Afghanistan

Strafbefehl

So fühlt sich Sozialpolitik in Deutschland oft an: weniger gerecht als blind und ungerecht.
Erstmals hat ein bayerischer Pfarrer einen Strafbefehl erhalten, weil er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hatte. Ulrich Gampert, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Immenstadt, soll demnach wegen "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" 4.000 Euro Strafe zahlen.

Flucht & Asyl

Rolltreppe zur Kapelle und Flughafenseelsorge.
Von München nach Kabul: Heute am 11. September soll es wieder einen Abschiebeflug nach Afghanistan geben. Wie der Bayerische Flüchtlingsrat mitteilte, seien unter den abgelehnten Asylbewerbern der Sammelabschiebung nach Kabul auch kranke und schutzbedürftige Menschen. Voraussichtlich starte der Flieger der britischen TITAN Airline um 22 Uhr vom Münchner Flughafen.

Asyl und Flüchtlinge

Heute (Dienstag) soll vom Münchner Flughafen aus wieder ein Abschiebeflugzeug nach Afghanistan starten. Unter den betroffenen abgelehnten Asylbewerbern sind nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrats auch solche, die sich bereits in Ausbildung oder der Schule befanden. Der Verband ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer "Unser Veto" plädiert für ein Ende des "bayerischen Sonderwegs" bei Abschiebungen nach Afghanistan.

Prominente Protestantin

Margot Käßmann vor dem Thesenportal der Wittenberger Schlosskirche.
Margot Käßmann wird 60 Jahre alt. Wenige Wochen später wird die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zuletzt EKD-Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum in den Ruhestand verabschiedet. Hinter ihr liegt eine bemerkenswerte Karriere in der evangelischen Kirche – mit Höhen und Tiefen.

Asylbewerber abgelehnt

Reza H war wohl beim jüngsten Abschiebeflug nach Afghanistan an Bord. Die Regensburger Rechtsanwältin Margal Noruzi sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), sie habe bis zuletzt vergeblich versucht, die Abschiebung von Reza H. zu verhindern. Der 20-Jährige ist nach Angaben seiner Unterstützer auf einem Auge blind und hat eine schwere Angststörung.

Kunst und Kultur

Die Künstlerin Mahbuba Maqsoodis
Als ihre Schwester von einem islamistischen Terroristen erschossen wird, verlässt Mahbuba Maqsoodi ihr Heimatland Afghanistan. Ihre Lebensreise verschlägt sie zunächst nach Russland und schließlich nach München, wo sie als Künstlerin eine neue Heimat findet. Jetzt hat ­Maqsoodi ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben – als kraftvolles Plädoyer für die Poesie des Lebens und die Rechte der Frau.

Oper mit Flüchtlingen

»Carmen« im »Mixed Munich Arts«: Carmen (Cornelia Lanz) umgarnt Zuniga (Ahmad Shakib Pouya) – bewundert von Soldaten und den Schmugglern Dancaïro (Tom Amir, mit Stirnband) und Remendado (Yoed Sorek, ganz rechts).
Diese "Carmen" ist bemerkenswert, ja: ein Ereignis. Die Gruppen "Opera incognita" und "Zuflucht Kultur" zeigen mit Bühnenprofis und mit Flüchtlingen aus Irak, Syrien und Afghanistan, wie lebendig und aktuell klassische Oper sein kann. Diese "Carmen" ist ein kluger Kommentar zu Liebe und Freiheit und zugleich ein Projekt, das Brücken baut. In Hitlers Heizkraftwerk singt dabei ein jüdischer Kantor das Kaddisch – als Carmen tot ist und alles von vorn anfängt.

Bildungsprojekt vor dem Aus

Annemarie und Peter Schwittek mit einer ihrer Schulklassen in Kabul.
Autor
Am Schulsystem in Afghanistan lässt Peter Schwittek kein gutes Haar. "Die Mehrheit der Abiturienten sind nach zwölf Jahren Unterricht Analphabeten", sagt der Entwicklungshelfer aus Randersacker, der seit den 1970er-Jahren in Kabul lebt. Dort etablierte er über die "Organisation zur Förderung afghanischer regionaler Initiativen und Nachbarschaftshilfen" (Ofarin) ein alternatives Schulprogramm. Dem droht nun mangels Geld das Aus.

Abschiebungen nach Afghanistan

Ramin (links) und Mahmood leben seit einem Jahr in Kallmünz: Ihre Geschichte könnte eine Erfolgsgeschichte der Integration sein. Doch auch sie sind von Abschiebung bedroht.
Deutschland - das klingt wie eine Verheißung. Für dieses Land haben Ramin (16) und Mahmood (17) ihre Heimat Afghanistan verlassen. Vor einem Jahr sind die beiden Jugendlichen im oberpfälzischen Kallmünz gestrandet. Sie gehen zur Schule und integrieren sich. Es sieht nach einer Erfolgsgeschichte aus. Doch seit dem Rückführungsabkommen vom Herbst 2016 sind afghanische Flüchtlinge von Abschiebungen bedroht.