalter mitteilten. Der Eröffnungsgottesdienst beginnt am späten Nachmittag auf dem Hauptmarkt.

Nicht nur in Nürnberg, auch in der Nachbarstadt Fürth stehen zusammen rund 2.000 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Bibelarbeiten, Podien und Konzerte. Als prominente Besucher werden neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erwartet.

Regionalbischöfin fordert Schutz iranischer Christen

Dienstag, 6. Juni 2023: Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus Bayreuth und Oberkirchenrat Michael Martin, zuständig für Ökumene und kirchliches Leben in der evangelischen Landeskirche in Bayern, fordern die Politik auf Bundes- und Landesebene dazu auf, die Religionsfreiheit und das Leben iranischer Christen in Deutschland zu schützen. Dazu werden sie am Freitag (9. Juni) auf dem evangelischen Kirchentag in Nürnberg eine Resolution zur Abstimmung bringen, teilte die Regionalbischöfin am Dienstag in Bayreuth mit.

Iranischen Christen würde in zahlreichen Asylverfahren vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und in Klageverfahren vor den Verwaltungsgerichten ihre christliche Glaubensüberzeugung abgesprochen, hieß es in der Mitteilung. Und das, "obwohl sie engagierte, treue Mitglieder unserer Kirchengemeinden sind", sagte Greiner. Im Iran sei der Islam Staatsreligion, ein Abfall könne mit dem Tod bestraft werden, sagte Martin. Bei Rückkehr drohe auch Gefahr von Familienangehörigen. "Das gilt es auch bei Verfahren in unserem Land zu beachten."

In ihrer Resolution fordern Greiner und Martin unter anderem eine Stärkung der Religions- und Kultursensibilität in Asyl-Anhörungen vor dem Bundesamt und den Verwaltungsgerichten sowie auf Antrag eine Überprüfung negativer Asylbescheide für iranische Christen. Außerdem dürfe für Visumsverfahren keine Reise der Antragsteller in den Iran gefordert und Menschen nicht mehr dorthin abgeschoben werden.

Über die Resolution soll im Rahmen des Kirchentags-Podiums "Religionsfreiheit - alles andere als sicher. Verletzungen, Anforderungen, Chancen" am Freitag (9. Juni) um 11 Uhr abgestimmt werden. Mindestens 500 Personen müssten anwesend sein und mehrheitlich zustimmen, um die Resolution zu verabschieden, hieß es weiter. Sie richte sich an Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), an die Vorsitzende der Innenministerkonferenz Iris Spranger (SPD) und an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

EKD-Ratsvorsitzende wegen Corona-Infektion nicht beim Kirchentag

Dienstag, 6. Juni 2023: Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, wird wegen einer Corona-Erkrankung nicht am Kirchentag in Nürnberg teilnehmen. Sie habe ihre Teilnahme kurzfristig absagen müssen, teilte die EKD am Dienstag in Hannover mit. Das größte christliche Laientreffen in Deutschland beginnt am Mittwoch.

Erstmals seit Ende der Corona-Pandemie treffen sich zehntausende evangelische Christen in Nürnberg wieder zu einem Kirchentag. Von Mittwoch an werden etwa 100.000 Besucher in der mittelfränkischen Stadt zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag erwartet, wie die Veranstalter mitteilten. Das größte christliche Laientreffen in Deutschland, das bis Sonntag dauert, findet in diesem Jahr unter der Losung "Jetzt ist die Zeit" statt. Präsident des Kirchentags ist der ehemalige CDU-Bundesminister Thomas de Maizière.

Nicht nur in Nürnberg, auch in der Nachbarstadt Fürth stehen rund 2.000 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Bibelarbeiten, Podien und Konzerte. Als prominente Besucher werden neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Altbundespräsident Joachim Gauck wollen am Samstag auf einem Podium sprechen.

Der Vorsitzende der CDU, Friedrich Merz, soll eine Bibelarbeit gestalten. Auch die christlichen Kirchen schicken zahlreiche Vertreter auf die Podien, darunter die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, und den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Der bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, ist einer der Gastgeber. Für den früheren EKD-Ratsvorsitzenden wird es der letzte Kirchentag im Amt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, musste ihre Teilnahme wegen einer Corona-Erkrankung kurzfristig absagen, wie die EKD am Dienstag mitteilte. Kurschus hätte unter anderem am Samstag an einem Podium zum Thema Fake News teilnehmen sollen.

Traditionell werden auf dem Kirchentag Themen aus Kirche und Politik öffentlich diskutiert. In diesem Jahr sind die Schwerpunktthemen Krieg und Frieden, Antisemitismus, Klimawandel und die Zukunft der Kirchen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Eröffnet wird der Kirchentag am Mittwoch mit einem Festgottesdienst auf dem Hauptmarkt. Anschließend findet traditionell der "Abend der Begegnung" in der Nürnberger Innenstadt statt, zu dem rund 200.000 Menschen erwartet werden.

Zukünftiger Landesbischof Kopp diskutiert mit Kindern

Dienstag, 6. Juni 2023: Der designierte bayerische Landesbischof Christian Kopp diskutiert bei einem Podium beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Nürnberg mit Kindern und Expertinnen und Experten für Jugendarbeit aus Kirche und Hochschulen. Er nimmt an einer Diskussion unter der Überschrift "Den Kindern gehört das Himmelreich, aber nicht die Kirche? Wie Partizipation von Kindern gelingen kann" am Freitag, 9. Juni im "Zentrum Kinder und Familie" teil, teilte die evangelische Pfarrerin Jessica Tontsch am Montag mit.

Die Kinder besuchen den Kinderworkshop "Die Wünsch-dir-was-Kirche" und haben bei dem Podium das erste Wort, um zu zeigen, wie sie sich ihre Kirche vorstellen, heißt es in der Mitteilung. Sie werfen den Erwachsenen aus Podium und Publikum "im wahrsten Sinne des Wortes mit Wünschen gestaltete Bälle zu, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen", heißt es in der Mitteilung.

Kopp, der derzeit noch Regionalbischof in München ist, spricht dann zum Thema "Kinder und Kirche(npolitik)". Professorin Johanna Possinger (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) gibt "Impulse für eine familienorientierte Kirche" aus der Perspektive von Familien und familienaktiven Gemeinden. Diakonin Susanne Paetzold vom Projekt "Kinderkathedrale" und Sozialpädagogin Karin Jerger vom "Kinderkirchengipfel" berichten aus der Praxis.

Neue Initiative Zukunft Digitale Kirche (ZUDIKI) stellt sich beim Kirchentag vor

Montag, 5. Juni 2023: Die neue Initiative "ZUDIKI - Zukunft Digitale Kirche” stellt sich erstmals beim Evangelischen Kirchentag 2023 der Öffentlichkeit vor. Auf dem Außengelände bei der St. Paul Kirche in Fürth wollen die teilnehmenden Institutionen und Unternehmen vom 8. bis zum 10. Juni zeigen, welche digitalen Möglichkeiten Kirchen haben. Mit Workshops im offiziellen Kirchentagsprogramm und Meetups vor Ort möchte die Initiative ein Forum für Austausch und Vernetzung für alle Interessierten bieten, insbesondere erwähnt man in einer Pressemitteilung Digitalverantwortliche in Landeskirchen und Kirchengemeinden. 

Die Projekte reichen dabei von Apps für Gemeinden und ihre Mitglieder über kirchliche Verwaltungssoftware bis zu Website-Baukästen und Online-Gottesdiensten. Gründungsmitglieder der Initiative sind u.a. ChurchTools, ChurchDesk, das Yeet-Netzwerk und das Portal unsergottesdienst.de. Auch unser Infoscreen-Projekt ist inzwischen Teil der Initiative.

Beim Kirchentag lädt ZUDIKI am 9. Juni ab 18 Uhr in Fürth zu einem Get together ein. Dort will sie sich allen Interessierten vorstellen. Anmeldungen sind hier möglich.  Das Ausstellungsgelände von ZUDIKI befindet sich in Fürth bei der St. Paul Kirchengemeinde in der Amalienstraße 64, 90763 Fürth. 

Jüdischer Gottesdienst an ehemaliger Hauptsynagoge Nürnbergs

Montag, 5. Juni 2023: Erstmals wird es am ehemaligen Standort der zerstörten Nürnberger Hauptsynagoge wieder einen jüdischen Gottesdienst geben. Anlässlich des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg solle der Gottesdienst am Samstag (10. Juni) die Vergangenheit in Erinnerung bringen und für eine "bessere, verständnisvollere gemeinsame Zukunft" wirken, teilte der Kirchentag am Montag in Fulda mit.

Der Gottesdienst der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg beginne am Samstag um 19 Uhr am Hans-Sachs-Platz, hieß es. Die dort befindliche Nürnberger Hauptsynagoge war im August 1938 von den Nazis abgerissen worden. Der Gottesdienst werde auf Hebräisch gehalten. Anschließend werde Havdala begangen, das jüdische Abendgebet zum Abschluss des Schabbats.

Die Generalsekretärin des Kirchentags, Kristin Jahn, würdigte die Einladung der Kultusgemeinde zur gemeinsamen Feier als "Geschenk an die Stadt und den Kirchentag". Nürnberg stehe mit seiner Geschichte für unendliche Schuld. Der Rabbiner der Kultusgemeinde, Steven Langnas, sagte, der Gottesdienst stärke die Brücke zwischen den Religionen.

Kirchentagsteilnehmer sollen Klimabibel schreiben

Montag, 5. Juni 2023: Eine "Klimabibel" soll beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (7. bis 11. Juni) in Nürnberg entstehen. Sie soll sich an den Forderungskatalog des Klimacamps "Nürnberg muss handeln" aus dem Jahr 2020 anschließen, teilte die Initiative "Klimabibel" am Montag mit. Unter dem Motto "Think global, Act local" würden die Besucherinnen und Besucher des Kirchentags in offenen Arbeitsgruppen der Frage nachgehen, wie eine sozial-ökologische Transformation lokal vorangetrieben werden könne, hieß es. Die Gruppen treffen sich am Sebalder Platz, auf dem bis vor einigen Monaten das Klimacamp stand.

Die Initiative "Klimabibel Nürnberg" wolle vorhandene Lösungsansätze sichtbar machen und neue Wege entdecken, die in Richtung einer klimaneutralen Gesamtstadt führen, hieß es. Die Autorinnen und Autoren der Klimabibel wollten ein "aktuelles Werk von öffentlichem und politischem Interesse" schaffen. Es könne auch im bayerischen Landtagswahlkampf Schritte zu mehr Klimagerechtigkeit aufzeigen und einfordern. Die Klimabibel soll auch Besucherinnen und Besucher aus anderen Städten motivieren, ähnliche Forderungskataloge zu erstellen, sagen die Veranstalter.

Geplant sind Workshops etwa zu Bürgerräten, einer ZeroWaste City, der autofreien Stadt, solidarischer Landwirtschaft oder der Energiewende im Strom- und Wärmenetz.

Gedenken an NSU-Terror zum Kirchentags-Auftakt

Montag, 5. Juni 2023: "Wozu der Mensch fähig ist" - daran wird zu Beginn des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) am Mittwoch, 7. Juni (14 Uhr) die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern erinnern. Eine Gedenkveranstaltung mit dem Titel "A real Mentsh" findet am Mahnmal zum Gedenken an die Opfer der NSU-Morde (Am Kartäusertor 1) statt, teilte die bayerische Landeskirche am Montag mit.

Unter anderem wirken daran der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König, der Präsident des Kirchentags Thomas de Maizière und Generalsekretärin Christin Jahn mit.

Heinrich Bedford-Strohm wird am Mittwoch um 17.30 Uhr als Landesbischof der gastgebenden Landeskirche die Predigt im Eröffnungsgottesdienst am Nürnberger Hauptmarkt halten. Er freue sich riesig auf den Kirchentag, sagte Bedford-Strohm.

"Es werden natürlich auch die aktuellen politischen Themen diskutiert werden, doch wir tun das aus einem evangelischen Geist heraus. Da muss nicht immer bei jedem Satz das Wort Gott vorkommen."

Er hoffe, dass der Geist zu spüren sei in der Art des Umgangs, nämlich "mit Achtung und Respekt voreinander".

Kirchentag wird im Fernsehen, Radio und online übertragen

Sonntag, 4. Juni 2023: Der Bayerische Rundfunk (BR) überträgt viele Veranstaltungen des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags aus Nürnberg auf seinen Kanälen im Radio, Fernsehen und online. Neben umfangreicher Berichterstattung in den tagesaktuellen Sendungen seien auch Live-Übertragungen der zentralen Gottesdienste, Sonderausgaben der Sendungen "Stationen" im BR Fernsehen und der "Blauen Couch" auf dem Radiosender Bayern 1 sowie eine Dokumentation im BR Fernsehen und im Ersten geplant, teilte der BR am Sonntag in München mit.

Der Eröffnungsgottesdienst vom Nürnberger Hauptmarkt am Mittwoch (7. Juni) um 17.30 Uhr wird im BR Fernsehen und online im BR24-Livestream ausgestrahlt. Die Predigt hält der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die offizielle Eröffnung erfolgt durch Kirchentagspräsident Thomas de Maizière. Um 19 Uhr folgt im BR Fernsehen eine Extra-Ausgabe der Sendung "Stationen" unter dem Titel "Jetzt ist die Zeit - Wie viel Zeitgeist verträgt die Kirche?"

Der Schlussgottesdienst am Sonntag (11. Juni) um 10 Uhr auf dem Nürnberger Hauptmarkt wird im Fernsehen im Ersten und im Radio auf Bayern 1 live übertragen. Die Liturgie leiten Pfarrerin Sabrina Wilkenshof und Kirchentagspastor Arnd Schomerus, die Predigt hält Pastor Quinton Ceasar. Um 11 Uhr sendet das Erste dann die Dokumentation "Waffen für den Frieden? Die Evangelische Kirche und der Ukraine-Krieg", die bereits am 10. Juni um 16.15 Uhr im BR Fernsehen läuft.

Außerdem ist der BR mit einer eigenen Eventbühne am Haupteingang der Messe vor Ort in Nürnberg. Dort findet unter anderem am Donnerstag (8. Juni) von 15 bis 16 Uhr die Talk-Sendung "Die Blaue Couch" statt, in der Landesbischof Bedford-Strohm zu Gast bei Moderator Thorsten Otto ist. Die Sendung wird am 19. Juni um 19 Uhr auf dem Radiosender Bayern 1 ausgestrahlt. Am Freitag (9. Juni) wird die Sendung "Regionalzeit" des Radiosenders Bayern 2 von 13.30 Uhr bis 14 Uhr live von der BR-Eventbühne übertragen.

Bayern 2 sendet außerdem von Donnerstag (8. Juni) bis Samstag (10. Juni) jeweils um 18.05 Uhr live eine Tageszusammenfassung vom Kirchentag. Am Sonntag (11. Juni) läuft um 8.30 Uhr in der Sendung "Evangelische Perspektiven" die Reportage "Jetzt ist die Zeit - Wofür?" zu den Themen Krieg, Klima und Krise sowie der Frage: Welche Kraft kann Spiritualität geben - in einer Zeit, in der es nicht einfach ist zu leben?

Seniorencafé im Pflegeheim während des Kirchentags

Samstag, 3. Juni 2023: Das Rummelsberger Stift St. Lorenz liegt mitten in der Nürnberger Innenstadt unweit des Hauptbahnhofs. Während des Deutschen Evangelischen Kirchentags in der kommenden Woche bietet das Seniorenheim für Familien, die den Kirchentag besuchen wollen, eine Betreuungsmöglichkeit für ältere Angehörige an. Das Seniorinnen- und Seniorencafé ist am 8. und 9. Juni von 10 bis 16 Uhr geöffnet, teilten die Rummelsberger am Freitag mit. Mitarbeitende des Wohnstifts betreuen die Gäste. Es singt ein Gospelchor und weitere musikalische Programmpunkte sind geplant.

Interessierte müssen sich für die Plätze zuvor telefonisch unter 0911/242760 oder per E-Mail anmelden.

Menschenkette für Klimaschutz beim Kirchentag in Nürnberg geplant

Freitag, 2. Juni 2023: Unter dem Motto "Jetzt ist die Zeit! Für echten Klimaschutz und Energiewende!" ruft das evangelische Dekanat Nürnberg während des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg zu einer Menschenkette auf. Mit Dürren, Hitzewellen, Waldbränden und Überschwemmungen sei die Klimakrise längst in Europa angekommen, heißt es in dem Aufruf, den das Dekanat am Freitag veröffentlichte. Treffpunkte für die Kundgebung sind am Freitag, 9. Juni, um 13 Uhr an der Sebalduskirche und um 13.30 Uhr am Planetarium am Plärrer.

Vom Nürnberger Kirchentag solle ein starkes Zeichen dafür ausgehen, "dass wir jetzt ernsthaften Klimaschutz wollen", sagte die Umweltbeauftragte des Dekanats, Pfarrerin Ute Böhne. Es sei nötig, schnell die CO2-Emissionen stark zu senken. Dafür brauche es eine "enorme gesellschaftlichen Kraftanstrengung" in Deutschland und weltweit.

Biker fahren eine Spirit-Tour zum Kirchentag

Donnerstag, 1. Juni 2023: Zu den Besuchern des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg, die zu Fuß gehen oder mit Bus- und U-Bahn fahren, werden sich am kommenden Donnerstag (8. Juni, 11 Uhr) noch zahlreiche Biker gesellen. Unter dem Motto "Check" veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Motorrad-Evangelisch einen "Drive-In Motorradgottesdienst" auf dem Hauptmarkt zum "spirituellen Auftanken". Er rechne mit rund 500 bis 600 Motorradfahrern, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Pfarrer Frank Möwes, dem epd am Donnerstag.

Beim ersten großen Kirchentags-Motorrad-Gottesdienst bei einem Deutschen Evangelischen Kirchentag im Jahr 1979 in Nürnberg seien rund 5.000 Biker in die Innenstadt gekommen, hat Möwes in den Archiven nachgeschlagen. Damals sei aber der Alltag noch von Kirche geprägt gewesen. Er könne gerade nicht gut einschätzen, "welche Attraktivität das Event in der Szene heute noch hat", sagte Möwes.

Andererseits würden andere etablierte Biker-Gottesdienste die Menschen weiter anlocken, stellt Möwes fest. Er glaube jedenfalls nicht, dass ein gesteigertes Umweltbewusstsein den ein oder anderen Biker von der Fahrt nach Nürnberg abhält, "wenn die Leute zum Motorradgottesdienst kommen wollen, dann kommen sie". Das sind etwa die Menschen aus der Oberpfalz, die mit ihren Maschinen zu einer "Spirit-Tour MoGo" am Donnerstagmorgen in Amberg starten.

Motorradpfarrer Möwes aus Mainburg (Landkreis Kehlheim) ist wegen der Wettervorhersage zuversichtlich. Die Begründung schlechtes Wetter für eine niedrige Beteiligung falle laut der derzeitigen Prognosen weg, sagt er. Er erinnert sich an einen Motorradgottesdienst beim Kirchentag in Düsseldorf, "da hat es waagrecht geschüttet und keine 50 Leute haben sich auf ihre Maschinen gesetzt."

Jugendliche bauen beim Kirchentag Obdachlosenunterkünfte

Donnerstag, 1. Juni 2023: Jugendliche aus Braunschweig wollen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg in der kommenden Woche mobile Wohnboxen für Obdachlose bauen. Die rollbaren, etwa drei Quadratmeter großen Unterkünfte aus Holz seien gedämmt und hätten eine Sanitärkabine, sagte der Referent für religionsbezogene Schulprojekte der braunschweigischen Landeskirche, Heiko Grüter-Tappe, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der kleine geschützte Raum sei insbesondere für diejenigen eine Zwischenlösung, die noch nicht in eine reguläre Unterkunft für wohnungslose Menschen gehen könnten.

An den beiden Wohnboxen werden beim Kirchentag vom 7. bis zum 11. Juni auch Obdachlose selbst mitbauen, sagte Grüter-Tappe. Kooperationspartner ist der Kölner Verein "Little Home", der bundesweit bereits mehr als 240 Unterkünfte gebaut hat. Im Anschluss werden die Unterkünfte an zwei Obdachlose aus Nürnberg übergeben.

Das Projekt ist Teil des Netzwerks "Diakonisches Lernen", das vor zehn Jahren in Bayern begründet wurde. Ziel ist es, Schülern praktische und soziale Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers zu vermitteln.

Eckart von Hirschhausen: Übernächstenliebe für das Klima nötig

Dienstag, 30. Mai 2023: Der Mediziner und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen fordert von den christlichen Kirchen mehr Einsatz für den Klimaschutz. "Während der Zeithorizont von Politikern oft nicht ausreicht, um auf den ersten Blick unpopuläre Entscheidungen voranzubringen, könnten es sich die Kirchen in der Gewissheit ihres Auftrags und ihrer Geschichte leisten, jetzt in Vorleistung zu gehen", heißt es in einem Gastbeitrag des Autors für das evangelische Monatsmagazin "chrismon" (Juni-Ausgabe). Die Kirchen seien dafür geschaffen, an der Spitze der Bewegung zu stehen.

"Der Kern des Christentums ist die Nächstenliebe", fügte Hirschhausen hinzu. Vielleicht sei ein neues Wort dafür nötig. Sein Vorschlag: "Übernächstenliebe!" Das könne man zeitlich und räumlich verstehen: "Unser Nächster, unsere Nächste, kann also auch 5.000 Kilometer weit weg sein oder 50 Jahre." Es gebe keine andere Institution, die das Denken über viele Generationen hinweg derartig in ihrer DNA habe wie die Kirchen, so Hirschhausen.

Hirschhausen ist auch zu Gast auf dem 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg vom 7. bis 11. Juni. Dort will er am Donnerstagabend durch eine "Klima-Entdeckungsreise" führen.

Friedensdemonstration auf Kirchentag in Nürnberg

Montag, 29. Mai 2023: Friedensgruppen und -organisationen rufen zu einer Demonstration während des evangelischen Kirchentags in Nürnberg auf. Unter dem Motto "Jetzt ist die Zeit für Frieden" solle am 10. Juni auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in der Innenstadt für einen Stopp der weltweiten Rüstungsspirale sowie für Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung in Kriegsgebieten geworben werden, teilte die Evangelische Friedensarbeit im Raum der EKD am Montag in Bonn mit. Zum Abschluss der Kundgebung rede der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Magdeburger Landesbischof Friedrich Kramer.

Die Demonstration nimmt Bezug auf das offizielle Motto des Kirchentags "Jetzt ist Zeit". "Es ist die Zeit, Sicherheit neu zu denken", heißt es in dem Aufruf der rund 20 Organisationen. Darunter sind die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden, der Initiativkreis Frieden in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), das Institut für Theologie und Politik, die Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge sowie die Deutsche Sektion der internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) und das Friedensmuseum in Nürnberg,

Thementag zu "Frieden für Israel und Palästina" am Rande des Kirchentags

Freitag, 26. Mai 2023: Zu einem "Thementag Palästina - Israel" am Rande des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg lädt das Kairos-Bündnis ein. Die Veranstaltung beginnt am 10. Juni um 9.30 Uhr und gehört nicht zum offiziellen Kirchentagsprogramm. Unter dem Titel "Hoffnung auf gerechten Frieden für Israel und Palästina" finden bis 18 Uhr mehrere Vorträge und Diskussionen statt.

So hält etwa der frühere Bischof der evangelischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit, eine Bibelarbeit zum Thema "Zwei Völker - ein Land". Weitere Vorträge thematisieren Friedensperspektiven der Bundesregierung, gerechte Verhältnisse in Israel und Palästina, völkerrechtliche Sichtweisen und die aktuelle israelische Regierungskoalition.

Das "Kairos Palästina-Solidaritätsnetz Deutschland" wurde 2012 unter dem Dach des ökumenischen Netzwerks "Kairos Europa e. V." gegründet. Laut Website rufen seine Vertreter die christlichen Kirchen zu einer Auseinandersetzung mit der israelischen Politik auf, um zu Friedenslösungen beizutragen.

"heavenraDIO" sendet zum Kirchentag

Donnerstag, 25. Mai 2023: Zum 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag sendet die evangelische Kirche ein Radioprogramm. "heavenraDIO" sei täglich vom 7. bis zum 11. Juni vom Protestantentreffen in Nürnberg zu hören, teilte die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Rundfunk am Donnerstag in Wetzlar mit.

Das Programm sei rund um die Uhr im Internet und über den Sprachassistenten "Alexa" zu empfangen, hieß es. Es umfasse kurze Berichte und Reportagen vom Kirchentag sowie Übertragungen von Gesprächen mit Prominenten auf dem "Roten Sofa".

Das Webradio "heavenraDIO" gibt es seit 2007. Während der Kirchentage ist es regelmäßig als Kirchentagsradio auf Sendung.

"Die Kirchentagszeitung" stimmt Metropolregion auf Kirchentag ein

Donnerstag, 25. Mai 2023: An diesem Freitag (26. Mai) erscheint in der Metropolregion Nürnberg "Die Kirchentagszeitung" zum Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg und Fürth stattfindet. Das 32-seitige Magazin wird gemeinsam vom Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) und dem Kirchentag herausgegeben, die Redaktion übernommen hat das "Sonntagsblatt - Evangelische Wochenzeitung für Bayern", wie der EPV am Donnerstag mitteilte.

"Die Kirchentagszeitung" liegt in einer Auflage von mehr als 225.000 Stück den "Nürnberger Nachrichten" und der "Nürnberger Zeitung" sowie allen Regionalausgaben und Kopfblättern der beiden Titel bei, sowohl in der Printausgabe als auch in digitalen Formaten. Das oberste Ziel des Magazins ist es, "die Metropolregion auf das Großereignis Kirchentag einzustimmen", sagte EPV-Direktor und Herausgeber der Kirchentagszeitung, Roland Gertz. Die Zeitung biete nützliche Tipps und Infos rund um den Kirchentag sowie verschiedene Programmhinweise und Lesestücke über die ausrichtenden Städte.

Am sogenannten Abend der Begegnung (7. Juni) werden an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Kirchentagsauftakt noch einmal 30.000 Exemplare des Magazins verteilt. Zum inzwischen 38. Evangelischen Kirchentag werden bis zu 100.000 Gäste erwartet. Es ist das erste Mal nach der Corona-Pandemie, dass der Kirchentag wieder mit Tausenden Gästen in Präsenz stattfindet.

Das Kirchentags-Magazin kann auch kostenlos auf sonntagsblatt.de heruntergeladen werden.

Kirchentag: Promis auf dem Roten Sofa

Donnerstag, 25. Mai 2023: Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg stellen sich vom 8. bis 10. Juni Persönlichkeiten aus Politik und Kirche, Kultur, Wirtschaft und Medien den Fragen der Redakteurinnen und Redakteure aus evangelischen Medienhäusern. Auf der Bühne im Messepark präsentiere der Evangelische Medienverband in Deutschland (EMVD) auf dem "Roten Sofa" ein Interview-Programm mit 29 prominenten Gästen, teilte der EMVD am Mittwoch mit.

Aus der Bundes- und Europapolitik haben der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, Grünen-Chefin Ricarda Lang und die Vizepräsidentin des Europa-Parlaments Nicola Beer zugesagt. Die bayerischen Farben vertritt Ministerpräsident Markus Söder. Als Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Kirchen werden unter anderem die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus, Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing und der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Platz nehmen. Auch Kirchentagspräsident Thomas de Maizière stellt sich Fragen zu den zentralen Themen des Kirchentreffens.

Weiter erwartet werden der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, und die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx. Um Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel und Energieversorgung geht es beim Arzt und Wissenschaftsjournalisten Eckart von Hirschhausen, Fridays-For-Future-Aktivistin Carla Reemtsma, Siemens-Energy-Aufsichtsratschef Joe Kaeser sowie Deutsche Bank-Manager Jörg Eigendorf. Zugesagt hat auch die Theologiestudentin und "Miss Germany 2023", Kira Geiss. Die gastgebende Region Franken ist unter anderem durch den Kabarettisten und Schauspieler Matthias Egersdörfer und Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König vertreten.

"Das Rote Sofa ist ein Markenzeichen des Deutschen Evangelischen Kirchentags", sagte Roland Gertz, Vorsitzender des EMVD. Der besondere Reiz dieses Talks liege in der Mischung aus harten Fakten und menschlichen Zwischentönen. Wer Prominenz und interessante Menschen hautnah erleben wolle, sei beim "Roten Sofa" genau richtig.

Das genaue Programm auf dem "Roten Sofa" findet ihr hier

"Kooperatives, wohlwollendes und achtsames Publikum"

Dienstag, 16. Mai 2023: Rund 100.000 Menschen werden zum Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg erwartet, 50.000 Tickets sind bereits verkauft worden. Die Erfahrung zeige, dass das typische Kirchentagspublikum "friedvoll, wohlwollend, kooperativ und sozial achtsam" ist, sagte Robert Pollack, Leiter des Nürnberger Ordnungsamtes bei der Vorstellung des Sicherheits- und Verkehrskonzeptes am Dienstag im Rathaus.

"Die fränkische Seele spricht auch nicht gerade dafür, sich anders zu verhalten", fügte er augenzwinkernd hinzu.

Trotz der umfangreichen Erfahrung der Stadt mit Bardentreffen, Blauer Nacht und Christkindlesmarkt sei der Kirchentag eine herausragende Großveranstaltung, die ein sehr geringes inneres Gefährdungspotenzial mit sich bringe, ist sich Pollack sicher.

Um vor Ort schnell reagieren zu können, werden rund 4.000 ehrenamtliche Helfer unter anderem im Ordnungsdienst und der Besuchendenlenkung im Einsatz sein, sagte Janine Rolfsmeyer aus dem Vorstand des Kirchentags. Erkennbar sind die Ehrenamtlichen an ihrem Halstuch mit der Aufschrift "Ich helfe". Nur in vereinzelten Bereichen werde es einen gewerblichen Ordnungsdienst geben.

"Wir standen diesem Konzept zunächst kritisch gegenüber", sagte Pollack. Eine Nachfrage in Dortmund, wo der letzte Kirchentag stattfand, habe jedoch ergeben, "dass das Konzept gleicher sozialer Verantwortung auf ordnender Seite und Besucherseite zu großer gegenseitiger Akzeptanz und Respekt führt". Zusätzlich werden 400 Kräfte der Johanniter Unfallhilfe im Einsatz sein.

Für den Nürnberger Polizeidirektor Andreas Belger ist der Kirchentag "unser Großeinsatz im Jahr 2023". Vor mehr als einem Jahr hätten die Vorbereitungen begonnen. Eine Veranstaltung solcher Größenordnung berge immer eine abstrakt erhöhte Gefahr für Anschlagsszenarien, sagte er. Für den Kirchentag gebe es jedoch keine konkreten Gefährdungshinweise. Bei den Veranstaltungen gerade auf den großen Plätzen in der Innenstadt verfolge man ein ähnliches Sicherheitskonzept wie beim Christkindlesmarkt und werde Hauptzufahrten durch Einfahrtshindernisse vor einer potenziellen Bedrohung durch Fahrzeuge schützen.

Der Einsatzschwerpunkt vor Ort liegt laut Polizei auf der Lenkung der Besucherströme. Vor allem zur An- und Abreise erwarte man große Menschenmengen im Hauptbahnhof. Laut Janine Rolfsmeyer planen 50 Prozent der Besucher ihre Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nur 25 Prozent wollen mit dem eigenen Auto kommen. Auch während der Veranstaltungstage spiele der ÖPNV eine große Rolle. Wer ein Kirchentagsticket kauft, kann den Nahverkehr kostenlos nutzen. Die Taktung der Nürnberger U-Bahnen werde passend zu den Stoßzeiten der Veranstaltungen erhöht. Dennoch könne es immer wieder zu Wartezeiten kommen.

Den Besuchern empfahl Rolfsmeyer die Nutzung der Kirchentags-App, die über ein Ampelsystem anzeige, wie viele Plätze bei Veranstaltungen noch frei sind. Außerdem sollen über die App Sicherheitsbenachrichtigungen verbreitet werden. Zudem werde die Polizei die Großveranstaltung intensiv über ihre Social-Media-Kanäle begleiten und dort schnell Informationen streuen, kündigte Polizeidirektor Belger an. "Jede und jeder kann zu einem friedlichen Kirchentag beitragen. Bitte geben Sie aufeinander acht", bat Rolfsmeyer.

Vom Bio-Essen bis zur Generationengerechtigkeit

Donnerstag, 4. Mai 2023: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) kommt zum Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni nach Nürnberg und diskutiert mit der Umweltaktivistin Carla Hinrichs und dem Manager Jo Kaeser bei der Veranstaltung "Wer hat’s verbockt?" über Verantwortung und Schuld in der Klimakrise. Auf dem Sebalder Platz wird es Essen aus geretteten Lebensmitteln geben, und für die Logistiker ist der Elektrostapler tätig. Im Jugendforum heißt es: "Check mal deinen Modekonsum!" Von der Kultur bis zum Essen soll die Schöpfungsverantwortung eine wichtige Rolle spielen, hat Stefanie Rentsch, Studienleiterin des Kirchentags, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Thema Umwelt erklärt.

Das zeige sich im Programm, der Struktur und in der Arbeit all derjenigen, die beim Kirchentag aktiv seien.

"Der Kirchentag ist ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz”, so Rentsch. "Es ist unsere Aufgabe und dringender denn je, Verantwortung für die Erde auch mit Blick auf zukünftige Generationen zu übernehmen."

Das Thema Schöpfungsverantwortung werde nicht nur im Programm in Foren, Workshops und Diskussionen ernst genommen, sondern auch bei der Verpflegung, Mobilität, dem Wasserverbrauch, der Abfallbeseitigung und anderen Bereichen, hieß es. So legte Christof Hertel, Mitarbeiter für das Projekt "LogMob" dar, dass Logistik und Mobilität auf dem Kirchentag CO₂-Emissionen um 23 Prozent einsparen wollen, indem Lastenfahrräder und E-Fahrzeuge genutzt werden und mancher Referent aus fernen Ländern per Video zugeschaltet werde. Man wolle einen neuen Standard für Großveranstaltungen setzen, so Hertel.

Umweltreferentin Jana Rottmann stellte das Gläserne Restaurant vor, in dem täglich 1.000 Mahlzeiten "schonend für Umwelt und Mensch" zubereitet werden sollen. Man werde zeigen, dass sich "leckere Mahlzeiten und ökologisch sinnvolles Kochen nicht ausschließen". Die Gerichte würden ausschließlich aus saisonalen, regionalen, ökologisch angebauten und fair gehandelten Lebensmitteln hergestellt. Auf dem Sebalder Platz werde auch "Schmackhaftes aus geretteten Lebensmitteln" zu haben sein.

Das Zentrum Schöpfungsverantwortung des Nürnberger Kirchentags werde auf dem Messegelände, auf dem Sebalder Platz und in der Evangelischen Hochschule zu finden sein, erläuterte Rottmann. In einem Workshop soll es um den Atommüll gehen. Ein Jugendforum fragt, wie viel Modekonsum sein muss.

Auf dem Markt der Möglichkeiten haben sich 40 Stände unter dem Label Schöpfungsverantwortung angemeldet. Im Programm spiegelt sich das Thema Verantwortung für die Schöpfung in mindestens 100 Veranstaltungen wider. Etwa bei einer Podiumsveranstaltung mit der EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich und dem Jesuitenpater Jörg Alt mit der Überschrift "OK, Boomer!" und "Respekt, Generation Z". Das Klima-Oratorium "House on Fire" spannt den Bogen von der Schöpfung über Klima-Katastrophen zur Verantwortung der Menschen für die Erde.

Kirchentag-Tickets an Vorverkaufsstellen erhältlich

Freitag, 28. April 2023: Tickets für den evangelischen Kirchentag in Nürnberg sind ab sofort an vielen Vorverkaufsstellen erhältlich. Interessierte könnten wählen zwischen Eintrittskarten für den gesamten Zeitraum, für einzelne Veranstaltungstage oder 16-Uhr-Tickets, die für Nachmittags- und Abendveranstaltungen gelten, teilte der Deutsche Evangelische Kirchentag am Freitag mit. Bei allen Tickets sei die Nutzung des regionalen Nahverkehrs eingeschlossen.

In Nürnberg können Eintrittskarten in der Alpha Buchhandlung, beim Bibelmuseum, in der Congress- und Tourismus-Zentrale am Hauptmarkt, im i-Punkt im Haus eckstein sowie in der Kultur Information im KunstKulturQuartier erworben werden. In Fürth werden Tickets in der Tourist-Information am Bahnhofsplatz verkauft.

Sofas und Gästezimmer für Kirchentagsbesucher gesucht

Freitag, 21. April 2023: Der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König und der evangelische Stadtdekan Jürgen Körnlein haben die Menschen in Nürnberg aufgerufen, Kirchentagsbesuchern kostenlose Privatquartiere anzubieten. In einer Mitteilung verwiesen sie am Freitag auf die digitale Plattform www.unterkunft.kirchentag.de, auf der Zimmer oder Schlafplätze vermittelt werden. Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg und Fürth statt.

Nürnbergerinnen und Nürnberger könnten ihre Gästezimmer, ein leer stehendes Kinderzimmer, einen Platz auf der Couch oder eine sonstige Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen, sagte König.

"Ich bin mir sicher, dass dabei interessante Begegnungen, vielleicht sogar Freundschaften über den Kirchentag hinaus entstehen."

Körnlein berichtete, er habe selbst in früheren Jahren in anderen Städten Privatquartiere genutzt, spannende Gespräche erlebt und großartige Menschen kennengelernt. "Stellen Sie sich vor, Sie sind von dem fantastischen Programm des Kirchentages begeistert, wollen nach Nürnberg fahren, aber Sie finden kein Bett", fügte Körnlein an.

Absagen wegen Ausschluss von Nakba-Ausstellung auf Kirchentag

Mittwoch, 19. April 2023: Konrad Raiser, früherer Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), sowie der "taz"-Journalist Andreas Zumach haben ihre Teilnahme am Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg abgesagt. Er werde nicht an der geplanten Podiumsdiskussion teilnehmen, schrieb Zumach in einem offenen Brief, weil das Kirchentagspräsidium den Beschluss bekräftigt habe, die Ausstellung "Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" nicht auf dem Kirchentag zu zeigen.

Auch Raiser habe seine Einladung als Ehrengast am Kirchentag abgelehnt, bestätigte Kirchentags-Sprecherin Milena Vanini am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Er habe "mehrere unterschiedliche Gründe für diese Entscheidung genannt, einer davon war die Nakba-Entscheidung", erläuterte Vanini. Man habe seine Absage mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Mit Nakba, arabisch für Katastrophe oder Unglück, ist die Flucht und Vertreibung palästinensischer Bevölkerungsteile nach der Staatsgründung Israels gemeint. Beantragt hatte die Ausstellung der Verein "Flüchtlingskinder im Libanon". Der Verein ist nach Angaben von Kirchentags-Sprecherin Milena Vanini für den Markt der Möglichkeiten zugelassen. Es gebe für den Kirchentag 2023 jedoch die Einschränkung, dass die Nakba-Ausstellung nicht gezeigt werden soll.

Eine Gruppe prominenter Christen hatte diese Entscheidung bereits im Februar in einem Brief kritisiert. Der Brief trug unter anderen die Unterschriften von Konrad Raiser und seiner Ehefrau Elisabeth Raiser, der evangelischen Präsidentin des ersten Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin. Als weitere Unterzeichner wurden der Erfurter Altpropst Heino Falcke sowie die Theologinnen Almuth Berger und Ruth Misselwitz genannt.

Das Kirchentags-Präsidium bekräftigte seine Entscheidung am 10. März mit der Begründung, dass die Ausstellung, die in früheren Jahren bereits auf Kirchentagen gezeigt wurde, "in ihrer Einseitigkeit seit Jahren überarbeitungsbedürftig" und "diese Überarbeitung bisher schuldig geblieben" sei. Die Ausstellung in dieser Form "schließt die Diskussion mehr als dass sie sie öffnet".

Zumach kritisiert in seinem aktuellen Brief fehlende Belege für diese Begründung und die "dialogfeindliche und selbstherrliche Art" des Kirchentagspräsidiums.

Mit dem Beschluss zum Verbot der Ausstellung falle das Präsidium "allen Menschen in den Rücken, die sich in Israel/Palästina und in Deutschland seit Jahrzehnten für eine menschenrechts- und völkerrechtskonforme Friedenslösung des israelisch-palästinensischen Konflikts einsetzen", schreibt Zumach.

De Maizière rät Kirchen zu öffentlicher Einmischung

Mittwoch, 5. April 2023: Der Kirchentagspräsident Thomas de Maizière rät den Kirchen, sich mutig in öffentliche Debatten einzumischen. Bei manchen gebe es die Überzeugung, die Kirche könne erst wieder glaubwürdig öffentlich auftreten, wenn die eigenen, inneren Probleme bearbeitet seien, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Da widerspreche ich. Wir können doch nicht an unsere Kirche ein Schild 'Wegen Umbauarbeiten geschlossen' hängen."

Auch hält der frühere CDU-Bundesminister nichts davon, dass die Kirchen sich selbst kleinreden. Selbst wenn - je nach Zählweise - nur rund die Hälfte der Deutschen Mitglied einer der beiden großen Kirchen sei, sei das zwar weniger als früher, aber immer noch "verdammt viel", sagte er. "Das ist immer noch ein großer Schatz. Den sollte man nutzen, anstatt die Schrumpfbewegung zu bejammern."

Zugleich warb er für eine Öffnung des Kirchentags. Der Kirchentag wolle auch die Menschen ansprechen, die aus der Kirche ausgetreten seien. Im vergangenen Jahr sind 380.000 Menschen nach kürzlich veröffentlichten Zahlen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Diese Menschen seien noch offen für den Glauben, aber frustriert über die Institution Kirche, betonte de Maizière.

De Maizière ist seit 2021 Kirchentagspräsident.

Generalsekretärin Jahn: Kirchentag steht vor Wandlungsprozess

Freitag, 24. März 2023: Nach Ansicht der Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Kristin Jahn, steht der Evangelische Kirchentag vor einem Wandlungsprozess. Die Frage sei, ob der Kirchentag hauptsächlich ein Treffpunkt für Christen sein soll, oder ob man sich mehr für die Gesellschaft öffnen wolle, sagte sie in einem digitalen Grußwort zu Beginn der Tagung der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg am Freitag. Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg statt.

"Wir wollen nicht nur für uns bleiben. Das Evangelium lebt auf im Dialog."

Beim Kirchentag 2025 in Hannover wolle man idealerweise andere Formate ausprobieren. "Wir wünschen uns zukünftig viel mehr Dialog mit der Gesellschaft vor Ort." Dieser Reformprozess sie eine "riesige Chance für die Kirche".

Themen beim heuer seien unter anderem die Frage nach Waffenlieferungen in die Ukraine und der Umgang mit dem Klimawandel. Bewusst werde es bei den Diskussionen in Nürnberg kontrovers zugehen. Das Ziel sei, "klug miteinander streiten zu lernen" und die eigene Meinung nicht absolut zu setzen. "Absolut ist nur Gott", so Jahn.

Die Frühjahrstagung des württembergischen Kirchenparlaments findet noch bis Samstag statt. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Bischofsbericht unter anderem der PfarrPlan 2030, eine aktuelle Stunde zum Thema "Klimaschutz" und ein Schwerpunkthalbtag zur Kirchenverfassung.

Evangelischer Kirchentag diskutiert über "Atomkraft forever"

Donnerstag, 23. März 2023: Der in dieser Woche mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Dokumentarfilm "Atomkraft forever" des Hamburger Regisseurs Carsten Rau wird auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg zu sehen sein. Zudem soll es ein Publikumsgespräch mit Rau geben, wie der Kirchentag am Donnerstag mitteilte.

Der Film greife wesentliche Fragen rund um die Energiewende auf, über die man in Nürnberg diskutieren wolle, sagte der Kulturreferent des Evangelischen Kirchentags, Jakob Haller. Dazu gehöre etwa, was der Ausstieg aus der Kernenergie für Deutschland bedeute und wie es Menschen ergehe, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnten und den Wunsch nach sauberer, sicherer, aber auch bezahlbarer Energie hätten.

Über 100 Kirchentagsveranstaltungen an der Evangelischen Hochschule

Sonntag, 19. März 2023: Die Evangelische Hochschule in Nürnberg (EVHN) wird während des Deutschen Evangelischen Kirchentags im Juni in Nürnberg fünf Tage lang zu einem Workshop-Zentrum. Vom 7. bis 11. Juni sind über 60 Mitwirkende, Lehrende, Studierende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Programm etwa in Workshops, Diskussionsrunden, einer Kinder-Uni, Mitmach-Aktionen und Info-Angeboten beteiligt, teilte die Hochschule mit. In ihren Räumen würden über 100 Veranstaltungen stattfinden.

Die Themen der Veranstaltungen sind unter anderem "Demenz in der Familie. Mit Kindern über die Krankheit des Vergessens sprechen", oder "Hoffnung bei unerfülltem Kinderwunsch". Es werde einen "Inklusions-Parcours" geben oder eine "Pflege-Rockbühne", heißt es in der Mitteilung. Beim "Markt der Möglichkeiten" informiert die EVHN mit anderen evangelischen Hochschulen an einem Stand. Die KinderUNI steht unter dem Motto "So will ich leben - meine Welt von morgen". Veranstaltungsorte, Termine und Uhrzeiten der Programmpunkte der Hochschule sind auf www.kirchentag.de veröffentlicht.

Die staatlich anerkannte Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, EVHN, bietet Studiengänge in den Bereichen Soziale Arbeit, Sozial- und Gesundheitswirtschaft, Pädagogik, Pflege, Management sowie Religionspädagogik und Diakonik an. Derzeit studieren an der EVHN den Angaben nach 1.400 Studierende.

Margot Käßmann sagt Teilnahme am Kirchentag ab

Freitag, 17. März 2023: Die evangelische Theologin Margot Käßmann (64) hat ihre Teilnahme am evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg abgesagt. Sie habe nicht vor, nach Nürnberg zu fahren, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland der in Weimar erscheinenden mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (Ausgabe vom 19. März). Gründe habe sie nicht genannt.

Bereits Anfang März hatte es Irritationen über die Teilnahme der Theologin am Kirchentag gegeben. Anlass war eine geplante Konzertlesung von Käßmann mit dem Liedermacher Konstantin Wecker unter dem Motto "Entrüstet Euch! - Von der bleibenden Kraft des Pazifismus". Käßmann hatte der in Berlin erscheinenden Monatszeitschrift "Zeitzeichen" gesagt, der Kirchentag habe die Konzertlesung abgelehnt. Der Kirchentag indes hatte das dementiert und stattdessen erklärt, es habe keine offizielle Bewerbung gegeben.

Der Kirchentag bestätigte nun auf Nachfrage der Kirchenzeitung die Absage Käßmanns als Teilnehmerin an einem der Hauptpodien und an einem politischen Nachtgebet. Eine Kirchentagssprecherin erklärte, dass die Absage ohne Angabe von Gründen erfolgt sei. Die Absage sei überraschend, aber noch vor der Präsentation des Programms erfolgt.

Käßmann, die von 1999 bis 2010 Landesbischöfin von Hannover war, nimmt nach eigenen Angaben seit 1979 regelmäßig an dem im zweijährigen Rhythmus stattfindenden christlichen Laientreffen teil. Eine Teilnahme am Kirchentag in Hannover 2025 schließe sie nicht aus, sagte sie weiter.

Kirchentag wird über Klima, Frieden und Krisen sprechen

Donnerstag, 16. März 2023: In Nürnberg haben am Donnerstag Kirchentagspräsident Thomas de Maizière und Generalsekretärin Kristin Jahn das Programm für den Kirchentag 2023 im Juni vorgestellt. Erwartet werden unter anderem prominente Politiker wie Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenministerin Annalena Baerbock.

2.000 Einzelveranstaltungen stehen auf dem Programm des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der unter dem Motto steht "Jetzt ist die Zeit". In den fünf Tagen werden etwa 100.000 Menschen erwartet. Erstmals wird es kein dickes gedrucktes Kirchentagsprogramm mehr geben, teilte die Veranstalter mit. Alle Veranstaltungen seien auf der Homepage des Kirchentags zu finden und ab Ende März in einer App. Es ist unter diesem Link aufrufbar.

In Zeiten mehrerer Krisen wolle der Kirchentag eine Zeitendeutung versuchen und Hoffnungsträger sein, sagte de Maizière. Der Kirchentag wolle eine Art "gemeinsames Lagerfeuer" sein.

Die Generalsekretärin des Kirchentags Kristin Jahn sagte, "wir verbinden Hoffen und Machen und knicken bei Krisen nicht ein".

Man werde bei den Veranstaltungen sachlich und fair strittige Themen in der Haltung führen, dass auch das Gegenüber Recht haben könne.

Auf den großen Hauptpodien des Kirchentags wird in Nürnberg unter anderem über die Klimakrise, Vielfalt, Demokratie, Generationengerechtigkeit, Soziales, Internationale Sicherheitspolitik und Waffenlieferungen debattiert. Ein wichtiger Schwerpunkt wird zudem das Thema Menschenrechte mit regionalen Projekten wie einem eigens entwickelten Audioguide zu Erinnerungsorten in Nürnberg und Fürth sein.

Unter dem Titel "Welchen Frieden wollen wir? Grenzverschiebungen in der Friedensethik" diskutieren beispielsweise Friedrich Kramer, der Friedensbeauftragte der EKD, und voraussichtlich der neue Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, mit Sven Giegold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

Viele Programmpunkte gibt es auch in der Nachbarstadt Fürth, in denen es hauptsächlich um die Zukunft von Kirche und Glaube gehen solle. Dort soll auch ein Gottesdienst stattfinden, der von Künstlicher Intelligenz vorbereitet wird, hieß es.

De Maizière sieht keine Spaltung der Gesellschaft bei Ukrainepolitik

Donnerstag, 16. März 2023: Der frühere Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist Befürchtungen entgegengetreten, die deutsche Ukrainepolitik könne einen Keil in die Gesellschaft treiben. "Von einer Spaltung sind wir weit entfernt", sagte de Maizière, der im Juni als Präsident an der Spitze der evangelischen Kirchentags in Nürnberg steht, am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in der evangelischen Marktkirche in Hannover. Gesprächspartnerin war die designierte Präsidentin des Kirchentags 2025 in Hannover und ehemalige thüringische Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne).

Unter dem Nürnberger Kirchentagsmotto "Jetzt ist die Zeit!" sprachen de Maizière und Siegesmund über politische Herausforderungen angesichts des Klimawandels und des Kriegs in der Ukraine. Sie waren sich einig, dass Deutschland dem überfallenen Land mit Waffen helfen müsse. Jedoch bewege man sich dabei in einem ethischen Dilemma, betonte der ehemalige Verteidigungsminister:

"Das Liefern von Waffen führt zu mehr Toten."

Die Entscheidung erfordere daher Demut, Abwägung und eine breite Kontroverse.

Der Widerspruch gegen die Ukrainepolitik der Bundesregierung, wie er etwa vom Philosophen Jürgen Habermas, von Sahra Wagenknecht (Linke) oder auch von AfD-Politikern formuliert werde, habe eine vergleichsweise geringe Resonanz, sagte de Maizière. Er vermisse die gesamtgesellschaftliche Debatte. Derweil nehme er eine "Atomisierung" der Gesellschaft wahr, in deren Folge soziale Blasen entstünden. Das Land habe "zu wenig gemeinsame Lagerfeuer", an denen die Menschen zusammenkommen. Parteien, Kirchen und Gewerkschaften seien immer weniger solche Orte, beklagte de Maizière. Das Misstrauen gegenüber Institutionen und Medien wachse.

Siegesmund ergänzte auch mit Blick auf die bevorstehenden Kirchentage, dass es Christen ausmache, Zerrissenheit in politischen Fragen zu zeigen und auszuhalten. Angesichts der krisenhaften Gegenwart müssten die Menschen zudem darüber sprechen, was Halt gebe und auf welchem Wertefundament sie stünden. In Anbetracht des Klimawandels betonte die frühere Landesumweltministerin, dass Bürgerinnen und Bürger auch im Alltag und vor Ort "Ohnmachtsgefühl durch gutes Handeln bekämpfen" könnten. Zugleich brauche es klimapolitisch sowie bei der "Frage zu Krieg und Frieden" einen "neuen Generationenvertrag".

Kirchentag dementiert Ablehnung einer Veranstaltung mit Käßmann

Freitag, 24. Februar 2023: Der Deutsche Evangelische Kirchentag hat nach eigenen Angaben keine Veranstaltung mit Margot Käßmann abgelehnt. Für einen Programmpunkt mit der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei nie eine Bewerbung eingegangen, sagte die Sprecherin des Kirchentags, Milena Vanini, am Freitag in Fulda dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe keine inhaltlichen Gründe dafür, Käßmann nicht auftreten zu lassen, sagte sie:

"Wir haben Frau Käßmann gerne dabei." 

Käßmann hatte am Donnerstag der in Berlin erscheinenden Monatszeitschrift "Zeitzeichen" (Online) gesagt, der Kirchentag habe eine Konzertlesung mit ihr und dem Liedermacher Konstantin Wecker abgelehnt, bei der beide aus einem gemeinsamen Buch pazifistische Texte lesen wollten. Käßmann hatte angegeben, nichts zu den Gründen für die Ablehnung sagen zu können, und an den Kirchentag verwiesen.

Die Sprecherin des Kirchentags, Milena Vanini, sagte dem epd, es habe zwar Vorüberlegungen für die Lesung seitens des Vereins "Nürnberger Evangelisches Forum für den Frieden" als möglichen Anmelder gegeben. Letztlich habe sich der Verein aber nicht offiziell beworben. Käßmann werde auf einem der Hauptpodien zum Thema Friedensethik diskutieren und beim Politischen Nachtgebet teilnehmen.

Käßmann steht in der Kritik als eine der Erstunterzeichnerinnen des "Manifests für den Frieden" der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer. Das Manifest unterscheide nicht zwischen Angreifer und Opfer, und fordere letztlich eine Unterwerfung der Ukraine unter die russische Aggression, sagen Gegner des Schreibens. Von einer Demonstration am kommenden Samstag, zu der unter anderen Wagenknecht aufgerufen hatte und an der erwartbar auch Menschen vom rechten Rand teilnehmen werden, hatte sich Käßmann allerdings distanziert. Es brauche Abstand zu menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Positionen, hatte sie begründet.

Käßmann erwartet intensive Friedens-Debatte auf dem Kirchentag

Donnerstag, 23. Februar 2023: Die Theologin Margot Käßmann erwartet für den Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg intensive Diskussionen über den Ukrainekrieg und die christliche Friedensethik. "Es wird hoch hergehen", sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin der evangelischen Monatszeitschrift "Zeitzeichen" in einem am Donnerstag online veröffentlichten Interview.

Laut Käßmann hat der Kirchentag allerdings eine Konzertlesung nicht ins Programm aufgenommen, bei der sie und der Liedermacher Konstantin Wecker pazifistische Texte aus einem von beiden herausgegebenen Buch lesen wollten. Über die Gründe dafür könne sie nichts sagen. Sie sei aber eingeladen, bei einer Diskussion zum Thema Frieden mitzuwirken und werde beim politischen Nachtgebet von Amnesty International predigen, kündigte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland an.

Käßmann beklagte den Ton der Debatte über Militärhilfe an die Ukraine und über Forderungen nach einem Waffenstillstand. Begriffe wie "Lumpenpazifismus" oder "Ponyhof-Theologie" seien diffamierend. "Ich erwarte von einer demokratischen und auch von einer protestantischen Debatte, dass wir den anderen respektvoll behandeln", sagte die Theologin.

Sie habe Verständnis für die ukrainische Position, dass Russland niedergekämpft werden solle, sagte Käßmann. Sie bitte jedoch ebenso um Verständnis für ihre Position, die sie aus der deutschen Geschichte ableite.

Käßmann zählt zu den Erstunterzeichnerinnen des von der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer initiierten "Manifests für den Frieden". Kritiker führen an, das Manifest unterscheide nicht zwischen Angreifern und Opfern und rede einer Unterwerfung der Ukraine das Wort.

Sie stimme nicht mit jedem Satz in dem Manifest überein, sagte Käßmann. Sie hätte es aber nicht unterschrieben, wenn sie es nicht hätte verantworten können. Es sei aber ein Problem für sie, dass auch so viele Menschen mit demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Positionen aus dem rechten Spektrum unterschrieben haben.

Hubertus Heil schlief bei Becksteins

Freitag, 17. Februar 2023: Hubertus Heil, der heutige SPD-Bundesarbeitsminister, hat als Sechsjähriger beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 1979 in München mit seiner Mutter in einem Privatquartier übernachtet. Sein Gastgeber war der spätere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. In einer Mitteilung hat der Kirchentag am Freitag von dieser Kirchentagsbegegnung berichtet. Wenn Einheimische in der Region Kirchentagsbesucherinnen und -besuchern ein Bett oder Sofa in ihren vier Wänden bieten, seien das oft Ausgangspunkte für langjährige Freundschaften, heißt es in der Mitteilung.

Der Kirchentag appelliert an die Menschen in der Region, Gastgeber für die Kirchentagsbesucher zu sein. Gesucht seien private Quartiere in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Umgebung. Aber nicht nur Privatpersonen, sondern auch Kirchengemeinden oder Vereine können Quartiere zur Verfügung stellen. Alle Informationen über das Anbieten und Suchen von privaten Quartieren finden sich auf dieser Webseite.

Kirchentag will CO2 einsparen

Dienstag, 14. Februar 2023: Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2023 in Nürnberg will im Bereich Mobilität ein Viertel der CO2-Emissionen gegenüber den zurückliegenden Kirchentagen einsparen. Das würde etwa 1.365 Tonnen CO2-Äquivalenten entsprechen, teilte der am Dienstag mit. Dazu seien bislang eigenständige Klimaschutzmaßnahmen mit dem Projekt LogMob (Nachhaltige Logistik und Mobilität bei Großveranstaltungen) zusammengeführt worden.

Es sei wichtig, dass das komplette Team des Kirchentags verstehe, warum ein Umdenken in Mobilität und Logistik notwendig ist und was jede und jeder einzelne dazu beitragen kann, erklärte Stephan Menzel, kaufmännischer Vorstand des Kirchentags. Für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Kirchentags hätten Mobilitätsschulungen stattgefunden, um das Thema weiter in sämtlichen Arbeits- und Organisationsprozessen zu verankern. Es ging unter anderem um die Frage, wie sich Fahrtwege mit guter Planung und technischen Hilfsmitteln verkürzen, optimieren oder sogar komplett vermeiden lassen.

Nach dem Kirchentag im Juni 2023 würden die Ergebnisse evaluiert und auf ihrer Grundlage ein neuer, zukunftsfähiger Standard für Logistik- und Mobilitätskonzepte bei Großveranstaltungen erstellt, hieß es. LogMob wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Debatte um Ausschluss von Palästinenser-Ausstellung auf Kirchentag

Dienstag, 14. Februar 2023: Eine Gruppe prominenter Christen hat kritisiert, dass die Ausstellung "Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" nicht auf dem evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg gezeigt werden soll.

"Diese Ausstellung ist auf früheren Kirchentagen schon gezeigt worden. Angesichts der neuen, uns beunruhigenden Israel/Palästina-Krise halten wir es für wichtig, sie erneut zur Diskussion zu stellen",

heißt es in einer Erklärung, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.

Beantragt hatte die Ausstellung der Verein "Flüchtlingskinder im Libanon". Der Verein sei für den Markt der Möglichkeiten zugelassen, sagte Kirchentags-Sprecherin Milena Vanini am Dienstag dem epd: "Die Gruppe hat die Zulassung, die Einladung zum Vorbereitungstreffen des Marktes sowie einen Standplatz erhalten." Es gebe für den Kirchentag 2023 jedoch die Einschränkung, dass die Nakba-Ausstellung nicht gezeigt werden soll, bestätigte die Sprecherin.

Bewerbungen für das Kirchentagsprogramm werden Vanini zufolge von verschiedenen, vom Präsidium eingesetzten Gremien durchgesehen und geprüft. "Diese Entscheidungen werden für jeden Kirchentag neu bewertet und getroffen", fügte sie hinzu:

"Die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch wurde eröffnet, darin wurde auch deutlich gemacht, dass es kein allgemeines Verbot gibt, über die Nakba und ihre Folgen zu informieren. Wir wünschen uns weiterhin eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Verein für den Kirchentag in Nürnberg."

Mit "Nakba", arabisch für Katastrophe oder Unglück, ist die Flucht und Vertreibung palästinensischer Bevölkerungsteile im Laufe des Ersten Nahostkrieges gemeint. Die Nakba-Ausstellung hatte bereits zuvor an verschiedenen Orten in Deutschland für Kontroversen gesorgt.

"Wir fordern nach wie vor eine öffentliche Begründung für das Verbot, die Nakba-Ausstellung auf dem Kirchentag in Nürnberg zu zeigen", heißt es in der Erklärung.

Der Brief trägt unter anderen die Unterschriften des früheren Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Konrad Raiser, und seiner Ehefrau Elisabeth Raiser, der evangelischen Präsidentin des ersten Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin. Als weitere Unterzeichner werden genannt der Erfurter Altpropst Heino Falcke sowie die Theologinnen Almuth Berger und Ruth Misselwitz.

Bundespräsident Steinmeier wird bei Kirchentag dabei sein

Donnerstag, 9. Februar 2023: Die Veranstalter*innen des 38. Deutschen Evangelische Kirchentags geben bekannt, dass zu den Gästen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehören wird. Das gesamte Programm wird erst im März veröffentlicht. 

 

 

"Neues wächst auf": Bedford-Strohm predigt am Hesselberg-Kirchentag

Mittwoch, 8. Februar 2023: Knapp eineinhalb Wochen vor dem 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg (7. bis 10. Juni) findet am Pfingstmontag (29. Mai) der Bayerische Kirchentag auf dem Hesselberg bei Gerolfingen statt. Thematisch haben sich die Veranstalter des größten regelmäßigen Christentreffens in Süddeutschland mit den Kirchentag-Organisatoren abgesprochen, sagte Diakon Matthias Hellmuth dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. Der Hesselberg-Kirchentag stehe unter dem Motto "Neues wächst auf" und schlage damit eine Brücke zum Kirchentag-Motto "Jetzt ist die Zeit".

Zum Hesselberg-Kirchentag werden auch wieder etliche Promis erwartet: Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wird zum letzten Mal in seiner im Oktober 2023 endenden Amtszeit die Predigt im großen Freiluftgottesdienst vor Tausenden Menschen halten. Ebenfalls mit dabei ist die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Regensburgerin Anna-Nicole Heinrich, sowie die Direktorin von Mission EineWelt, Gabriele Hoerschelmann, die derzeit eine von vier Kandidatinnen und Kandidaten für die Bischofswahl ist. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sein Kommen zugesagt.

Zum Rahmenprogramm des Bayerischen Kirchentags gehört wieder die Kirchennacht "Night of Spirit" am Vorabend (28. Mai). Ab 18.30 Uhr leitet Pfarrer Steve Kennedy Henkel durchs Programm, Musik kommt von der Band "Paradise Plain". Der Kinderkirchentag steht unter dem Motto "Da wächst was". Dort gibt es Livemusik mit Band sowie ein Zauberprogramm. Der Open-Air-Gottesdienst wird außerdem wieder per Social Media als Videostream übertragen, sagte Kirchentags-Koordinator Hellmuth. Neu dabei ist diesmal, dass auch die anschließenden Grußworte gestreamt werden.

Der Bayerische Kirchentag hat eine lange Geschichte: Pfingstmontag 1951 eröffnete der damalige bayerische Landesbischof Hans Meiser auf dem 689 Meter hohen Berg die Landvolkshochschule (heute: Evangelisches Bildungszentrum) - aus dieser Eröffnungsfeier entwickelte sich der Kirchentag.

Kirchentagspräsident: "Ungewissheiten eröffnen Handlungsspielräume"

Sonntag, 5. Februar 2023. Auf die Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen trotz aller Krisen hat Kirchentagspräsident Thomas de Maizière hingewiesen. Ungewissheiten eröffneten immer auch Handlungsspielräume, sagte der ehemalige Bundesinnenminister am Sonntag in der Michaelskirche in Fürth.

"Es kommt auf unsere Zeit und auf unser Tun an. Wir können Zuversicht ausstrahlen. Wer denn sonst, wenn nicht wir?",

betonte de Maizière laut einer Mitteilung des Kirchentagsbüros am Sonntag. Am Sonntag hatten Menschen in ganz Deutschland als Einstimmung auf das Christentreffen im Juni in über 200 Gottesdiensten den Kirchentags-Sonntag gefeiert, hieß es weiter. Der Politiker und Protestant de Maizière steht dem 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 7. bis 11. Juni nach Nürnberg einlädt, als Präsident vor. Das Kirchentagsmotto "Jetzt ist die Zeit" ist dem Markus-Evangelium entnommen.

Angesichts der aktuellen Krisen sei es schwer auszuhalten, dass viele politische Fragen der Gegenwart voller Widersprüche steckten. Es sei an der Zeit zu erkennen, "dass ein auf den ersten Blick naheliegendes und scheinbar einfaches moralisches Nein ebenfalls bittere ethische und brutale politische Konsequenzen hat", sagte de Maizière.

Man müsse diese Dilemmata respektieren. Gleichzeitig sei es die Aufgabe von Christen, Hoffnung zu machen. Das Neue Testament verstehe Zeit als "von Gott genutzte und den Menschen geschenkte Zeit zum Handeln". Nur wer handle, könne Gelegenheiten beim Schopfe packen. Das sei "Hoffnung und Auftrag" zugleich, sagte der Kirchentagspräsident.

 

Landesbischof zum Kirchentagssonntag: Es ist Zeit für Entscheidungen

Freitag, 3. Februar 2023: Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm predigt am Sonntag (5. Februar, 10 Uhr) in der Nürnberger Sebalduskirche über das Motto des Evangelischen Kirchentags "Jetzt ist die Zeit". An diesem Sonntag stimmen sich überall in Deutschland evangelische Gemeinden auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag ein, der vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg stattfindet.

Die Menschen würden sich in einer Zeit befinden, die grundlegende Entscheidungen erfordere, betont Bedford-Strohm in einer Mitteilung der Landeskirche am Freitag. Etwa die Entscheidung, nach der Corona-Pandemie anders zu leben. "Vielleicht etwas bescheidener und demütiger, weil wir erfahren haben, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben." Ein Virus habe das Leben der Menschen überall auf der Welt mit einem Schlag umgekrempelt.

Es sei auch an der Zeit, "endlich unser Leben so zu erneuern, dass wir aufhören, auf Kosten der Menschen in anderen Teilen der Welt und auf Kosten künftiger Generationen zu leben", sagte Bedford-Strohm weiter. Maßnahmen gegen den Klimawandel seien dringend nötig, um die Kipppunkte zu vermeiden, die zu weltweit desaströsen Konsequenzen führen könnten. Es sei auch Zeit, die Texte der Bibel neu zu entdecken und daraus Kraft zu finden, die Kirche zu erneuern, sodass "sie offener wird, ökumenischer wird, einladender wird".

Außer dem Landesbischof predigen am Sonntag weitere Mitglieder der Kirchenleitung im Rahmen von Kirchentags-Gottesdiensten: Oberkirchenrat Michael Martin kommt um 10 Uhr in die Kirche St. Stephan in Würzburg. Regionalbischöfin Gisela Bornowski wird um 10.30 Uhr in Ansbach in der St. Gumbertuskirche predigen, heißt es in der Mitteilung. Der Präsident des Kirchentag, Thomas de Maizière, hält die Predigt in St. Michael in Fürth (Beginn 10 Uhr).

Kirchentags-Sonntag am 5. Februar

Donnerstag, 26. Januar 2023: Mehr als 120 Gemeinden wollen am "Kirchentags-Sonntag" einen Gottesdienst feiern, um auf den 38. Deutsche Evangelische Kirchentag 2023 in Nürnberg einzustimmen. Das erklärte Projektleiter Philipp Sommerlath am Donnerstag bei der Präsentation der nächsten Ereignisse in Vorbereitung auf das Großereignis. Geplant sei auch ein Instagram-Gottesdienst, so Sommerlath. Auf die Gottesdienste soll über den Hashtag #meinkirchentagssonntag aufmerksam gemacht werden.

Am 16. März 2023 soll das gesamte Programm offiziell vorgestellt werden, erklärte Anna Lisa Spitzauer vom Organisationsteam des Kirchentags. Zudem könne ab sofort das neue Liederheft "Singen ist JETZT" vorbestellt werden. Das Heft werde zu jedem 5-Tage-Ticket kostenlos an den Servicepunkten des Kirchentags zur Verfügung gestellt. Zudem könne es im Shop für vier Euro bestellt werden.

Evangelischer Kirchentag sucht helfende Hände

Dienstag, 24. Januar 2023: Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag 2023 in Nürnberg sucht Helferinnen und Helfer. Wie der ausrichtende Verein am Dienstag in Fulda mitteilte, wird für das fünftägige christliche Laientreffen vom 7. bis 11. Juni mit ersten Plakaten unter dem Motto "Haste Zeit?" gezielt um Ehrenamtliche geworben. Das Motto ist an die diesjährige Kirchentagslosung "Jetzt ist die Zeit" aus dem Markus-Evangelium angelehnt.

Gesucht werden laut Pressesprecherin Milena Vanini 5.000 Freiwillige für verschiedene Aufgaben, von der Essensausgabe über Kurierfahrten bis hin zum Ordnungsdienst. Die Helferinnen und Helfer könnten kostenlos am Kirchentagsprogramm teilnehmen. Die Organisatorin der Helferdienste, Carolin Dominka, sagte, die Ehrenamtlichen seien die wichtigsten Menschen im Kirchentagsteam. Bisher laufe die Suche gut, aber um die Veranstaltung möglich zu machen, würden noch mehr Freiwillige gebraucht.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag wurde 1949 als christliche Laienbewegung gegründet und besteht bis heute als unabhängiger Verein. Alle zwei Jahre bringt er als Dialog- und Kulturevent rund 100.000 Menschen in einer anderen deutschen Großstadt zusammen. Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag findet dieses Jahr auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Stadt Nürnberg und dem Land Bayern in Nürnberg statt.

Gemeinden stimmen sich auf den Kirchentag ein

Donnerstag, 19. Dezember 2023: Auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni in Nürnberg stimmen sich deutschlandweit Kirchengemeinden am Sonntag, 5. Februar, ein. In Bayern sind über 30 solche Feiern zum "Kirchentagssonntag" geplant, die meisten davon in Franken. Sie stehen unter dem Motto #umGEHkehrt. Auch die Morgenfeier um 10 Uhr im Bayerischen Rundfunk an diesem Sonntag mit der Fürther Pfarrerin Stefanie Schardien widmet sich dem Kirchentag. Schardien ist Mitglied im Präsidium des Kirchentag. In der Nürnberger Sebalduskirche (10 Uhr) predigt der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Es spielen die Bläser von "Gloria Brass".

Noch ein Gottesdienst zum Kirchentag ist beispielsweise um 10.30 Uhr in der Vesperkirche (Gustav-Adolf-Gedächtniskirche) im Nürnberger Süden geplant. Die Musik machen dort Judy Bailey und die Band "Die alte Dame und Herr Mond". Es predigen Pfarrerin Julia Popp und Kerstin Domenika Urban, die auch dem Präsidium des Kirchentag angehört. Der Beauftragte der Landeskirche für den Kirchentag, Philipp Sommerlath, gestaltet den Gottesdienst am 5. Februar in der Jakobskirche in Nürnberg mit.

In der Würzburger Stephanskirche (10 Uhr) predigt der Münchner Oberkirchenrat Michael Martin. Die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern hält die Predigt im Gottesdienst ab 9.30 Uhr in Gräfenberg in der Fränkischen Schweiz. Erst um 18 Uhr beginnt in der Kirchengemeinde Neunburg vorm Wald ein Gottesdienst, den die evangelische Jugend Cham gestaltet. Alle geplanten Kirchentagssonntage sind auf der Internetseite www.kirchentag.de/kirchentagssonntag aufgelistet.

Jugendliche bauen beim Kirchentag Obdachlosenunterkünfte

Samstag, 14. Januar 2023: Jugendliche aus dem niedersächsischen Vechelde bei Peine wollen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg mobile Wohnboxen für Obdachlose bauen. Die rollbaren, etwa drei Quadratmeter großen Unterkünfte aus Holz seien gedämmt und hätten eine Sanitärkabine, sagte der Referent für religionsbezogene Schulprojekte der braunschweigischen Landeskirche, Heiko Grüter-Tappe, am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der kleine geschützte Raum sei insbesondere für diejenigen eine Zwischenlösung, die noch nicht in eine reguläre Unterkunft für wohnungslose Menschen gehen könnten.

An den beiden Wohnboxen werden beim Kirchentag vom 7. bis zum 11. Juni auch Obdachlose selbst mitbauen, sagte Grüter-Tappe. Kooperationspartner ist der Kölner Verein "Little Home", der bundesweit bereits mehr als 240 Unterkünfte gebaut hat. Im Anschluss werden die Unterkünfte an zwei Obdachlose aus Nürnberg übergeben.

Das Projekt ist Teil des Netzwerks "Diakonisches Lernen", das vor zehn Jahren in Bayern begründet wurde. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern praktische und soziale Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers zu vermitteln.

Bischof und Vikar predigen bei Haupt-Gottesdiensten des Kirchentags

Mittwoch, 11. Januar 2023: Knapp 150 Tage vor dem Beginn des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg steht fest, wer beim Eröffnungsgottesdienst am 7. Juni die Predigt halten wird. Als Landesbischof der gastgebenden bayerischen Landeskirche predigt auf dem Nürnberger Hauptmarkt Heinrich Bedford-Strohm, teilte der Deutsche Evangelische Kirchentag am Dienstag mit. Für Bedford-Strohm werde es einer der letzten großen Auftritte als bayerischer Landesbischof sein. Seine Amtszeit endet im Oktober 2023.

Beim Eröffnungsgottesdienst auf dem Kornmarkt wird die Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck aus Essen predigen. Gemeinsam mit dem Pianisten Ben Seipel bildet sie das Duo "2Flügel". Prediger beim Abschlussgottesdienst auf dem Kornmarkt wird der Münchner Vikar Alex Brandl, teilte der Kirchentag mit. Brandl ist Blogger und Podcaster unter anderem für Sonntagsblatt.de und das evangelische Yeet-Netzwerk. Auf Instagram ist er unter dem Namen @alpha.oh.mega zu finden.

Schon seit dem Herbst ist bekannt, dass die Predigt beim Abschlussgottesdienst auf dem Hauptmarkt Pastor Quinton Ceasar aus Wiesmoor (Ostfriesland) hält. Diese Feier wird von ARD und Deutschlandfunk im Fernsehen und Radio übertragen. Auf Instagram (@pastor_vanniekaap) berichtet der südafrikanische Theologe regelmäßig über den Alltag eines Pfarrers und engagiert sich für eine rassismuskritische Gesellschaft.

Sechs Gruppen aus Landeskirche können beim Kirchentag Stand gestalten

Dienstag, 13. Dezember 2022: Sechs gemeinnützige Gruppen oder Initiativen aus der bayerischen Landeskirche werden sich auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg (7. bis 11. Juni 2023) präsentieren können. Man habe dafür einen Stand am Markt der Möglichkeiten gebucht, sagte Pfarrer Günter Gastner, stellvertretender Vorsitzender des Landesausschusses des Kirchentages in der bayerischen Landeskirche, am Montag in Nürnberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bewerbungen können bis Ende des Jahres erfolgen.

Gesucht würden gemeinnützige Initiativen, Gruppen und Organisationen aus Kirche und Gesellschaft, die möglichst vielfältig die Landeskirche abbildeten, sagte Gastner. "Entscheidend sind die geplante Art der Präsentation am Stand und die Motivation zur Beteiligung im Bewerbungsschreiben", erklärte der Pappenheimer Dekanatsjugendpfarrer. Jeweils zwei Gruppen präsentieren sich am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 10.30 bis 18.30 Uhr beim Kirchentag. Alle sechs Gruppen statten den Stand gemeinsam aus und gestalten ihn selbst. Die beiden Gruppen für einen Tag sollten "kombinationsfähig" sein.

Der Landesausschuss Bayern hat seinen Sitz derzeit noch am Nürnberger Amt für Gemeindedienst. Er ist das Bindeglied zwischen dem Kirchentag und der bayerischen Landeskirche und versucht, zwischen den Kirchentagen die Kirchentagsidee in Bayern wirken zu lassen. Seit März 2020 ist der Landesausschuss ein Verein.

Prediger beim Kirchentags-Abschluss-Gottesdienst steht fest

Donnerstag, 20. Oktober 2022: 230 Tage vor Beginn des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg steht fest, wer am 11. Juni beim Abschluss-Gottesdienst predigen wird. Die Entscheidung sei auf den jungen Theologen Pastor Quinton Ceasar (38) gefallen, um explizit jüngere Menschen anzusprechen, teilte der Kirchentag dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag mit. Ceasar stammt aus Südafrika und ist seit einem Jahr Pastor an der Friedenskirche im ostfriesischen Wiesmoor bei Aurich. Er wurde mit der Anfrage, ob er beim Kirchentag predigen könne, in einem Live-Talk auf Instagram überrascht und sagte zu.

Der Gottesdienst zum Abschluss des Kirchentags wird unter freiem Himmel in der Nürnberger Altstadt stattfinden. Erwartet werden mehrere Zehntausend Besucherinnen und Besucher. Einschließlich der Zuschauer und Zuhörer in Fernsehen und Rundfunk wird Ceasar wohl vor bis zu zwei Millionen Menschen sprechen.

"Ich sehe die Anfrage als krasse Chance, muss das aber erstmal sacken lassen", sagte der Pastor im Gespräch mit der Theologin Sarah Vecera und Kirchentagspastor Arnd Schomerus auf Instagram. Er wolle in der Predigt ein klares Zeichen gegen Rassismus setzen. Die Predigt wird von der ARD sowie im Deutschlandfunk übertragen. Zum Kirchentag in Nürnberg vom 7. bis 11. Juni 2023 werden rund 100.000 Dauerteilnehmer erwartet.

Ticketverkauf zum Kirchentag gestartet

Mittwoch, 19. Oktober 2022: Für den 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg sind ab sofort Tickets erhältlich. Bis zum 4. April gebe es einen Frühbucherrabatt, teilte der Kirchentag am Mittwoch mit. Ein reguläres Fünf-Tage-Ticket gebe es für 109 Euro, nach dem 4. April für 119 Euro.

Ermäßigt kostet die Teilnahme an fünf Tagen den Angaben zufolge 59 Euro, nach dem 4. April 69 Euro. Außerdem gibt es Familientickets (179 Euro, mit Frühbucherrabatt 169 Euro), Tickets für einzelne Tage (39 Euro, ermäßigt 29 Euro) und Tickets für die Zeit nach 16 Uhr. Einen Rabatt für Frühbucher gibt es für diese Tickets nicht.

Alle Tickets enthielten voraussichtlich einen Fahrausweis für öffentliche Verkehrsmittel auf dem Gebiet des Kirchentags, hieß es. Erstmals gebe es primär digitale Tickets. Im März erscheine eine App, mit der das elektronische Ticket genutzt werden könne. Alternativ gebe es Papiertickets, die für vier Euro vor dem Kirchentag verschickt werden.

Kirchentags-Veranstalter zufrieden mit bisherigen Vorbereitungen

Samstag, 8. Oktober 2022: Für den evangelischen Kirchentag im kommenden Jahr in Nürnberg liegen bereits mehr als 1.700 Anmeldungen für Workshops, Stände, Ausstellungen, Gottesdienste und Mitmach-Projekte vor. Die Organisatoren des Christentreffens seien mit dieser Resonanz zufrieden, sagte Kirchentags-Pressesprecherin Milena Vanini in Fulda.

Zum vergleichbaren Zeitpunkt im Programmprozess für den Kirchentag in Dortmund im Jahr 2019 habe es nur 1.300 Anmeldungen gegeben, sagte Vanini weiter. Die Bewerbungszahlen für Dortmund und Nürnberg seien aber nicht gleichzusetzen, weil es damals für Workshops und Beteiligungsformate ein anderes Verfahren gegeben habe. Wenn alle Zahlen bereinigt sind, geht der Kirchentag Vaninis Worten zufolge von etwas weniger Bewerbungen als für Dortmund aus. "Vor dem Hintergrund der Pandemie hatten wir dieses Mal allerdings mit einem erheblich größeren Einschnitt gerechnet", sagte sie.

Lange sei nicht klar gewesen, wie hoch die Resonanz werde, nachdem der Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt größtenteils digital stattfinden musste, sagte Kirchentags-Generalsekretärin Kristin Jahn: "Jetzt sehen wir: Der Wunsch nach gemeinsamem Erleben und Gestalten ist ungebrochen."

Für große Teile des Programms sei die Bewerbungsfrist mittlerweile abgelaufen, hieß es. Nun würden Programmformate für die einzelnen Themenbereiche ausgewählt und im März 2023 das endgültige Programm mit rund 2.000 Veranstaltungen vorgestellt.

Große Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger

17. September 2021: Unter dem Motto "Etzerdla, bagg mers" stellt sich der Deutsche Evangelische Kirchentag an diesem Samstag (18. September) in der Nürnberger Innenstadt vor. Der 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag kommt im Juni 2023 in die Frankenmetropole. Auf der Fleischbrücke in Nürnberg präsentiert das Team des Kirchentags der Stadtbevölkerung am Samstag von 11 bis 18 Uhr das Event.

In mehreren Pavillons können sich die Bürgerinnen und Bürger informieren, wie sie sich beteiligen können und wie sich Vereine, Institutionen und Verbände engagieren können. Bei der ganztägigen Veranstaltung können sie außerdem Themen und Ideen, die Menschen in Stadt und Region bewegen, für das Kirchentagsprogramm vorschlagen. Er freue sich auf die den Austausch mit der Stadtbevölkerung, "denn sie wissen am besten, was die Schätze der Region sind, die beim Kirchentag unbedingt eine Rolle spielen müssen", sagte Philipp Sommerlath, Beauftragter der Bayerischen Landeskirche für den 38. Kirchentag. Überschrift und roter Faden des Programms der Kirchentag werde eine biblische Losung sein, die Mitte Oktober 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt werde.

Das Event des Kirchentag nutzt auch die Kircheneintrittsstelle in Nürnberg. Ihre Leiterin Elfriede Bezold-Löhr stellt sie sich am Samstag mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor dem Haus der Kirche "eckstein" dem Gespräch mit Passanten, wie sie dem epd sagte.

Fahrplan für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2023 in Nürnberg

19. März 2021: Der erste wichtige Termin vor der Eröffnung des Deutschen Evangelischen Kirchentags sei ein Info- und Ideentag der bayerischen evangelischen Landeskirche am 26. Juni 2023 in Nürnberg, sagte der Beauftragte der Landeskirche für den Nürnberger Kirchentag, Philipp Sommerlath, bei einer Online-Konferenz.

Die Losung des Kirchentags und den Präsidenten werde man kommenden Winter vorstellen. Bereits im Herbst werden die ersten Mitarbeitenden der Geschäftsstelle umziehen. Derzeit sehen sich die Verantwortlichen noch nach einer passenden Immobilie um, in die zu Hochzeiten der Vorbereitungen in den kommenden Jahren bis zu 100 Leute einziehen sollen, so Sommerlath.

Bis das fertige Programm des Kirchentags feststeht, werde es noch bis zum Frühjahr 2023 dauern. Schon jetzt könnten sich aber Initiativen und Ideengeber mit Vorschlägen schriftlich an ihn wenden.

"Kirchentage muss man fühlen, riechen und schmecken",

sagte der Leiter des Bürgermeisteramtes der Stadt, Tobias Schmidt, und hofft, dass das Ereignis im Jahr 2023 ohne Einschränkungen stattfinden kann. Der Ökumenische Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in diesem Jahr, der in Frankfurt geplant war, muss wegen der Corona-Pandemie auf dezentrale und digitale Veranstaltungen setzen.

Seit 1949 veranstaltet der Deutsche Evangelische Kirchentag als unabhängiger Verein alle zwei Jahre in einer anderen Stadt das große Glaubensfestival, zu dem bis zu 100.000 Dauergäste kommen. 1979 hat der erste und bisher einzige Kirchentag in Nürnberg stattgefunden.

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