Auch mit weniger Teilnehmenden relevant

Dieser Kirchentag hat bewiesen, dass die evangelische Kirche auch mit quantitativ weniger Teilnehmenden ihre Relevanz behält. Die wichtigsten Landes- und Bundespolitiker haben sich in Nürnberg der Debatte um die drängendsten Fragen der Zeit gestellt: Steinmeier, Scholz, Habeck, Baerbock, März und Söder kamen auch zwischen den Podien mit evangelischen Christen ins Gespräch. Davon profitiert nicht nur die Kirche, sondern auch die Politik. Der Kirchentag war auf angenehme Weise in der Stadt präsent, der Abend der Begegnung wird als "Nürnberger Sommermärchen" in Erinnerung bleiben.

(Helmut Frank, Chefredakteur)

Heimspiel in Nürnberg

Manchmal wirkt ja der Franke oder die Fränkin etwas rumpelig und grantig: aber in den Tagen des Kirchentags haben die Nürnberger wohl diese Eigenschaften abgestreift und sind den Kirchentagsgästen sehr zuvorkommend begegnet. Darüber bin ich als Nürnberg-Redakteurin, die bei diesem Kirchentag ja ein Heimspiel hatte, sehr froh. Tagsüber und abends hat die Stadt sich von ihrer besten Seite gezeigt, viele Kirchentagsbesucher wollen als Touristen wiederkommen. Insofern waren die Millionen, die die Stadt in das Protestantentreffen gesteckt hat, ein gut angelegtes Geld.

Was den Impuls angeht, der von diesem Kirchentag ausging, zitiere ich den Kirchentagspräsidenten Thomas de Maizière: "Warum kann das nicht immer so sein?" Respektvoll, konzentriert, hörend, sachkundig, im guten Sinne kontrovers zu streiten? Es braucht wohl noch eine Weile, bis der Impuls wirkt: Schon am Wochenende des Kirchentags droschen Markus Söder und Hubert Aiwanger, die ja beide beim Kirchentag Auftritte hatten, wieder schonungslos auf politische Gegner ein.

(Jutta Olschweski, Redakteurin)

Ich fand's super!

Ich hatte zwei total schöne Tage auf dem Kirchentag in Nürnberg. Am ersten Tag war ich zum Aufbauen unserer Ausstellungen da. Schon dort waren die Leute total lieb, alle haben geholfen, wo sie konnten. Man hat einfach gemerkt, dass sich die Menschen dort wirklich für die Ausstellungen, Stände und für die anderen Menschen interessieren. Es war total leicht, mit Leuten ins Gespräch zu kommen und ich habe mich sehr wohlgefühlt.

Am zweiten Tag war ich zuerst bei der Veranstaltung "Wenn Yoga und Tee nicht mehr helfen - Der Mensch und die Krisen" mit Luisa Neubauer. Es kam ein richtig schönes Gemeinschaftsgefühl auf. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, ich wäre die einzige, die sich Sorgen um unsere Zukunft macht. Also klar, ich bin nicht die Einzige und das weiß ich auch, aber dieses Gefühl, dass man verstanden wird, war echt schön. Auch wenn die Themen nicht leicht waren, bin ich mit einem positiven Gefühl aus der Veranstaltung gegangen.

Die zweite Veranstaltung, welche ich besucht habe, war eine Podiumsdiskussion mit dem Thema "Sind Kirchen sichere Orte?". Das Gespräch wurde von verschiedenen queeren Personen und People of Colour geführt. Auch hier habe ich ein richtig schönes Gemeinschaftsgefühl wahrgenommen. Die Personen und ihr Gespräch waren sehr interessant, auch für Menschen, die nicht christlich sind oder überhaupt einen Glauben haben. 

Meine letzte Veranstaltung war "Abgekanzelt - Kabarettgipfel" bei der Abdelkarim aufgetreten ist. Sein Hauptthema war Rassismus. Mir, als weiße heterosexuelle Cisfrau, ist manchmal gar nicht bewusst, wie wenig Ahnung ich davon habe. Aber es macht mich traurig zu wissen, dass es nicht allen Menschen so geht wie mir. Deshalb fand ich es echt super, dass Abdelkarim dies thematisiert hat.

Ich hatte auf jeden Fall wirklich schöne Tage und freue mich, wenn ich mal wieder ein Teil des Kirchentags sein darf. 

(Veronika Bonk, Praktikantin)

Friedlich und fröhlich

Jedesmal bin ich wieder davon begeistert, wie friedlich und fröhlich die Kirchentagsbesucher sind. Ich wünsche mir, dass die Impulse aus den Veranstaltungen in den Gemeinden vor Ort ankommen.

(Elke Zimmermann, Redakteurin)

Kreativ, facettenreich und engagiert

Der Nürnberger Kirchentag war mein erster, und damit war ich voller Erwartungen, aber auch gewisser Vorahnungen hingefahren und an allen Tagen da. Die "Vorahnungen" wurden erfüllt: Der Kirchentag ist mittlerweile eine hochpolitische Veranstaltung, bei der links-grüne Themen und Tendenzen in der Gesellschaft ihren Widerhall finden. Gefühlt war die Gretchenfrage "Wie hältst Du es mit den Klimaklebern?" der rote Faden, der sich vor allem auf den Podien durch die Messehallen schlängelte. Beeindruckendste Veranstaltung in diesem Zusammenhang war die Diskussionsrunde mit u.a. Aktivistin Carla Hinrichs und dem ehemaligen Siemens-Chef Joe Kaeser vor rund 4500 Gästen. Während erstere wie ein Popstar gefeiert und bejubelt wurde, wurde zweiterer ausgebuht von einem Publikum, das sich augenscheinlich lieber von Plattitüden und Endzeitrhetorik anstacheln ließ als von sachlicher Argumentation und ergebnisorientierten Appellen. Sehr ernüchternd.

Doch es gibt auch die schönen Erlebnisse und tollen Erfahrungen: Mit zigtausenden Menschen beim Eröffnungsgottesdienst auf dem Hauptmarkt aus vollen Kehlen den Kirchenliedklassiker "Lobe den Herren" zu singen, war ebenso erhebend wie "Der Mond ist aufgegangen" unter dem Schein von tausenden Kerzenlichtern beim Abendsegen am "Abend der Begegnungen".

Hervorheben möchte ich vor allem eine Veranstaltung, die unter den 2000 wie so viele etwas untergegangen ist: Was am Kirchentags-Samstag rund um die LUX-Jugendkirche am Nordostbahnhof, mit drei Bühnen, auf denen verschiedene Bands gespielt haben, und einem kunterbunten Programm, bei dem sich evangelische Jugendgruppen aus ganz Bayern präsentiert haben, war schlichtweg fantastisch. Und an vielen Stellen ist mir aufgefallen, wie kreativ, facettenreich und engagiert doch unsere evangelische Community im Land ist. Hut ab dafür!

Toll war auch, dass die "schönste Vorstadt Deutschlands", wie ich Fürth auf dem Roten Sofa unter einer Mischung aus Jubel- und Buh-Rufen (Déjà-vu zum Hinrichs-Kaeser-Erlebnis kurz davor) im Gespräch mit der Fürther Pfarrerin Stefanie Schardien augenzwinkernd nannte, mit den zahlreichen Veranstaltungen dort auch ihr Stück vom Kuchen abbekam. Auch hier fanden tolle Events statt, die sehr gut angenommen wurden, was mich sehr freut.

(Timo Lechner, Redakteur)

Festival des Glaubens (und der Selbstgerechtigkeit)

Nach Dresden 2013 war Nürnberg erst mein zweiter Kirchentag. Massenveranstaltungen sind nicht so ganz meine Sache, und von Anfang an fand ich es schwer, eine Schneise durch ein Programm mit vielen spannenden, interessanten und auch seltsamen Angeboten zu schlagen. Aber man hört von den Kirchentagsprofis, dass das Gefühl, viel zu viel zu verpassen, das Gefühl der Überforderung durch 2000 Veranstaltungen an fünf, eigentlich nur drei Tagen zum originären Kirchentagsfeeling gehört.

Wir Journalisten haben den Vorteil, dass wir mit unserem Presseausweis meist auch in eigentlich überfüllte Veranstaltungen kommen. Das hat mir ermöglicht, Kanzler Olaf Scholz zu erleben. Aber bei netten Gesprächen in den Pausen – zum Beispiel im Lorenzer Pfarrhof bei einem "Franken-Hotdog" (Laugenstange mit Bratwurst und Sauerkraut) – habe ich mir berichten lassen, wie beglückend es sein kann, wenn man bei einem überfüllten Saal, einer rappelvollen Kirche abprallt und dann in eine andere Veranstaltung gespült wird. Man mag die so gar nicht auf dem Zettel gehabt haben, und ist gleichwohl durch überraschende, unerwartete Begegnungen bereichert.

Der Nürnberger Kirchentag war das erwartete Festival des Glaubens, an vielen Stellen aber auch eines der befürchteten Selbstgerechtigkeit. Ein Glück war das spektakuläre Wetter. So werden mir die Tage von Nürnberg in strahlender Erinnerung bleiben. Das Abendgebet am Mittwochabend und zuvor der Abend der Begegnung waren jedenfalls ein wundervoller Auftakt. 

Der Kirchentag stand für mich im Zeichen der jüdisch-christlichen Begegnung. Die Stadt der Reichsparteitage, die Nürnberger NS-Rassegesetze, selbst die so malerisch anmutende Altstadt-Topografie der ehemaligen Reichsstadt: Nürnberg und die Juden, das ist eine schwer belastete Geschichte. Wie sieht ein evangelischer Kirchentag vor diesem Hintergrund aus? Mitgebracht habe ich nicht nur spannende Geschichten und bereichernde Begegnungen, sondern auch ein Selfie mit dem sehr netten und klugen Ex-Fußballprofi Neven Subotic.

(Markus Springer, Kulturredakteur)

Viele offene Menschen

Es war einfach toll, mit so vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen. Alle waren sehr freundlich und offen – und das tut einfach gut, nach der langen Zeit, wo das nicht möglich war. Man kommt live einfach viel besser ins Gespräch. 

(Eva Eder, Leitung Evangelische Medienagentur (ema) & Marketing/Vertrieb)

Werde den nächsten Kirchentag definitiv wieder besuchen

Ich war anfangs etwas skeptisch, als ich gehört habe, es geht auf den Kirchentag. Einfach, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Aber der Kirchentag ist viel besser, als es sein Name vermuten lässt. Es waren so viele junge Menschen da. Und es standen überraschenderweise auch viele außerkirchliche Themen auf der Agenda. Vor allem der Klimawandel spielte eine große thematische Rolle. 

Überrascht hat mich vor allem die weite Altersspanne, die sich auf dem Kirchentag bewegt. Neben Jugendlichen in meinem Alter habe ich auch viele ältere Menschen getroffen, darunter sogar eine 90-jährige Frau.

Auf dem Kirchentag hat man die Chance seinen Glauben mit Anderen zu teilen, sich auszutauschen und neue Menschen kennenzulernen. Zusätzlich finden aber auch super viele Veranstaltungen statt, die recht wenig mit der Kirche oder dem Glauben zu tun haben, was ich, als gläubiger Mensch, nur befürworten kann.

Der Kirchentag spricht so viele wichtige Themen an, egal, ob als ernsthafte Podiumsdiskussion oder als Comedy-Show, bei der zwischendrin Lieder gesungen werden und laut gelacht wird. Der Kirchentag ist auf jeden Fall eine Veranstaltung für jeden, egal ob alt, jung, gläubig oder auch nicht. Ich werde den nächsten definitiv wieder besuchen! 

(Lisa Brun, Bundesfreiwillige)

Wunderbares Glaubensfest

Der Kirchentag war ein wunderbares Glaubensfest: tolle Veranstaltungen, stimmungsvolle Glaubens- und Gemeinschaftsmomente. Nürnberg und Fürth waren die perfekte Kulisse für diese Veranstaltung: kurze Wege, gute U-Bahnverbindungen und schönes Drumherum. Das Wetter hat auch im Großen und Ganzen gut mitgespielt.

(Agnes Krafft, Redaktionsleitung Fernsehen und Radio)

So viel Diversität sollte es immer geben

Highlights waren meine Eins-zu-Eins Interviews mit Matthias Egersdörfer, Kabarettist und Franken-Tatort-Schauspieler und das Interview mit Heinrich Bedford-Strohm, dem bayerischen Landesbischof. Während Egersdörfer von der Bibel gefrustet war und von dem seiner Meinung nach "hochnäsigen Jesus" sprach, sang der Landesbischof ein Loblied auf die Bibel.

Verschiedene Meinungen zuzulassen, miteinander zu diskutieren, das ist am Kirchentag möglich, genauso wie eine wahnsinnig freundliche Grundstimmung in öffentlichen Verkehrsmitteln – erstaunlich! Der Menschenkette für den Klimaschutz hätte ich noch mehr Teilnehmer gewünscht und weniger Hater*innen auf Social Media. Mein Fazit: So viele junge Menschen, so viel Diversität in der Kirche wie auf dem Kirchentag – sollte es immer geben.

(Jasmin Kluge, Redakteurin)

Zu viele Veranstaltungen und zu wenig junge Menschen

Ich muss gestehen, dass ich mit einer ziemlich großen Erwartungshaltung auf den 38. Kirchentag in Nürnberg gefahren bin. Seit 1949 lassen sich religiöse und nicht-religiöse Menschen von dem evangelischen Großereignis bewegen. Auch in unserer Redaktion sprachen wir lange vor Beginn über dieses und jenes Thema, das diverse Politiker*innen auf dem Kirchentag diskutieren sollten. Und grundsätzlich muss ich sagen, dass der Kirchentag etwas Besonderes ist und ich jedem empfehlen würde, sich zumindest einmal darauf einzulassen. Den besonderen Charakter, der den Kirchentag ausmacht, den konnte ich bereits in meiner aller ersten Minute auf dem Messegelände erleben.

Vor mir stieg nämlich aus der U-Bahn eine Gruppe uniformierter Jugendlicher aus, die sich als Freiwillige herausstellen sollten. Da war es gerade sieben Uhr in der Früh und die Gruppe stürzte sich, angekommen auf dem Gelände, euphorisch auf einige Schilder. Mit ihnen sollten sie die ankommende Menschenmenge möglichst schnell und unkompliziert zu den Veranstaltungen lotsen. An jeder Ecke konnte man diese Freiwilligen beobachten, wie sie selbstlos anderen den Weg wiesen, stundenlang Gepäck aufbewahrten oder dafür sorgten, dass jeder einen Platz bei einer überfüllten Podiumsdiskussion bekam. Der Kirchentag kann also vor allem eines: Er begeistert die Menschen. Obwohl, ich hier konkretisieren muss. Denn unter den Kirchentags-Besucher*innen waren meiner Auffassung nach vor allem ältere Menschen. Jugendliche oder junge Menschen waren eher unter den eben erwähnten Freiwilligen zu finden. Einzelne Jugendgruppen entzerren dieses Bild ein wenig.

Das könnte daran liegen, dass ich hauptsächlich auf dem Messegelände war, wo es viele Politik-Veranstaltungen gab. Aber gerade dabei hätte der Kirchentag viel mehr jüngere Menschen mobilisieren sollen. Denn speziell die Klimakrise wurde reichlich auf dem Kirchentag diskutiert. Das führt zu einem weiteren Punkt, der mich an dem Kirchentag stört. Und zwar die riesige Menge an Veranstaltungen, die man am liebsten alle gleich besuchen möchte. Das Problem dabei ist, dass manche Veranstaltungen fast schon untergehen. Zum Beispiel freute ich mich, bei dem Interview des Ministerpräsidenten auf dem "Roten Sofa" dabei zu sein.

Viele weitere Menschen teilten meine Begeisterung, wie der Andrang zeigte. Ein kurzer Blick zu einer anderen Diskussion, bei der es um patriarchale Strukturen ging, vermittelte ein anderes Bild. In der riesigen Halle wirkte die Zuschauerzahl im Vergleich dazu mickrig. Es waren lediglich die ersten Reihen besetzt. Definitiv ist es ein Pluspunkt, dass sich jeder in der Themenauswahl widerfindet. Weniger Veranstaltungen hätten aber mehr Wertschätzung für einzelne bedeutet. Nichtsdestotrotz habe ich mich über die Relevanz des Kirchentages, auf dem neben Markus Söder, tolle Gäste aus Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft da waren, gefreut. Wie viele Menschen Kirche eben doch noch mobilisieren kann, gerade in unruhigen Zeiten, die immer mehr von der Tendenz geprägt sind, einander nicht zuzuhören, war eine Erleichterung für mich. 

(Florian Hechler, Bundesfreiwilliger)

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