31.07.2020
Kirche & Corona

FAU-Studierende sammeln Empfehlungen für die #digitalekirche nach Corona

Wie haben Kirchen und Religionsgemeinschaften im Netz auf die Corona-Pandemie reagiert? Studierende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen haben die Folgen der Corona-Pandemie in untersucht - hier sind die Ergebnisse.
Digitale Kirche Folgen Corona
Was hat Kirche aus der Corona-Krise gelernt?

Es war ein Ausnahmesemester für die Hochschulen - auch für mich. Als Lehrbeauftragte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) gebe ich regelmäßig Seminare zum Thema Onlineredaktion und digitale Kommunikation. Im diesem Sommersemester sollten die Studierenden den diesjährigen Comicsalon in Erlangen redaktionell begleiten. Doch die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass die Großveranstaltung storniert wurde (inzwischen ist eine digitale Variante geplant).


Was tun? Als Onlineredaktion haben wir schon im März unsere komplette Redaktion ins Homeoffice verlagert. Unsere Praktikantin Lea Schiller kann davon berichten, wie es sich anfühlt, ein Praktikum von zu Hause aus zu machen. Fast täglich berichten wir über die Folgen der Corona-Pandemie. Warum also nicht die Krise auch zum Gegenstand eines Seminars machen?

 

Gesagt, getan: Im April 2020 haben sich die Studierenden des Mastergangs "Medien-Ethik-Religion" auf die Suche gemacht nach "Phänomenen religiöser Praxis im digitalen Raum". Wie haben Gemeinden und Religionsgemeinschaften auf die Krise reagiert? Welche Angebote und Formate sind in dieser Zeit entstanden – auf Youtube, Instagram oder in anderen sozialen Medien?

 

Das komplette Seminar verlief digital: Recherche, Gespräche, ja sogar Live-Interviews wurden über Zoom, Chats, Mails und per Telefon geregelt. Heute können die Studierenden nicht nur interessante Interviews und Artikel vorweisen. Sie haben auch einige Empfehlungen für die Digitalisierung kirchlicher Einrichtungen nach Corona zusammengetragen.

 

Die Verwandlung der Kirche hat längst begonnen, konstatierte jüngst die empirische Studie zu Digitalisierung und Kirche von MIDI. 81 Prozent der für die Studie befragten Kirchengemeinden erklärten, dass sie im Lockdown ein digitales Verkündigungsformat angeboten haben - und 71 Prozent gaben an, dass sie diesen digitalen Formate nach der Krise fortführen möchten. Diesen Eindruck hatten auch die Studierenden. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Die Anregungen der Studierenden für die #digitalekirche lesen Sie hier:

Sieben Anregungen für die digitale Kirche nach Corona

 

  1. Nutzer sind im Netz zeit- und ortsunabhängig unterwegs. Die meisten Angebote der Religionsgemeinschaften reagieren aber nicht genug darauf, sondern bleiben bei ihren "analogen” Veranstaltungsformaten und -zeiten. Kirchen sollten daher neue Formate entwickeln, die "on demand” genutzt werden können.
  2. Kirchen benötigen eine zentrale Plattform, auf der sämtliche Seiten und Angebote kirchlicher Akteure gelistet werden.
  3. Digitale und analoge Formate müssen zusammenwachsen und miteinander verschränkt werden. Gut funktionierende digitale Angebote sollten nach der Corona-Krise nicht wieder eingestellt werden.
  4. Haupt- und Ehrenamtliche müssen sich digital weiter professionalisieren. Das Angebot an Schulungen, Webinaren und Handreichungen muss massiv ausgebaut werden. Auch sollte die Qualität digitaler Angebote kontinuierlich geprüft und verbessert werden.
  5. Verwaltungstechnische und rechtliche Fragestellungen sollten zentral geklärt werden. Kirchliche Akteure müssen rasch eine juristische Unterstützung bekommen. Ferner braucht es Rahmenverträge und Vereinbarungen zur kostenlosen Nutzung von Software, Hardware und Tools abgeschlossen werden.
  6. Viele Kirchenmitglieder wünschen sich interaktive und partizipative Formate, die mit ihrer Lebenswirklichkeit und ihren Alltagsfragen zu tun haben. Hier müssen digitale Räume geschaffen werden, die einen aktiven Austausch ermöglichen.
  7. Kirchliche Einrichtungen sollten kontinuierlich neue Produkte entwickeln und technologische Innovationen nutzen. Warum gibt es keine VR-Brille für ein interaktives Gebet? Eine persönliche Seelsorge-App? 360-Grad-Videos der schönsten Kirchen?

 

Wie Religionen in Zeiten von Corona den digitalen Raum nutzen

 

Alle Artikel des Seminars "Online-Journalismus in der Praxis: Wie Religionen in Zeiten von Corona den digitalen Raum nutzen & innovative Ideen entwickeln" im Rahmen des Masterstudiengangs "Medien - Ethik - Religion" an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) werden hier nach ihrer Veröffentlichung aufgelistet:

 

Das Gebet im Netz kennt keine Grenzen. Was es mit Gebeten in digitaler Form, Beten lernen und meditativem Tippen auf sich hat, erklärt die Theologin Anna-Katharina Lienau im Sonntagsblatt-Interview.

 

Online beten - geht das? Der virtuelle Raum kennt keine Grenzen. Wir stellen zehn Webseiten vor, mit denen sich Beten lässt. Rund um die Uhr.

 

Wie kann Kirche sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren? Der Nürnberger Pfarrer Thomas Zeitler sieht in der Befreiungstheologie einen wichtigen Ansatz für die Bekämpfung des grenzenlosen Konsums.

 

Pfarrerin Juliane Fischer arbeitet im Projektbüro "Profil & Konzentration" der bayerischen Landeskirche. Im Sonntagsblatt-Interview schildert sie, was die #digitalekirche aus der Corona-Krise lernen kann.

 

Warum der Berliner Pfarrer Alexander Brodt-Zabka in der Corona-Zeit einen Podcast gemacht hat - und was er jetzt plant. Ein Interview von Klaudia Stutzke. Sie empfiehlt auch diese Podcasts zu Kirche, Religion und Glauben unter diesem Link.

 

Wie funktioniert eigentlich ein Hackathon? Und was kann man daraus lernen? Jill Wruck führte ein Interview mit Johannes Pieper, der am Hackathon #glaubengemeinsam teilgenommen hat und an einem Projekt "Agile Kirche" arbeitet.

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