19.03.2020
Coronavirus

Beerdigungen in der Kirche trotz Corona-Gefahr: Das müssen Sie jetzt beachten

Das Coronavirus hat unseren Alltag fest im Griff. Doch wie können würdevolle Beerdigungen und Trauerfeiern trotz Ansteckungsgefahr stattfinden? Kirchen, Behörden und Bestatter raten zu Vorsichtsmaßnahmen.
Urnengrab

Wegen der Corona-Krise sind Beerdigungen und Trauerfeiern nur noch im eingeschränkten Umfang möglich. Bundesweit rufen Kirchen, Bestatter und Behörden zur Vorsicht auf. Sie geben Tipps, die vor Ansteckung schützen sollen.

Allerdings seien die Regelungen von Bundesland zu Bundesland und in den Kommunen vor Ort noch höchst unterschiedlich, erklärte der Bundesverband Deutscher Bestatter am Dienstag in Düsseldorf.

Inzwischen wurden viele Trauerhallen geschlossen, Beisetzungen müssen im Freien stattfinden. Zudem wird empfohlen, die Anzahl der Trauergäste so weit wie möglich zu reduzieren.

Trauerfeiern werden teilweise untersagt

Trauerfeiern auf Friedhöfen würden zurzeit in einigen Bundesländern noch als "private" Veranstaltungen angesehen, erklärte der Bestatterverband. Sie fielen damit nicht unter das generelle Verbot von "öffentlichen" Versammlungen.

Dennoch würden Städte und Kirchengemeinden die Trauerhallen schließen und Trauerfeiern untersagen - wie auch schon Gottesdienste untersagt sind.

Bestattungen müssen nach Einschätzung des Göttinger Kirchenrechtlers Hans Michael Heinig weiter möglich sein.

"Eine würdevolle Grablegung ist vom postmortalen Persönlichkeitsrecht geschützt", sagte er.

Bestattungen auf engsten Familienkreis beschränken

Man könne Bestattungen im Rahmen der technischen Möglichkeiten eine Zeitlang aufschieben und sie auf den allerengsten Familienkreis begrenzen. "Aber es wäre nicht hinnehmbar, die leiblichen Überreste Verstorbener teilnahmslos verscharren lassen zu müssen", sagte er dem Sonntagsblatt.

Elke Herrnberger vom Bundesverband Deutscher Bestatter erklärte, die Trauerfeier sollte im privaten Bereich weiter möglich sein, aber es sollten durch die Bundesländer eindeutige Vorgaben erfolgen, wie viele Trauergäste maximal teilnehmen dürfen. Aktuell fänden teilweise noch Trauerfeiern mit Trauerkaffee mit zahlreichen Trauergästen statt.

Besonders bei alten und kranken Menschen bestehe sehr große Ansteckungsgefahr, "weil natürlich Umarmungen erfolgen und Tränen fließen. Hier werden somit unmittelbar Körperflüssigkeiten ausgetauscht", hieß es weiter.

Risiko der Ansteckung soll verringert werden

Der Bundesverband Deutscher Bestatter empfiehlt bis zu 25 Personen bei einer Trauerfeier, um das Risiko der Ansteckung zu verringern.

Sofern die Friedhofsverwaltung noch Trauerfeiern zulässt, solle diese vor Ort ab sofort bei Trauerfeiern Teilnehmerlisten auslegen, in der durch einen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung oder einen Mitarbeiter des Bestatters die Teilnehmer inklusive Kontaktdaten eingetragen werden, hieß es. Auch die Mitarbeiter des Bestatters und die Träger sollten auf diesen Listen erfasst werden.

Dadurch könnten Teilnehmer schneller identifiziert werden, sollte zu einem späteren Zeitpunkt einer der Trauergäste positiv auf das Coronavirus getestet werden. Die Teilnehmerlisten sollten von der Friedhofsverwaltung verwahrt und nach rund vier Wochen vernichtet werden.

"Können kurzfristig untersagt werden"

Der größte Berufsverband der Bestatter in Deutschland empfiehlt, Trauerfeiern bis auf weiteres zu erlauben. Sollte sich die Risikoeinschätzung ändern, "können Trauerfeiern aber ebenfalls kurzfristig untersagt werden".

Der Bundesverband Deutscher Bestatter repräsentiert mehr als 3.100 Bestattungsunternehmen in ganz Deutschland. Das seien mehr als 80 Prozent aller deutschen Bestatter. Als wichtige Aufgabe zählt für den Bundesverband der Erhalt und die Förderung der Bestattungskultur und des Berufsethos.

Landesbischof Bedford-Strohm

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat dafür plädiert, dass Beerdigungen trotz des Gottesdienstverbots wegen der Corona-Pandemie stattfinden können.

"Wir müssen sie aber so gestalten, dass keine Infektionsgefahr entsteht", sagte Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, dem Sonntagsblatt.

Natürlich sei es schmerzlich, dass keine Gottesdienste mehr in Kirchen stattfinden könnten. Aber die Kirchen sagten Ja zu allem, was helfe, die Gefahr und das Risiko zu vermindern.

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